Ein Brief an Jesus

Fastenzeit heißt Verzicht - das durchzuhalten, ist nicht einfach, merkt Lukas
Die Kinder in Lauras und Lukas Klasse sprechen über die Fastenzeit. Marie meint: "Ich verzichte auf Gummibärchen!" Philipp möchte sich bis Ostern keine Fußballbilder kaufen. Und Malte nimmt sich vor, nur noch am Wochenende fernzusehen. Viel zu schnell klingelt es zur Pause.Die Lehrerin schlägt vor. "Schreibt zu Hause einen Brief an Jesus und erzählt ihm darin, worauf ihr in der Fastenzeit verzichten möchtet. Wenn man seine Vorsätze nämlich erst mal aufgeschrieben hat, fällt es auch leichter, sie nicht wieder zu vergessen." Am Nachmittag überlegt Lukas: "Jesus darf ich nicht anschwindeln. Der weiß sowieso alles über mich." Und dann schreibt er:
Lieber Jesus,
bestimmt weißt du, worauf ich in der Fastenzeit verzichten wollte! Aber weißt du auch, wie schwer mir das alles fällt? Stell dir mal vor Jesus: Ich habe mir vorgenommen, bis Ostern keine Schokolade mehr zu essen. Und da kommt Tante Helga und bringt mir eine Tafel meiner Lieblingsschokolade mit, die mit der leckeren Karamellfüllung, weißt du!
Zuerst habe ich sie ja noch in meinen Schrank gelegt. Aber als ich dann ins Wohnzimmer schaute und sah, dass Papa gerade mit Genuss in ein Stück Schokolade biss, holte ich meine Schokolade aus dem Schrank und aß die ganze Tafel auf einmal. Das Verzichten auf Schokolade klappt wohl bei mir nicht. Darüber war ich sauer. Und obwohl Papa gar nichts dafür konnte, habe ich ihn angemotzt und hatte an diesem Abend total schlechte Laune.
Zuerst Papa und dann Laura
Dann dachte ich mir etwas anderes aus: Verzicht aufs Fernsehen. Aber ich hatte von Anfang an Zweifel, ob ich das schaffen würde. Am Sonntag kam meine Lieblingssendung, aber ich hielt durch und blieb im Kinderzimmer. Am nächsten Tag kam Laura zum Spielen. Sie erzählte mir von der tollen neuen Folge meiner Lieblingssendung, die sie gesehen hatte.
Ich war vielleicht sauer, und das ließ ich Laura auch spüren. Ich fand alles blöd, was sie vorschlug und sagte sogar zu ihr, dass sie genauso doof ist wie alle anderen Mädchen. Laura schaute mich ganz traurig an und ging nach Hause, ohne mir Tschüs zu sagen.
Auf schlechte Laune verzichten
Als Mama und ich abends beim Zubettgehen über alles sprachen, meinte sie: "Ich glaube, es wäre für dich und andere besser, wenn du dir etwas anderes ausdenkst, worauf zu verzichten könntest." Und nun weiß ich, lieber Jesus, worauf ich verzichten werde, nämlich auf meine schlechte Laune, die ich an Papa und an Laura ausgelassen habe.
Wenn ich ab und zu ein Stück Schokolade esse und meine Lieblingssendung anschaue, werde ich es schaffen. Das meint Mama auch. Sie hat gesagt, dass es viel wichtiger ist, seine schlechte Laune nicht an anderen Menschen auszulassen, als auf Schokolade und Fernsehen zu verzichten. Und ich finde, dass Mama Recht hat. Meinst du nicht auch, lieber Jesus?
Dein Lukas
