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"Gerechtigkeit ist keine Utopie"

Jose Lazo
© Adveniat
Lorenzo Aguilar

Jose Lazo kämpft im Erzbistum San Salvador für Gerechtigkeit und für die Rechte der Armen

Mit dem Megaphon in der Hand geht Jose Roberto Lazo allen voran durch die Straßen von San Salvador. "Gemeinsam für Gerechtigkeit" skandiert der 42-Jährige und stimmt ein Lied an. Nur gut zwei dutzend Menschen haben sich an diesem Morgen seinem Demonstrationszug angeschlossen. Die Situation ist angespannt. Aus Angst vor Übergriffen bewaffneter Banden stehen viele der Anwohner unsicher in den Türen ihrer Häuser, schauen aus den Fenstern und verfolgen stumm den Marsch.

Jose Lazo ist Mitarbeiter im Rechtshilfebüro des Erzbistums San Salvador, der "Tutela Legal". Er und seine zwölf Kollegen kämpfen für ein großes Ziel: Gerechtigkeit. Damit ist es in El Salvador nicht weit her. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist extrem groß. "Insbesondere wer arm ist, der wird oft Opfer von Willkür und Gewalt und scheint keinerlei Rechte zu haben", sagt der zweifache Familienvater. Mit Demonstrationen, wöchentlichen Sendungen im Kirchenradio Luz auf 97,7 FM und in vielen Workshops klärt er die Menschen auf. "Auch wenn das niemand weiß - selbst in unserem Land gelten die Menschenrechte", sagt er und seine schwarzen Augen funkeln.

Bürgerliche und christliche Pflichten

Zwischen 13 und 15 Menschen werden jeden Tag in El Salvador, das gerade mal so viele Einwohner hat wie das Bundesland Hessen, ermordet. Immer wieder verschwinden Menschen, nur selten wird die Polizei aktiv. Ohnmächtig sehen sich viele Bürger der Gewalt ausgesetzt, haben resigniert. "Die Tutela Legal nimmt Suchmeldungen entgegen, hilft beim Kontakt mit den Behörden, um Strafanzeigen zu stellen und stellt eigene Nachforschungen an", erklärt Jose.

"Wir müssen kämpfen, das ist unsere Pflicht, als Bürger und als Christen", sagt er entschlossen. "An Gott zu glauben bedeutet in seinem Sinne, hier und jetzt die Welt zu gestalten." Lazos großes Vorbild ist dabei der 1980 ermordete Oscar Romero. Wie der ehemalige Erzbischof glaubt er fest an die Zukunft seines Landes. Über seine Frau könnte die Familie eine Greencard für die USA bekommen. Doch das lehnt er ab. "Gerechtigkeit ist keine Utopie", sagt er. "Wir müssen eine Gegenmacht formieren, mit Geist und nicht mit Waffen."

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