Die Idealfamilie gibt es nicht

Der Leiter des Referats Ehe und Familie über Familienpastoral
"Beieinander bleiben" ist das Motto des diesjährigen Familiensonntags. 2010 stehen langjährige Partnerschaften im Vordergrund. Dr. Michael Feil, Leiter des Referats Ehe- und Familie der Deutschen Bischofskonferenz, spricht im Interview mit katholisch.de über die Idee des Familiensonntags, die Aufgaben des Familienpastoral und Menschen deren Ehe gescheitert ist.katholisch.de: Herr Dr. Feil, am 17. Januar begeht die katholische Kirche zum 35. Mal den Familiensonntag. Was ist die Idee dieser Initiative?
Feil: Es ist eine Einladung an Gemeinden, Verbände und katholische Einrichtungen, einmal im Jahr Familie besonders in den Mittelpunkt zu stellen und sich selbst die Fragen zu stellen: Wo hat die Familie bei uns ihren Platz? Was tun wir für Familien? Wie sieht Familienpastoral bei uns ganz konkret vor Ort aus?
katholisch.de: In den Jahren 2008 bis 2010 steht der Familiensonntag unter dem Leitwort "Liebe miteinander leben".
Feil: Ja, wir richten damit den Blick auf die Biographie von Ehepartnern. Im ersten Jahr hieß das Thema "Zueinander aufbrechen". Dabei ging es um Paare, die am Anfang ihrer Beziehung stehen. 2009 haben wir uns mit jungen Familien beschäftigt und das Thema "Miteinander leben" genannt. Und jetzt geht es um Ehepaare, die schon lange zusammen leben. Unter dem Motto "Beieinander bleiben" beleuchten wir die Lebensphase, in der die Kinder groß sind und aus dem Haus gehen und die Großeltern langsam pflegebedürftig werden.
katholisch.de: Wie und wo werden diese Familienthemen in der Kirche aufgegriffen?
Feil: Auf ganz verschiedenen Ebenen. In Pfarreien, aber auch in Familienbildungsstätten oder Familienverbänden, in Familienkreise oder etwa bei Familienexerzitien. In Kommunikationskursen für Familien und Ehepartner beschäftigen sich junge und auch langjährige Paare mit dem Thema: Wie sprechen wir miteinander? Wie gehen wir miteinander um? Immer mehr Diözesen veranstalten große Jubiläumsgottesdienste für Paare, die ihre Silberne oder Goldene Hochzeit feiern. Es geht darum zu danken und auch zu würdigen, was diese Menschen geschafft haben.
katholisch.de: Auch Angebote der Ehe-, Familien- und Erziehungsberatung gehören zur Familienpastoral...
Feil: Ja, sie richten sich an Menschen in Krisensituationen, aber auch an Paare, die ohne krisenhaften Anlass wissen wollen, wie sie ihre Partnerschaft für die Zukunft fit machen können, um gemeinsam auch schwierige Phasen bewältigen zu können.
katholisch.de: Welche Aufgaben übernimmt die Familienpastoral?
Feil: Es geht vor allem darum, Menschen Orientierung zu bieten. Wir wollen klären, was in einer Beziehung wichtig ist und ermutigen, Ehe und Familie zu leben. Die Kirche unterstützt Menschen in allen familiären Lebenssituationen und möchte gute Rahmenbedingungen für Ehe und Familie mitgestalten. Die Familienpastoral will aber auch vermitteln, wie Ehe und Familie aus Sicht der Kirche aussehen.
katholisch.de: Und wie sieht die Kirche Ehe und Familie?
Feil: Das christliche Leitbild ist immer noch eine auf der Ehe gegründete Familie. Wichtig sind Treue, die Liebe zwischen Mann und Frau, gegenseitige Achtung und gute familiäre Beziehungen. Bei aller Gültigkeit unseres Leitbildes nimmt die Familienpastoral aber bewusst auch Familien in den Blick, die Probleme haben. Die Idealfamilie gibt es nicht, jede Familie hat auch Sorgen und Nöte. Und wenn Menschen mit ihrer Ehe scheitern, darf man sie nicht abqualifizieren oder ihre Situation tabuisieren.
katholisch.de: Der Familiensonntag richtet sich aber vor allem an Paare.
Feil: Grundsätzlich richtet sich der Familiensonntag an alle, die mit Familie befasst sind. In den letzten Jahren lag der Schwerpunkt auf der Paarbeziehung, die wir durch die verschiedenen Phasen des Familienlebens begleitet haben. Das betraf Alleinerziehende nicht unmittelbar. Aber natürlich ist Familie auch für sie ein Thema. Das Motto "Beieinander bleiben" nimmt ja auch die Eltern-Kind-Beziehung in den Blick.
katholisch.de: Was erhoffen Sie sich für den Familiensonntag 2010?
Feil: Ich hoffe, dass die Menschen vor Ort, die in der Familienpastoral engagiert sind, das Motto "Beieinander bleiben" als sinnvoll betrachten und gut mit den Materialien zurechtkommen. Ich wünsche mir, dass Familie in den Gemeinden das ganze Jahr lang ein wichtiges Thema bleibt und nicht nach dem Familiensonntag abgeschlossen ist. Unsere Arbeitshilfe versteht sich als Impuls für das ganze Jahr, in dem wir Schwerpunkte in der Familienpastoral setzen möchten.
