Benedikt XVI. - Ein Werdegang in Bildern
Der "deutsche Papst" und sein ereignisreiches Leben
Seit dem 19. April 2005 ist der vormalige deutsche Kurienkardinal Joseph Ratzinger als Papst Benedikt XVI. Oberhaupt der katholischen Kirche. Katholisch.de hat die wichtigsten Stationen seines Lebens in einer Bildergalerie zusammengestellt.Geburt
Im elterlichen Schlafzimmer wird Joseph Alois Ratzinger am 16. April 1927 im oberbayerischen Marktl am Inn geboren. Die Familie lebt im ersten Stock des ehemaligen Amts- und Mauthauses. Im Erdgeschoss befindet sich die Polizeistation, in der Vater Joseph als Stationskommandant arbeitet. Immer wieder wechselt die Familie den Wohnort, bis sie sich schließlich - nach der Pensionierung des Vaters 1937 - in einem Bauernhaus bei Traunstein niederlässt.Familie
Joseph Alois (links) ist das dritte und jüngste Kind der Eheleute Joseph und Maria Ratzinger. Zwei Geschwister sind dem neuesten Familienmitglied bereits vorausgegangen, Maria und Georg.Georg Ratzinger entscheidet sich wie sein Bruder Joseph für den Priesterberuf. Von 1964 bis 1994 leitet er als Domkapellmeister die Regensburger Domspatzen. Die sechs Jahre ältere Maria begleitet den späteren Bischof und Kardinal auf seinem weiteren Lebensweg. Sie führt den Haushalt des jüngeren Bruders bis zu ihrem Tod im Jahr 1991.
Schulzeit und Zweiter Weltkrieg
Während seiner Schulzeit gilt Joseph als stiller, aber ehrgeiziger Musterschüler. Besonderes Interesse zeigt er schon in jungen Jahren an den altphilologischen Sprachen Latein und Griechisch. Gegen seine Überzeugungen wird Ratzinger mit 14 Jahren in die Hitlerjugend aufgenommen. Die Mitgliedschaft ist obligatorisch für einen Jungen seines Alters.Die im Elternhaus vermittelten christlichen Werte kollidieren im Grundsatz mit der Ideologie der nationalsozialistischen Machthaber. Bis Ende des Zweiten Weltkriegs wird der junge Ratzinger als Flakhelfer und zur Errichtung von Panzersperren eingesetzt. Schon zu dieser Zeit steht sein Entschluss fest, Priester zu werden.
Priesterweihe
Im Januar 1946 tritt Joseph Ratzinger gemeinsam mit seinem älteren Bruder Georg in das Priesterseminar der Erzdiözese München und Freising ein. Nach einem fünfjährigen Theologiestudium werden sie 1951 geweiht. Zwei Jahre lang arbeitet Joseph als Kaplan in Münchener Pfarreien. Er gilt als der rationalere Pol der beiden Brüder.Während sich Georg zur Musik hingezogen fühlt, liegt Joseph Ratzingers Interesse in der wissenschaftlich-dogmatischen Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben.
Intellektueller und Theologe
1953 schließt Joseph Ratzinger seine Doktorarbeit ab und wird fünf Jahre später als Professor für Dogmatik und Fundamentaltheologie an die Universität zu Freising berufen. Zu diesem Zeitpunkt ist er erst 31 Jahre alt.Zuvor hatte es Widerstand gegen seine Habilitationsschrift gegeben. Der Vorwurf: "gefährliche Modernismustendenzen". Bis 1976 folgen Professuren in den Theologischen Fakultäten in Bonn, Münster, Tübingen und Regensburg.
Reformer und Bewahrer
Der junge Theologe Ratzinger gilt als reformfreundlich. Während des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) macht er sich einen Namen als Berater und Redenschreiber des Kölner Erzbischofs Joseph Frings (links) und wird zum offiziellen Konzilstheologen ernannt.Der bekannte Reformtheologe Hans Küng setzt sich wenige Jahre später dafür ein, Ratzinger an seine Tübinger Wirkungsstätte zu holen. Die anfängliche Begeisterung Ratzingers für das Konzil weicht allerdings einer zunehmenden Ernüchterung: Plötzlich stehen theologische Grundsätze zur Debatte, die für den Priester und Professor indiskutabel sind.
Auch der laute und stark antireligiöse Ton der Studentenproteste an der Tübinger Universität passt nicht zum stillen und rationalen Charakter Ratzingers. Fortan tritt Ratzinger stärker als Bewahrer des Glaubens auf. Einige Jahre später kommt es auch zum Zerwürfnis mit Hans Küng.
Bischof und Kardinal von München und Freising
Am 28. Mai 1977 ernennt Papst Paul VI. Joseph Ratzinger zum Erzbischof von München und Freising. Erst nach langen Überlegungen übernimmt der Theologe aus Leidenschaft das Amt, das ihn aus seiner Lehrtätigkeit herausreißt. Bereits einen Monat später wird Ratzinger in das Kardinalskollegium aufgenommen.Präfekt der Glaubenskongregation
Am 25. November 1981 ernennt Johannes Paul II. den bisherigen Erzbischof von München und Freising zum Präfekten der Katholischen Glaubenskongregation in Rom. Damit bekleidet Ratzinger (links) eines der höchsten Ämter in der katholischen Kirche. Zur Aufgabe des neuen Präfekten wird es, die Glaubens- und Sittenlehre in der katholischen Kirche zu fördern und zu schützen.In seinem Eintreten für die Beibehaltung des Priesterzölibats und für das Festhalten an der katholischen Sexuallehre steht Ratzinger in einer theologischen Linie mit Papst Johannes Paul II. Während dieser Zeit ist Ratzinger maßgeblich daran beteiligt, eine aktualisierte Form des katholischen Katechismus zu verfassen, die im Jahr 1991 veröffentlicht wird.
Figur der Öffentlichkeit
Joseph Ratzinger entwickelt sich als Kardinal zu einer weit über Deutschland hinaus bekannten Figur der Öffentlichkeit. Er gilt als eine Persönlichkeit, die polarisiert - innerhalb wie außerhalb der katholischen Kirche.Als Präfekt der Glaubenskongregation - ein Amt, das strukturell auf die Bewahrung von Bestehendem ausgelegt ist - kommt es mehrmals zum Konflikt mit reformfreudigeren innerkirchlichen Strömungen: Mit den Befreiungstheologen um Leonardo Boff liefert sich Ratzinger heftige Dispute.
In Deutschland setzt er das Verbot der katholischen Schwangerschaftsberatung durch. Gleichzeitig werden Ratzingers intellektuelles Genie und sein theologisches Fachwissen selbst von seinen schärfsten Kritikern anerkannt und respektiert.
Beziehung zu Johannes Paul II.
Joseph Ratzinger gilt als enger Vertrauter des polnischen Papstes Johannes Paul II. (links). Bereits als Erzbischof empfängt er Karol Wojtyla in München, der ihn wenig später an die römische Kurie beruft.Die unterschiedlichen Stile des medienerfahrenen, volksnahen Papstes und des stillen, intellektuellen Theologen ergänzen sich gut. Hinzu kommt, dass beide eine ähnliche theologische Grundhaltung prägt. Mehrere Rücktrittsgesuche Ratzingers, zuletzt zu seinem 75. Geburtstag, lehnt der polnische Papst allerdings ab.
Er kann und will auf Ratzinger an seiner Seite nicht verzichten. Als Dekan des Kardinalkollegiums leitet Ratzinger 2005 die Beisetzungsfeierlichkeiten nach dem Tod von Johannes Paul II.
Papst Benedikt XVI.
Am 19. April steigt nach nur 26 Stunden weißer Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. Bereits im zweiten Wahlgang wird Joseph Ratzinger zum 265. Papst der katholischen Kirche gewählt - dem ersten Deutschen auf dem Papstthron seit Hadrian VI. (1522-1523).Für sein Pontifikat wählt der nunmehr 78-Jährige den Namen Benedikt XVI. - als Anlehnung an den Ordensgründer der Benediktiner und an Papst Benedikt XV., der als "Friedenspapst" im Ersten Weltkrieg bekannt wurde.
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Weltjugendtage
Die erste offizielle Auslandsreise führt den neu gewählten Papst in sein Heimatland Deutschland. Kritiker zweifeln im Vorfeld daran, das der intellektuelle Theologe eine ähnliche Begeisterung hervorrufen könne wie der charismatische Johannes Paul II.Beim zwanzigsten Weltjugendtag in Köln wird er von 800.000 jugendlichen Pilgern aus aller Welt empfangen. Die Jugendlichen bejubeln den neuen Pontifex mit nicht abreißenden "Benedetto"-Rufen. Ähnlich überschwenglich ist der Jubel auch drei Jahre später beim Weltjugendtag in Sydney.
Päpstliche Lehrschreiben
Während Benedikt XVI. seine neue öffentliche Rolle als Papst auszufüllen weiß, bleibt er in seinem Herzen doch ein Mann des geschriebenen Wortes. Über 600 wissenschaftliche und theologische Titel publiziert er im Laufe seines Lebens.Neben mehreren Apostolischen Schreiben verfasst Benedikt drei Enzykliken: "Deus caritas est" (Gott ist Liebe, 2006), "Spe salvi" (In der Hoffnung gerettet, 2007) und "Caritas in veritae" (Die Liebe in der Wahrheit, 2009). Insbesondere das Grundthema "Liebe" für seine erste Enzyklika überrascht viele Beobachter.
Diese hatten ein deutlich dogmatischeres Schreiben vom ehemaligen Präfekten der Glaubenskongregation erwartet. Die Veröffentlichung seiner ersten Sozialenzyklika, "Caritas in veritae", verzögert Benedikt um ein Jahr, um auf die globale Wirtschafts- und Finanzkrise eingehen zu können.
"Deus caritas est": Die erste Enzyklika von Benedikt XVI.
"Spe salvi": Die zweite Enzyklika von Benedikt XVI.
"Caritas in veritate". Die dritte Enzyklika von Benedikt XVI.
Verhältnis zum Islam
Während einer Gastvorlesung an seiner ehemaligen Universität Regensburg am 12. September 2006 zitiert der Papst den spätmittelalterlichen Kaiser Manuel II. Im Zentrum der Textpassage steht die Rolle der Gewalt im Islam. In weiten Teilen der islamischen Welt wird das Zitat als persönliche Meinung des katholischen Papstes aufgefasst und stark kritisiert. Benedikts Auslandsreise in die Türkei wird dadurch zu einer diplomatischen Herausforderung. Dennoch gelingt es ihm, die Wogen wieder zu glätten.Als zweiter katholischer Papst überhaupt besucht er im November 2006 die Blaue Moschee in Istanbul. Das beide Seiten aufeinander zugehen wollen, zeigt die zwei Jahre später veröffentlichte, gemeinsame Erklärung von iranischen Muslimen und dem "Heiligen Stuhl" zum Thema "Glaube und Vernunft im Christentum und Islam".
Dialog mit dem Judentum
Benedikt XVI. ist der Dialog mit den Juden ein besonderes Anliegen: Als erster katholischer Papst besucht er eine jüdische Synagoge in Deutschland. Er betet bei seiner Reise 2009 ins Heilige Land vor der Klagemauer und verurteilt den Holocaust bei einem Aufenthalt im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau scharf.Seine Bemühungen, traditionelleren Kreise innerhalb der katholischen Kirche mit der Neuformulierung der Karfreitags-Fürbitte entgegen zu kommen, sorgen allerdings auch für Verstimmungen im christlich-jüdischen Dialog.
Versöhnungsbemühungen mit Traditionalisten
Während seiner Zeit als Papst ist Benedikt XVI. stark um innerkirchliche Einheit und eine Aussöhnung mit der traditionalistischen Piusbruderschaft bemüht.Deren Bischöfe waren von Papst Johannes Paul II. exkommuniziert worden, nachdem sie zentrale Bestimmungen des Zweiten Vatikanischen Konzils nicht anerkannt hatten. Benedikt hebt die Exkommunizierung auf und erlaubt in Ausnahmefällen die Messfeier nach dem vorkonziliaren tridentinischen Ritus.
Die Piusbrüder hingegen reagieren wenig kompromissbereit und legen es auf eine Machtprobe mit dem Vatikan an: Zwar distanzieren sie sich von den Aussagen des Holocaustleugners Richard Williamson, vollziehen allerdings weiterhin Priesterweihen, die nach dem Kirchenrecht als illegal gelten.
Nähe zur Orthodoxie
Engagiert sucht der Papst den Dialog mit der christlich-orthodoxen Kirche, die seit dem morgenländischen Schisma von 1054 von der römisch-katholischen getrennt ist. Als Geste der Annäherung und Versöhnung verzichtet Benedikt bei seinem Amtsantritt als erster Papst seit dem fünften Jahrhundert auf den Ehrentitel "Patriarch des Abendlandes".Traditionell wird die Bezeichnung "Patriarch" sonst nur in der orthodoxen Kirche benutzt. Am 28. Juni 2008 eröffnen Benedikt XVI. und der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel (rechts) gemeinsam das "Paulus-Jahr". Das Jahr ehrt den bedeutenden Apostel Paulus von Tarsus, der zu urchristlicher Zeit die Missionierung von Nicht-Juden im östlichen Mittelmeerraum vorantrieb.
Auf der politischen Weltbühne
Als Papst ist Benedikt XVI. Oberhaupt des 0,44 Quadratkilometer kleinen Staates Vatikanstadt. Dieser Staat wird auf dem internationalen Parkett vom "Heiligen Stuhl", also vom Papst als geistigen Führer der römisch-katholischen Kirche, repräsentiert. In dieser Funktion empfängt Benedikt Regierungschefs und Repräsentanten aus aller Welt.Auf seinen dreizehn apostolischen Auslandsreisen besucht er unter anderem den afrikanischen Kontinent, die Vereinigten Staaten sowie das Heilige Land. Mit den Mitteln der Diplomatie vertritt der Pontifex die Interessen der katholischen Kirche und macht sich für die Einhaltung christlicher Werte auf politischer Ebene stark.
Benedikt setzt sich während seines Pontifikats für den Schutz ungeborenen Lebens ein und geißelt die Auswüchse des Kapitalismus. Die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft mahnt er zu einer radikalen ökologischen Wende und zu einem erneuerten "Bund zwischen Mensch und Umwelt".
