Das Rezept einer glücklichen Ehe
Ein Löffelchen Treue, 100 Gramm Liebe, eine Prise Respekt...
Schön, wenn es so einfach wäre. Aber DAS Rezept für eine glückliche reife Ehe gibt es natürlich nicht. Jedes Paar ist anders, jede Lebenssituation auch. Allen gemeinsam ist: Wenn die Kinder aus dem Haus sind oder die Partner in den Ruhestand gehen, ist das eine Zeit, in der sich Ehepartner neu kennenlernen können. Zwölf Paare erzählen ganz offen, von Risiken und Chancen einer langjährigen Beziehung. Und wie sie lebendig bleibt.Füreinander einstehen
"Etwas, das nach einer zwanzigjährigen Ehe besonders schön ist, ist das Gefühl und das Wissen, dass man sich – auch wenn es oberflächlich nicht immer so aussieht – im Ernstfall sicher aufeinander verlassen kann. Ich bin mir sicher, dass wir alles in unserer Macht stehende tun würden, um füreinander einzustehen, wenn es hart auf hart kommt. Das ist ein sehr kostbares Wissen."Josef (43)
Sich gegenseitig verwöhnen
"Das Schönste bei uns ist, dass wir miteinander lachen können - über uns selbst und überhaupt. Und das es vieles gibt, was wir beide gern machen, kochen zum Beispiel. Und da wechseln wir uns dann ab und verwöhnen uns gegenseitig."Elke (57)
Zusammen in Gedanken
"Manchmal sitzen wir zusammen am Frühstückstisch oder beim Abendessen, ohne was zu reden. Jeder hängt seinen Gedanken nach. Oft sagt dann Ellen oder ich: ‚Schön, dass wir miteinander schweigen können.’ Und dann ist wieder Stille. Diese Vertrautheit nach 28 Ehejahren ist uns ganz wertvoll."Ludwig (53)
Lebendige Neuanfänge
"Wir haben viele gemeinsame Interessen, die uns lebendig halten, von der Freizeitgestaltung bis zum Gottesdienstbesuch am Sonntag. Und ganz wichtig ist, dass es uns gelingt, nicht nur die schönen Seiten zu teilen, sondern uns auch Unangenehmes zu sagen. So wird nichts unter den Teppich gekehrt. Und wenn wir uns ausgesprochen haben, ist das oft ein lebendiger Neuanfang."Horst (45)
Eigene Interessen und Bedürfnisse
"Als die Kinder aus dem Haus waren, wurde es merklich ruhiger bei uns. Da wir jedoch beide berufstätig waren, wir regelmäßig telefonischen Kontakt zu den Kindern hielten und sie wiederum uns auch häufig besuchten, hat uns diese Veränderung nicht irritiert, wir kamen damit gut zurecht. Unsere beruflichen Verpflichtungen lasteten uns aus. Ich hatte neben meiner Teilzeitbeschäftigung und an den freien Tagen neben dem Haushalt auch meine Freiräume, konnte in Ruhe auch mal einen Stadtbummel machen oder mich mit einer Kollegin verabreden.Als mein Mann jedoch die Altersteilzeit antrat und zu Hause blieb, änderte sich dies schlagartig. Er studierte vorab schon meinen Arbeitsplan, meine freien Tage wurden mit Terminen und Unternehmungen belegt, kurzum ich fühlte mich eingeengt. Sicher, wir haben auch viele schöne Dinge gemeinsam unternommen, wir waren wandern oder sind auch gemeinsam zum Essen gegangen. Dennoch wollte ich auch Zeit für mich selbst haben, zu Hause war ich nie mehr alleine.
Inzwischen kommen wir wieder beide auf unsere Kosten. Es ist wichtig, dass jeder auch seinen eigenen Interessen und Bedürfnissen nachgehen kann. Mein Mann joggt gerne oder geht zum Fitnesstraining, während ich lese oder eine Freundin besuche. Gemeinsam treffen wir uns mit Bekannten oder unternehmen ausgedehnte Spaziergänge mit unserem Hund. Die Tätigkeiten im Haushalt haben sich zu meinen Gunsten verschoben. Eine neue Veränderung steht an: Ende des Jahres werde ich in Rente gehen. Auch diese Hürde werden wir mit Bravour nehmen."
Maria (59)
Toleranz und Anpassung
"Am Beginn unserer Ehe gab es einige Verhaltensweisen, die mich an Horst störten. Ich dachte, die werde ich ihm schon abgewöhnen. Aber außer Streit und Vorwürfen brachte das nichts. Dann habe ich mir gesagt: Ich werde ihn nicht umpolen können. Und habe versucht, mich selbst zu ändern. Das war viel stressfreier."Gertrud (59)
Gute Zeiten - schlechte Zeiten
"Wenn es uns mal nicht so gut ging, haben wir uns gesagt: Jetzt sind halt die schlechten Zeiten dran! Dann konnten wir manchmal sogar ein wenig lachen und uns mit der Aussicht trösten, dass nach jedem Gewitter auch wieder die Sonne scheint."Walter (64)
Liebe und Fürsorge füreinander
"Unsere Beziehung wird lebendig durch gleiche Interessen, Wahrhaftigkeit, die Sorge um Kinder und Enkelkinder, Liebe und Fürsorge füreinander. Wir haben Achtung voreinander, Verständnis für die Fehler des andern, gemeinsame Erinnerungen, und das Wissen sich auf den andern verlassen zu können.Das Schönste und wichtigste an einer langjährigen Partnerschaft ist die Geborgenheit, das Zueinanderstehen bei allen Schwierigkeiten im Tun und Reden, Freud und Leid gemeinsam zu tragen. Man kennt und toleriert gute und schlechte Eigenschaften des Partners und wird angenommen, wie man ist.
Den Satz "Ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens", den man bei der Eheschließung sagt kann man als Paar wahrmachen in dem man immer füreinander da ist. Alle Gefühle des andern mitfühlt, sich in ihn hineinversetzen kann und seine, Krankheiten mitlebt."
Lena (68)
Die Partnerschaft lebendig halten
"Das Wichtigste ist, seinen Partner so anzunehmen, wie er ist. Wer versucht, seinen Partner zu ändern, muss scheitern. Auch nach 40 Jahren Ehe spielen bei uns Sexualität und Leidenschaft noch eine große Rolle, sie halten unsere Partnerschaft lebendig. Genauso wie auch unsere Kinder. Gefährlich wird es dann, wenn man nicht mehr miteinander redet, keine Gemeinsamkeiten hat und aneinander vorbei lebt."Wilfried (58)
Nähe suchen
"Manchmal habe ich das Gefühl: Sie wird mir fremd. Das ist dann für mich ein Antrieb, ihre Nähe zu suchen. Wenn ich von meinen Positionen und Wünschen absehe und ernsthaft versuche, sie zu verstehen, kommt auch das Gefühl von Nähe wieder. Manchmal braucht es einen ordentlichen Streit dafür, aber viel wichtiger als das Streiten ist das Verstehen und Verstehenwollen."Martin (44)
In die Zukunft blicken
"Eine große Gefahr für langjährige Partnerschaften ist, dass man sich nichts mehr zu sagen hat und kein Verständnis füreinander aufbringt. Deshalb ist es wichtig, gemeinsame Wünsche und Ziele zu haben. Kinder sind eine besondere Bereicherung für die Ehe. Zärtlichkeiten und liebe Worte zeigen mir, dass ich meinem Mann immer noch wichtig bin. In schlechten Zeiten denke ich daran, wie viele schöne Stunden wir miteinander hatten. Das und der Glaube an Gott helfen mir, mein Eheversprechen auch nach knapp 40 Jahren jeden Tag zu leben."Wilma (57)
Nicht zu vergessen: die Liebe
Liebe hält die Partnerschaft auf nach vielen Jahren lebendig. Das Schöne ist, das man nach 50 Jahren Ehe auch ohne große Worte Liebe und Miteinander erleben kann. Und wenn die Liebe zueinander an erster Stelle steht, kann man alle Probleme lösen.Ein Gedicht steht seit unserer Silberhochzeit bei uns auf einem Schränkchen. Es gibt genau wieder, was eine lange liebevolle Ehe ausmacht:
Wenn ich dereinst das Leben lese,
Das wir gemeinsam schrieben,
Dann steht auf jeder Seite
Wie wir uns lieben.
Durch Freud und Leid
Besinnlich oder heiter
Gehn die Kapitel glücklich weiter
Mit jedem Wort wird es mir klar,
wir sind ein echtes Liebespaar.
Auch wenn der Einband nicht mehr neu,
Das Buch voll Eselsohren.
Hat es an Schönheit nicht verloren.
Weil ich mich täglich daran freu.
Judith Bond
Hanne (69)
