Bischöfe machen Missbrauch zum Thema

Oberhirten wollen sich in Freiburg mit dem Skandal beschäftigen
Bonn - Die katholischen Bischöfe wollen sich auf ihrer bevorstehenden Vollversammlung Ende Februar in Freiburg mit dem Missbrauchsskandal bei den Jesuiten beschäftigen. Das gab der Vorsitzende, Erzbischof Robert Zollitsch, am Mittwoch in Bonn bekannt. "Wir werden uns dafür einsetzen, dass die von uns 2002 verabschiedeten Richtlinien konsequent umgesetzt werden", so Zollitsch. Den Missbrauchsopfern sprach er sein Mitgefühl aus. Zugleich zeigte er sich "für die eindeutige Entschuldigung" von Jesuitenprovinzial Stefan Dartmann dankbar.
Dartmann hatte am Dienstagabend bekanntgegeben, dass gegen einen weiteren Pater Missbrauchsvorwürfe vorliegen. Dieser habe sich in einem Fall schuldig bekannt. Der betreffende Jesuit habe sich inzwischen bei der Polizei gemeldet und Anzeige gegen sich selbst erstattet. Außerdem, so Dartmann, habe er ihn mit sofortiger Wirkung vom priesterlichen Dienst suspendiert.
"Scham und Empörung"Der betreffende Jesuit war unter anderem Religionslehrer am Canisius-Kolleg in Berlin, Jugendseelsorger in Hannover und Lehrer und Jugendseelsorger in Hamburg. In Hannover soll es zu den jetzt bekanntgewordenen Übergriffen gekommen sein. Zuletzt leitete der Pater mehr als zwei Jahrzehnte lang das von ihm gegründete Hilfswerk "Ärzte für die Dritte Welt".
Der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle reagierte "mit Scham und Empörung" auf die Fälle sexuellen Missbrauchs im Bistum. "Im Namen der Kirche von Hildesheim drücke ich den Opfern mein tief empfundenes Mitgefühl aus", schreibt er in einem Brief an die Pfarrgemeinden des Bistums. Die Diözese werde alles daran setzen, für Aufklärung zu sorgen und solche Taten zu verhindern. Dazu gehöre, den Hinweisen auf sexuellen Missbrauch nachzugehen. Der Bischof begrüßt, dass die lange unter der Oberfläche gebliebenen Vorfälle nun offen angesprochen würden, "auch wenn dies für alle Seiten schmerzlich ist". Nur so könne es jedoch zu einer ehrlichen Aufarbeitung kommen. Trelle bittet eventuelle weitere Opfer, sich zu melden. "Allen Opfern bieten wir Begleitung und Hilfe an", versicherte er.
Nur "die Spitze des Eisbergs"
Der Rektor des Canisius-Kollegs, Pater Klaus Mertes, sieht in den bislang bekannten Missbrauchsfällen nur "die Spitze des Eisbergs". Was in dem Jesuitengymnasium sichtbar geworden sei, passiere auch an anderen Schulen, "nicht nur an katholischen", sagte Mertes dem Berliner "Tagesspiegel". Zugleich kritisierte er die öffentliche Debatte über die Vorfälle. "Da schwingt im Moment auch viel Voyeurismus mit."
Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen rief die Kirche zu größerer Wachsamkeit auf. "Ich bitte immer wieder alle Mitarbeiter des Erzbistums, ein wachsames Auge zu haben. Ein Aufruf zum Bespitzeln ist das nicht", sagte er dem "Hamburger Abendblatt". Sämtliche Fälle müssten konsequent und umfassend aufgeklärt werden. Dabei müsse die Kirche eine "Vorreiterrolle" übernehmen.
Kritik an Richtlinien der Bischofskonferenz
Der katholische Pastoraltheologe Hanspeter Heinz forderte strukturelle Veränderungen. Die Richtlinien der Bischofskonferenz hätten zwar Verbesserungen gebracht, reichten aber nicht aus, sagte der emeritierte Professor am Mittwoch in Augsburg.
Heinz verwies darauf, dass alle Diözesen Ansprechpartner benannt hätten, an die sich Betroffene wenden könnten. "Gedacht war allerdings daran, dass man unabhängige Fachleute beauftragt, um die Schwellenangst der Opfer abzubauen." Fast in der Hälfte der Bistümer seien jedoch de facto kirchliche Amtspersonen ernannt worden. "Die aber sind nicht unabhängig genug, um den Opfern die Angst zu nehmen."
