Symbolfigur des gelebten Glaubens

Nikolaus ist Geschenkbringer, Wundertäter und Nothelfer
Nikolaus von Myra gehört zu den großen Gestalten der frühen Christenheit. Ein slawisches Sprichwort sagt: "Wenn Gott je sterben sollte, würden wir den heiligen Nikolaus zu Gott machen." Nikolaus ist wie kein Zweiter das Symbol der Nächstenliebe und Helfer der Armen und Bedrängten. Sein Glanz überstrahlt beinahe das Licht aller Heiligen.Nikolaus ist zum Inbegriff eines Menschen geworden, der seinen Weg zu Gott über die Brücke der Nächstenliebe geht. Durch die Legenden, die sich um ihn ranken, wird er selbst zur Legende. Der Bischof von Myra ist Nothelfer, Geschenkbringer, Wundertäter, Schutzpatron von Kindern und Seefahrern und scheinbar auch den Gesetzen von Zeit und Raum enthoben.
Verehrt in Ost und West
In der oströmischen Provinz Lykien geboren und in der gesamten Ostkirche bis heute hoch verehrt, hat Nikolaus auch unter den frühen Heiligen des ehemaligen weströmischen Reiches eine überragende Stellung erworben. Auch in den protestantischen Kirchen wird sein Gedenken bis heute am 6. Dezember ausgiebig gefeiert. Nikolaus ist beheimatet in der offiziellen Liturgie der Kirche, aber auch zu Hause in den volkstümlichen Festen der Familien, Kindergärten, Schulen und Vereine.
Geschichtlich betrachtet steht die Person des Nikolaus kaum fassbar vor uns. Eine auch nur annähernd eindeutige Biographie über den Bischof von Myra vorzulegen ist nicht möglich, die ältesten Quellen über sein Leben stammen aus dem 6. Jahrhundert und sind von Legenden umrankt. Bis heute wird zwar sein aufgebrochenes Grab in der Bischofskirche von Myra gezeigt, doch auch hier sind sich die Fachleute uneins, ob es sich wirklich um die ehemals letzte Ruhestätte der berühmten Bischofsgestalt handelt.
Legenden um eine Symbolgestalt
Auslöser für die Verehrung und die Entstehung des Brauchtums um die Figur des heiligen Nikolaus sind die Legenden, die im 6. Jahrhundert auftauchen. Der Nikolaus-Kult steht von Anfang an in einem Zusammenhang mit dem Weihnachtsfest. Der Bischof wird in den Legenden zur Symbolgestalt des gelebten und erlebten Glaubens an Jesus Christus.
Nikolaus von Myra ist wie auch der heilige Martin von Tours (Sankt Martin), die etwa zeitgleich gelebt haben mögen, zu einem "politischen" Heiligen geworden. Beide sind die ersten Nicht-Märtyrer, die als Heilige verehrt wurden und stehen für den Kampf gegen das Vordringen des Islam im frühen Mittelalter.
Von Myra nach Bari
Nach der Eroberung der Hafenstadt Myra durch islamische Truppen raubten 1087 süditalienische Kaufleute die Gebeine aus der Grabstätte des Heiligen und überführten die Reliquien in ihre Heimat Bari. Die Gebeine werden bis heute dort in der Basilika von San Nicola aufgebahrt.
Die wohl volkstümlichste Legende, die sich bis heute auf dem Gabenteller am Nikolaustag niederschlägt, erzählt, wie Nikolaus einem armen Mann und dessen Töchtern mit drei Goldklumpen aus einer Notlage hilft. Nikolaus erfährt, dass der Mann seine Töchter zur Prostitution hergeben soll, weil er kein Geld hat. Um dies zu verhindern, wirft der Bischof in drei aufeinander folgenden Nächten je einen großen Goldklumpen in das Zimmer der Frauen. Aus dieser Legende entspringt die häufige ikonografische Darstellung des Heiligen mit drei goldenen Kugeln oder Äpfeln.
Buntes Brauchtum
Das älteste Nikolaus-Brauchtum stammt aus dem 9. Jahrhundert: das Kinderbischofsspiel. Das Spiel wird bereits um 870 auf dem Konzil von Konstantinopel erwähnt und vermischt sich später mit dem Nikolaus-Brauchtum. Ursprünglich wurde es am Tag der Unschuldigen Kinder (28. Dezember) als eine Art Karneval oder Narrenfest gefeiert. Im 11. Jahrhundert kommt das Fest ins Abendland und hält sich dort bis in das 18. Jahrhundert.
Das Fest der Unschuldigen Kinder (28. Dezember) war im Mittelalter auch Kinderbeschenktag. In dem Maße, wie der heilige Nikolaus populär und Patron der Kinder wurde, verlagerte sich im 13. Jahrhundert der Kinderbeschenktag auf den Festtag des heiligen Nikolaus (6. Dezember). Um 1500 war Weihnachten als Schenktermin oder Kinderfest noch unbekannt.
Die Reformation hat sowohl den heiligen Nikolaus als Geschenkbringer, als auch den 6. Dezember als Termin bekämpft. Neuer Schenktermin – zunächst in protestantischen Gegenden, nach 1900 allmählich flächendeckend in ganz Deutschland – wurde Weihnachten. Geschenkbringer wurde die von Martin Luther propagierte Kunstfigur "Christkind". Im Laufe der Entwicklung mutierte das "Christkind" schließlich zum "Weihnachtsmann", der wiederum zum Teil Wesensmerkmale und den Namen des heiligen Nikolaus übernahm.
