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Thomas von Aquin  Seite drucken

Universalgelehrter und Heiliger

Thomas von Aquin
© KNA
Thomas von Aquin (Darstellung aus dem 14. Jahrhundert, Pisa)

Am 28. Januar gedenkt die katholische Kirche des bedeutenden Kirchenlehrers

Kaum ein Heiliger hat der Nachwelt ein so umfangreiches Werk hinterlassen wie der heilige Thomas von Aquin (1225-1274). Allein die Studienausgabe seines Hauptwerkes, der "Theologischen Summe" umfasst in heutiger Edition nicht weniger als 60 Bände. Aber nicht nur die schiere Fülle, die mehr als das Zehnfache des Wortumfangs der Bibel übersteigt, auch die Nachwirkungen des "Doctor universalis" sind gewaltig. Eigene Philosophenschulen haben sich aus seinem Denken entwickelt. Der Thomismus war für alle katholischen Theologen bis weit in das 20. Jahrhundert hinein die maßgebliche Lehre katholischen Denkens und Forschens.

Thomas von Aquin selbst hat seine Aufgabe als "Lehrer der Theologie" an der ordenseigenen Hochschule der Dominikaner in Paris bescheidener gesehen. Etwa so wie die Aufgabe eines Architekten: Der Lehrer der Theologie erdenkt und entwirft einen Plan und die theologischen Seelsorger setzten ihn in die Praxis um, und geben Rückmeldungen an den Architekten. In dem von Thomas verfassten Lehrbuch, der "Summa", kommt ein umfassendes christliches Weltbild zum Ausdruck, dass die gesamte Wirklichkeit vom Stein, über den Menschen, zum Engel, ja bis zu Gott hin beschreibt. Es war das die große Sehnsucht dieser Zeit: eine umfassende, fast gigantisch anmutenden Enzyklopädie, eine Zusammenschau aller Wissenschaften zu erreichen.

Stummer Ochse mit Gebrüll

Thomas wurde 1224 als Sohn der Adligen Theodora und Landolf von Aquin auf der Burg Roccasecca in der Nähe von Neapel geboren. Die Eltern bringen ihn mit fünf Jahren zu den Benediktinern von Montecassino. Sie hatten die Hoffnung, er werde einmal als Abt des berühmten Klosters die Position der eigenen Familie stärken.

Dass aber Thomas einmal der vielleicht bedeutendste philosophische Denker und Kirchenlehrer des Mittelalters wurde, war im beileibe nicht in die Wiege gelegt. Von Haus aus hatte er ein wohl eher ein störrisches und wenig eloquentes Wesen: "Wir heißen ihn einen stummen Ochsen, er wird aber dereinst als Lehrer noch ein derartiges Gebrüll von sich geben, dass die ganze Welt den Schall hören wird", prophezeite sein Lehrer Albert der Große ihm, der ihn in Köln von 1248-52 unterrichtete.

Das Kloster Montecassino.
© Fotograv A. Gravante/Fotolia.com
Thomas von Aquin lebte einige Jahre im berühmten Kloster Montecassino in Mittelitalien.

Infolge politischer Streitigkeiten zwischen Kaiser und Papst muss Thomas Montecassino 1239 verlassen. Er beginnt seine Studien an der kaiserlichen Universität zu Neapel. Ein erster großer Wendepunkt seines Lebens. In Neapel entdeckt Thomas zwei Dinge: Aristoteles wird der Autor seines Lebens und er will in den noch jungen Dominikanerorden (1216 approbiert) eintreten. Mit seiner Begeisterung für Aristoteles geriet der junge Thomas zunächst in Konflikt mit der Kirche und mit seinem Entschluss Dominikaner zu werden in Widerspruch zu seinem Elternhaus. Bei den Dominikanern  sammelte sich die intellektuelle Elite dieser Zeit.

Die Familie Aquino ist aber nicht bereit den Ordenseintritt ihres jüngsten Mitglieds tatenlos hinzunehmen. Zwei seiner Brüder nehmen den neu gebackenen Dominikaner kurzerhand gefangen und verschleppen ihn zur Familienburg Roccasecca. Als es den Brüdern nicht gelingt ihm das Ordensgewand mit Gewalt vom Leibe zu reißen, schicken sie ein sparsam gekleidetes Mädchen zu ihm. Doch Thomas verjagt es mit einem brennenden Holzscheit. Nach einem Jahr vergeblichen Hausarrests lässt man ihn schließlich 1245 als Dominikaner nach Paris ziehen. Dort wird er Schüler Albert des Großen.

Aufstrebender "Starprofessor"

Albert nimmt Thomas mit nach Köln, um mit ihm als Adlatus dort eine Dominikanerhochschule nach dem Vorbild von Paris zu gründen. 1252 kommt er zurück nach Paris, gewissermaßen als aufstrebender "Starprofessor" in das Zentrum der damaligen Wissenschaft. Doch die wissenschaftliche Welt in Paris ist zerstritten, die beiden neuen Bettelorden, Franziskaner und Dominikaner rivalisieren um die Herrschaft über die rechte kirchliche Lehre. Für Thomas steht allerdings die Überzeugungskraft der Argumente im Vordergrund. Im Jahre 1259 zieht der Orden Thomas aus der Konfrontation und schickt ihn nach Italien zurück. Die fruchtbarste Zeit seines Lebens beginnt, und er verfasst sein Hauptwerk, die "Theologische Summe".

Jedes Jahr viertausend Seiten, so hat man ausgerechnet, hat Thomas geschrieben. Das war nur möglich, in dem er zeitweise vier Sekretäre gleichzeitig beschäftigte und wie bei einem Schachspieler, der Partien simultan spielt, immer wieder von einem zum anderen Thema springt. Bis zum frühen Morgen diktiert Thomas und merkt kaum, dass der Docht der Kerze, die er in der Hand hält, ihm die Finger versengt. Er schläft kaum noch.

Albertus Magnus
© KNA
Albertus Magnus, der Lehrer von Thomas von Aquin.

Am 6. Dezember 1273 ist er mit seinen Kräften am Ende. Obwohl die "Theologische Summe" noch nicht abgeschlossen ist, diktiert er fortan kein einziges Wort mehr. Er selbst führt es auf ein überwältigendes Erlebnis während des Gottesdienstes zurück: "Ich kann nicht mehr, denn alles, was ich geschrieben habe, scheint mir wie Stroh zu sein." Doch scheint es nicht nur eine mystische Erfahrung gewesen zu sein, anschließend verschlechtert sich sein Gesundheitszustand rapide. Thomas stirbt, nur wenige Wochen später am 7. März 1274 auf der Reise zum Konzil von Lyon im Kloster Fossanova.

Das große Thema des Thomas von Aquin, des Denkers der "Scholastik", ist die Frage nach dem Verhältnis von Glaube und Vernunft. Thomas legt im Rahmen seines Hauptwerks Argumente dafür dar, dass der Glaube an die Existenz Gottes nicht vernunftwidrig ist, sich also Glaube und Vernunft nicht widersprechen. Seine "fünf Wege" legen rationale Gründe für Gottes Existenz dar. Die Argumentationskette endet jeweils mit der Feststellung "das ist es, was alle Gott nennen."

Prägende Verehrung für die Eucharistie

Prägend für Thomas' theologisches Denken ist insbesondere auch seine große Verehrung für die Eucharistie. Er wandte zum ersten Mal die von Aristoteles übernommenen Begriffe der Substanz und der Akzidenzen auf das Geschehen in der heiligen Messe an: Während die Eigenschaften (Akzidenzien) von Brot und Wein bei der Wandlung in der Messe erhalten bleiben, ändert sich die Substanz der eucharistischen Gaben in Leib und Blut des auferstandenen Christus. Und so nimmt es kein Wunder, dass Papst Urban IV. Thomas von Aquin 1264 beauftragt, die liturgischen Texte des neu entstandenen Fronleichnamsfest zu verfassen.

"Dummheit ist Sünde", so bringt der ehemalige Dominikaner Hans Conrad Zander das Denken des großen Gelehrten auf den Punkt. Der Satz stammt aus dem Werk "Summa contra Gentiles", das sich an alle gebildeten Nichtchristen des 13. Jahrhunderts wendet und gegen die Faulheit eines Denkens mit konfessionellen Scheuklappen argumentiert. 

Von Markus Schüppen
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