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Nikolaus von Myra  Seite drucken

Symbolfigur des gelebten Glaubens

Nikolaus von Myra (russische Ikone von Aleksa Petrov, 1294)
© gemeinfrei
Der heilige Nikolaus von Myra (Ausschnitt aus einer Ikone aus dem 13. Jahrhundert).

Nikolaus ist Geschenkbringer, Wundertäter und Nothelfer

Nikolaus von Myra gehört zu den großen Gestalten der frühen Christenheit. Ein slawisches Sprichwort sagt: "Wenn Gott je sterben sollte, würden wir den heiligen Nikolaus zu Gott machen." Nikolaus ist wie kein Zweiter das Symbol der Nächstenliebe und Helfer der Armen und Bedrängten. Sein Glanz überstrahlt beinahe das Licht aller Heiligen.

Nikolaus ist zum Inbegriff eines Menschen geworden, der seinen Weg zu Gott über die Brücke der Nächstenliebe geht. Durch die Legenden, die sich um ihn ranken, wird er selbst zur Legende. Der Bischof von Myra ist Nothelfer, Geschenkbringer, Wundertäter, Schutzpatron von Kindern und Seefahrern und scheinbar auch den Gesetzen von Zeit und Raum enthoben.

Verehrt in Ost und West

In der oströmischen Provinz Lykien geboren und in der gesamten Ostkirche bis heute hoch verehrt, hat Nikolaus auch unter den frühen Heiligen des ehemaligen weströmischen Reiches eine überragende Stellung erworben. Auch in den protestantischen Kirchen wird sein Gedenken bis heute am 6. Dezember ausgiebig gefeiert. Nikolaus ist beheimatet in der offiziellen Liturgie der Kirche, aber auch zu Hause in den volkstümlichen Festen der Familien, Kindergärten, Schulen und Vereine.

Die Basilika San Nicola in Bari.
© gemeinfrei
Die Basilika San Nicola in Bari.

Doch auch viele Verzerrungen hat der ehrwürdige Bischof erfahren. Wie viel Kitsch und Verweltlichung muss er bis heute über sich ergehen lassen. Vom "bösen Niklas" im Struwwelpeter mutiert er langsam zum Gartenzwerg und wird als dickbäuchiger und rotnasiger Weihnachtsmann zur Leitfigur der gnadenlosen Vermarktung des weihnachtlichen Konsums.

Geschichtlich betrachtet steht die Person des Nikolaus kaum fassbar vor uns. Eine auch nur annähernd eindeutige Biographie über den Bischof von Myra vorzulegen ist nicht möglich, die ältesten Quellen über sein Leben stammen aus dem 6. Jahrhundert und sind von Legenden umrankt. Bis heute wird zwar sein aufgebrochenes Grab in der Bischofskirche von Myra gezeigt, doch auch hier sind sich die Fachleute uneins, ob es sich wirklich um die ehemals letzte Ruhestätte der berühmten Bischofsgestalt handelt.

Legenden um eine Symbolgestalt

Auslöser für die Verehrung und die Entstehung des Brauchtums um die Figur des heiligen Nikolaus sind die Legenden, die im 6. Jahrhundert auftauchen. Der Nikolaus-Kult steht von Anfang an in einem Zusammenhang mit dem Weihnachtsfest. Der Bischof wird in den Legenden zur Symbolgestalt des gelebten und erlebten Glaubens an Jesus Christus.

Das Grab des heiligen Nikolaus in Bari.
© gemeinfrei
Das Grab des heiligen Nikolaus in der Basilika San Nicola in Bari.

Aufgrund kritischer Textanalysen weiß man heute jedoch, dass seine Gestalt fiktiv ist; der legendäre Nikolaus ist eine Verschmelzung zweier historischer Personen: dem Bischof Nikolaus von Myra, der wahrscheinlich im 4. Jahrhundert gelebt hat, und dem gleichnamigen Abt Nikolaus des Mönchsklosters Sion, der später Bischof war und am 10. Dezember 564 starb.

Nikolaus von Myra ist wie auch der heilige Martin von Tours (Sankt Martin), die etwa zeitgleich gelebt haben mögen, zu einem "politischen" Heiligen geworden. Beide sind die ersten Nicht-Märtyrer, die als Heilige verehrt wurden und stehen für den Kampf gegen das Vordringen des Islam im frühen Mittelalter.

Von Myra nach Bari

Nach der Eroberung der Hafenstadt Myra durch islamische Truppen raubten 1087 süditalienische Kaufleute die Gebeine aus der Grabstätte des Heiligen und überführten die Reliquien in ihre Heimat Bari. Die Gebeine werden bis heute dort in der Basilika von San Nicola aufgebahrt.

Nikolaus und die Legende von den drei Goldklumpen.
© diekelten.at
Der heilige Nikolaus ist Teil vieler populärer Legenden.

Das Bild des heiligen Nikolaus ist also insbesondere durch die Legenden bestimmt, und davon gibt es in dessen Lebensspiegel reichlich. Die älteste Nikolaus-Legende berichtet von drei oströmischen Feldherren, die Opfer einer Intrige und zum Tod verurteilt werden. Im Kerker beten sie zum heiligen Nikolaus, der daraufhin dem Kaiser erscheint und die Freilassung der Feldherren veranlasst.

Die wohl volkstümlichste Legende, die sich bis heute auf dem Gabenteller am Nikolaustag niederschlägt, erzählt, wie Nikolaus einem armen Mann und dessen Töchtern mit drei Goldklumpen aus einer Notlage hilft. Nikolaus erfährt, dass der Mann seine Töchter zur Prostitution hergeben soll, weil er kein Geld hat. Um dies zu verhindern, wirft der Bischof in drei aufeinander folgenden Nächten je einen großen Goldklumpen in das Zimmer der Frauen. Aus dieser Legende entspringt die häufige ikonografische Darstellung des Heiligen mit drei goldenen Kugeln oder Äpfeln.

Buntes Brauchtum

Das älteste Nikolaus-Brauchtum stammt aus dem 9. Jahrhundert: das Kinderbischofsspiel. Das Spiel wird bereits um 870 auf dem Konzil von Konstantinopel erwähnt und vermischt sich später mit dem Nikolaus-Brauchtum. Ursprünglich wurde es am Tag der Unschuldigen Kinder (28. Dezember) als eine Art Karneval oder Narrenfest gefeiert. Im 11. Jahrhundert kommt das Fest ins Abendland und hält sich dort bis in das 18. Jahrhundert.

Ein Weihnachtsmann auf einem Weihnachtsmarkt.
© Wolfgang Hoyer/PIXELIO
Der Weihnachtsmann ist das bekannteste Symbol für den verkitschten Nikolaus.

Seit dem 13. Jahrhundert bürgert sich der 6. Dezember als Festauftakt ein, wobei die gesamte Feier bis zum 28. Dezember dauert. Das eigentliche Spiel besteht darin, dass die Schüler an Kloster-, Stift- und Domschulen einen "Abt" oder "Bischof" wählten, der ein pompöses Fest und große Umzüge durchführte. Ausgestattet war der Knabenbischof wie ein richtiger Bischof: mit Chorkleidung, Mitra und Stab.

Das Fest der Unschuldigen Kinder (28. Dezember) war im Mittelalter auch Kinderbeschenktag. In dem Maße, wie der heilige Nikolaus populär und Patron der Kinder wurde, verlagerte sich im 13. Jahrhundert der Kinderbeschenktag auf den Festtag des heiligen Nikolaus (6. Dezember). Um 1500 war Weihnachten als Schenktermin oder Kinderfest noch unbekannt.

Die Reformation hat sowohl den heiligen Nikolaus als Geschenkbringer, als auch den 6. Dezember als Termin bekämpft. Neuer Schenktermin – zunächst in protestantischen Gegenden, nach 1900 allmählich flächendeckend in ganz Deutschland – wurde Weihnachten. Geschenkbringer wurde die von Martin Luther propagierte Kunstfigur "Christkind". Im Laufe der Entwicklung mutierte das "Christkind" schließlich zum "Weihnachtsmann", der wiederum zum Teil Wesensmerkmale und den Namen des heiligen Nikolaus übernahm.

Von Markus Schüppen
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