logo

Korbinian Bild: ©  Seite drucken

Bärenbezwinger im Bischofsgewand

Die Figur des heiligen Korbinian, anlässlich des Besuchs des Erzbischofs 2008 auf einem Tisch am Marienplatz stehend
© KNA
Ein Missionar und Bischof, der viel lieber Eremit sein wollte: Der heilige Korbinian, Patron der Diözese München-Freising.

Am 8. September gedenkt die katholische Kirche Korbinian

Er wollte doch nur Eremit sein, in einer einsamen Klause, irgendwo auf dem Land nahe seiner Heimat, abgeschieden, ganz alleine für sich. Zeit zur Besinnung, für ein stilles Gebet, Gott zur Ehre. Aber das Leben sollte ein anderes Schicksal für den heiligen Korbinian bereithalten…

Dabei war sicherlich nicht abzusehen, dass aus dem gottesfürchtigen Jungen, der um das Jahr 680 im fränkischen Chartres (südwestlich von Paris) zur Welt gekommen war, einmal ein berühmter Bischof und Schutzpatron des heutigen Erzbistums München und Freising werden sollte. Nach dem Tod seiner Mutter (Vater Waltekis starb bereits kurz vor der Geburt) lebte der jugendliche Korbinian zurückgezogen in einer kleinen Hütte. Glücklich und zufrieden mit seinem Dasein als stiller Diener Gottes. Und eigentlich hätte die Geschichte bereits hier ihr Ende nehmen können.   

Aber die Kunde vom gottesfürchtigen Eremiten sprach sich herum. Und plötzlich kamen sie in Scharen: Einfache Dorfbewohner und Adelige gleichermaßen baten den Einsiedler um Rat und den Einschluss in sein Gebet. Von Ruhe keine Spur mehr!

Vom Eremiten zum Bischof

Nein, so konnte es nicht weitergehen, dachte sich Korbinian, packte seine Siebensachen und brach – groben Schätzungen zufolge irgendwann um 710 auf in Richtung Rom. Doch der damalige Papst (ob noch Konstantin I. oder bereits Gregor II. ist unklar) muss recht schnell erkannt haben, dass er keinen x-beliebigen Mönch vor sich hatte, sondern einen Menschen, der gerade durch seinen demütigen Lebensstil die Massen begeistern konnte.

Jedenfalls – so berichtet es die Überlieferung – machte er Korbinian kurzerhand nicht nur zum Priester, sondern erhob ihn gleich in den Rang eines Bischofs. Ausgestattet mit solchen Würden wurde Korbinian in seine Heimat zurückgeschickt. Nicht als Eremit, sondern als Missionar. Ein spannender, ein wichtiger Beruf, ja. Aber ruhig und besinnlich? Eher weniger! So überrascht es kaum, dass sich Korbinian trotz beachtlicher Missionserfolge zurücksehnte nach seinem einfachen Leben als Einsiedler. Daher begann er um 714 seine zweite Pilgerfahrt Richtung Rom. Sein Ziel: Den Papst um Erlösung vom Bischofsamt zu bitten.

Guten Appetit: So stellte sich der spätgotische Maler Jan Polack 1489 die Bescherung vor, die Korbinian und seine Reisegefährten eines Morgens auf ihrem Weg nach Rom.
© KNA
Guten Appetit: So stellte sich der spätgotische Maler Jan Polack 1489 die Bescherung vor, die Korbinian und seine Reisegefährten eines Morgens vorfanden.

Bärendienste

Auf dieser Reise – so berichtet es die Legende – soll es zu einer folgenschweren Begegnung gekommen sein. Nachdem Korbinian und seine Reisegefährten eines Nachts ihr Lager aufgeschlagen hatten, schlich sich ein Bär heran und fiel über das Lasttier der Gruppe her. Als die Männer in der Morgendämmerung die Bescherung sahen, trauten sie ihren Augen nicht – der Bär kaute und schmatzte noch immer an seiner Beute. Nun war die Sorge war groß: Wer sollte das Gepäck den weiten Weg bis Rom schleppen? Korbinian ging die Sache pragmatisch an: Mit einer gehörigen Portion Gottvertrauen – und einer Peitsche – zähmte er das wilde Tier, legte ihm Sattel und Gepäck auf und ritt bis an die Grenzen der ewigen Stadt. Erst dort entließ Korbinian den Bären wieder aus seinen Diensten in die Freiheit.    

Doch Rom brachte nicht, was sich Korbinian erhofft hatte. Wieder überzeugte ihn der Papst. Nicht Eremit zu sein, sondern offener Verkündiger des Glaubens – das sei seine Mission. Und wieder fügte sich Korbinian dem Wunsch des Heiligen Vaters.

Ein Leben zwischen Freising und Mais

Zunächst ließ sich Korbinian für kurze Zeit in Mais (bei Meran in Südtirol) nieder und legte dort wohl den Grundstein für ein Kloster zu Ehren des heiligen Valentin von Rätien zu finden. Dieser hatte als Wandermissionar in der Region gewirkt und war in Mais begraben worden.

Doch Grimoald, Herzog von Bayern und glühender Verehrer Korbinians, rief ihn schon bald nach Freising, wo der Missionar ein Gotteshaus zu Ehren des Heiligen Stephan errichtete, Vorläufer der Abtei Weihenstephan. Die Missionsarbeit lief prächtig – bis sich der Geistliche mit dem Herzog überwarf: Gegen das damals gültige Kirchenrecht hatte Grimoald die Witwe seines Bruders geheiratet - eine Verbindung, die Korbinian aufs Schärfste kritisierte. Um den lästigen Prediger loszuwerden, schmiedete die Herzogin ein Mordkomplott, das den Bischof schließlich zur Flucht zwang – zurück nach Südtirol in jenes Kloster, das er Jahre zuvor bei seiner Rückreise von Rom gegründet hatte.

Dort, im Exil, hatte Korbinian endlich gefunden, wonach er sich so lange gesehnt hatte – an einem stillen, abseitigen Plätzchen im Dienste Gottes zu leben und zu sterben. Aber die Freude war nur von kurzer Dauer.

Darstellung des Heiligen Corbinian auf dem Corbinianschrein von 1863 vom Münchener Goldschmied Harrach im Freisinger Dom.
© KNA
Darstellung des Heiligen Corbinian auf dem Corbinianschrein von 1863 vom Münchener Goldschmied Harrach im Freisinger Dom.

Selbst im Tod ruhelos 

Nach seinem Ableben wurden die Gebeine – Korbinians Wunsch entsprechend – zurück nach Mais überführt. Doch selbst im Tod fand der Bischof keine Ruhe: Bereits vierzig Jahre später wurden die sterblichen Überreste auf Geheiß des Bischofs Arbeo nach Freising zurückgeholt.

Um die neuerliche Einsetzung der Gebeine Korbinians in der Krypta des Freisinger Doms rankt sich eine weitere Legende: Angeblich habe die Quelle zu Weihenstephan, welche Korbinian zu Lebzeiten mit seinem Stab entdeckt hatte, wieder zu sprudeln begonnen. Nach dem Tod des Bischofs war diese zwischenzeitlich versiegt. Noch heute erinnert ein Starkbier der Bayrischen Staatsbrauerei Weihenstephan an dieses Wunder.

Korbinian, der in der Regel mit einem Bären, der ein Reisebündel auf dem Rücken trägt, abgebildet wird, gilt als erster Freisinger Bischof und damit als Patron des heutigen Erzbistums – obwohl die offizielle Gründung des Bischofssitzes eigentlich erst 739 durch Bonifatius erfolgte. Noch heute berichten 20 Fresken im Freisinger Dom vom Leben des heiligen Korbinian.

Bei der jüngeren Generation ist der Heilige vor allem durch die Jugendkorbinianswallfahrt bekannt, an der jährlich mehrere Tausend Jugendliche und junge Erwachsene teilnehmen.

Von Jens Wiesner
zum Anfang zum Anfang
Das Internetportal der Katholischen Kirche in Deutschland
© Katholisch.de 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Katholisch.de-Redaktion