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Katharina von Siena  Seite drucken

Eine europäische Patronin

Katharina von Siena
© KNA
Katharina von Siena ist eine der Patroninnen Europas.

Katharina von Siena hat für die Kirche bis heute große Bedeutung

Ob Katharina von Siena nun das 23. oder das 24. Kind des Wollfärbers Jacopo Benincasa und seiner Frau Lapa war, lässt sich nach über 660 Jahren nicht mehr mit letzter Sicherheit herausfinden. Aber, was diese Frau auch für die heutige Gestalt der Kirche bedeutet, lässt sich an einem anderen Umstand ablesen: Ein Jahr vor dem Jubiläumsjahr 2000 erklärt Papst Johannes Paul II. sie zur Mitpatronin Europas. Sie befindet sich damit in einer Reihe mit Benedikt von Nursia, Cyrill und Methodius, sowie Birgitta von Schweden und Edith Stein. Ihr Gedenktag, der 29. April, wird deshalb seit dem Jahr 2000 für die Kirche in Europa verbindlich als Festtag begangen.

Die Dominikaner-Nonne des 14. Jahrhunderts war eine mutige Frau. Sie scheute sich nicht, den mächtigsten Männern ihrer Zeit ins Gewissen zu reden. Ihre Bemühungen um Frieden erreichten europäische Herrscher wie Karl V. von Frankreich, Karl von Durazzo, Elisabeth von Ungarn, Ludwig den Großen von Ungarn und Polen sowie Johanna von Neapel. Mit derselben Eindringlichkeit wandte sich Katharina an die Geistlichen, um von ihnen die strengsten Konsequenzen im Leben und im pastoralen Dienst zu verlangen. Auch den Bischöfen und selbst dem Papst las sie die Leviten. "Im Garten der Kirche", so sagte sie "müssten die faulenden Pflanzen ausgerissen und durch frische, duftende neue Pflanzen ersetzt werden."

Große moralische Autorität

In einer Zeit, in der durch die Pest und den hundertjährigen Krieg zwischen Frankreich und England viele Werte in Europa zu zerbrechen drohten, war sie eine große moralische Autorität. Dabei wurde sie insbesondere für den mächtigsten Kirchenmann ihrer Zeit eine wichtige Stütze. Sie bewegte Papst Gregor XI. zur Rückkehr aus dem "babylonischen Exil" der Päpste in Avignon nach Rom.

Dabei packt sie den noch zögernden Pontifex bei seiner Ehre: "Wenn Sie bisher nicht recht entschlossen gewesen sind, so bitte und beschwöre ich Sie, von nun an als mutiger Mann zu handeln und Christus nachzufolgen, dessen Stellvertreter Sie ja sind. Fürchten Sie nichts, liebster Vater, weder die Stürme, die Sie bedrohen, noch den grollenden Aufruhr. Kehren Sie nach Rom zurück, zögern Sie nicht mehr. Ihre Säumigkeit hat schon viel Verwirrung entstehen lassen. Mut, Heiliger Vater, keine Nachlässigkeit mehr!" Und tatsächlich: Der Papst lässt sich von dieser Frau bewegen. Obwohl die weltliche Macht der Päpste in Italien durch die fast sieben Jahrzehnte dauernde Abwesenheit von Rom arg geschwunden war, entschließt sich Gregor XI. im Herbst 1376, die Kurie nach Rom zurückzuführen.

Katharina von Siena
© KNA
Katharina nahm großen Einfluss auf die mächtigsten Männer ihrer Zeit.

Böses Omen?

Als die Galeere des Papstes auf dem Weg nach Rom in einen heftigen Sturm gerät und sich nur mit Not in den Hafen von Genua retten kann, nutzen die kurialen Beamten dieses vermeintlich "böse Omen", um ihn erneut zur Umkehr zu bewegen. Sie riegeln ihn hermetisch ab, um eine Begegnung mit Katharina zu verhindern. Verkleidet als einfacher Mönch erscheint Gregor XI. nachts vor dem Quartier Katharinas. Von ihr bestärkt setzt er die Reise nach Rom fort. Dort wird er begeistert empfangen und im Triumphzug nach St. Peter geleitet.

Die mächtige Republik Florenz allerdings hat gegen die Rückkehr des Papstes nach Rom Einwände und fürchtet um ihre Vorherrschaft in Italien. Mit der Stadt Mailand drängen sie zum Aufstand gegen den Papst. Dieser bannt daraufhin die Stadt und verbietet dort jeglichen Gottesdienst. Katharina wird als Vermittlerin eingeschaltet, im Frühjahr 1378 bietet sie im Auftrag des Papstes Florenz die Versöhnung an und erreicht diese auch. Die Rückkehr des Papstes nach Rom und der Friede mit Florenz: Diese beiden Erfolge sichern Katharina eine Autorität, die niemand mehr bestreiten konnte.

Aus tiefstem Herzen Mystikerin

Doch welches ist die Quelle von Katharinas Kraft und Autorität? Aus ihrer Familie in Siena, wo sie 1347 als Zwillingskind in einem verarmten Adelshause zur Welt kommt, kann diese Fähigkeit wohl kaum stammen. Katharina ist in ihrem tiefsten Herzen eine Mystikerin, eine Frau, die aus dem Geheimnis der Liebe zu Christus und seiner Kirche lebt. Als sie mit 12 Jahren verheiratet werden soll, ist sie schon so selbstbewusst und von ihrer Sendung überzeugt, dass sie sich weigert. Sie will sich nur einem Mann verloben: Mit 16 Jahren entschließt sie sich gegen den Willen ihrer Eltern in den Dritten Orden der Dominikaner einzutreten. Fortan will sie nur noch Christus nachfolgen.

Bereits als Kind hat sie Visionen, brennt sich das Bild von Jesus Christus in ihr Herz ein. Sie wird zu einer Wegbereiterin der Herz-Jesu-Verehrung. Mit 22 Jahren erlebt sie in einer Vision, wie ihr Christus das Herz aus der Brust nimmt, um ihr sein eigenes einzusetzen. Als sie 27 ist, empfängt sie in Pisa vor dem Bildnis des Gekreuzigten an ihrem Leib die Wundmale Christi. Aus ihrem religiösen Verständnis heraus entfaltete sie ihre politische Wirksamkeit. Sie hält öffentliche Ansprachen und schreibt, nachdem sie mit 22 Jahren Lesen und Schreiben gelernt hat, Briefe an hochgestellte Persönlichkeiten. Diese Aufgabe nimmt sie so sehr gefangen, dass sie mitunter drei verschiedene Sekretäre gleichzeitig mit dem Diktat beschäftigt.

Papst Johannes Paul II. winkt.
© KNA
Papst Johannes Paul II. ernannte Katharina von Siena zu einer Patronin Europas.

Kritiker und Autoritäten

Dieses selbst für heutige Verhältnisse äußerst ungewöhnliche Verhalten ruft naturgemäß Kritiker und Autoritäten auf den Plan. Ihre Gegner bringen sich in Stellung. Katharina wird im Jahre 1374 (mit 27 Jahren) vor das Generalkapitel des Dominikanerordens zitiert. Dadurch dass sie sich neben religiösen Themen auch zu gesellschaftlichen und politischen Fragen äußert, ist sie angreifbar. Auch wenn uns heute keine Dokumente mehr vorliegen, wird es auf dem Generalkapitel wohl um den Vorwurf der Ketzerei gegangen sein.

Sie muss für rechtgläubig erklärt und von der Ketzerei freigesprochen werden. Dafür verantwortlich ist wohl Raimund von Capua, der im Orden großen Einfluss hat, und den Katharina als Vertrauten für ihre Sache gewinnt. Fortan wird er ihr als Beichtvater zugeteilt. Er sollte sie ihr Leben lang als Berater und Dolmetscher begleiten, und nach ihrem Tod (1380) verfasst er Katharinas Biographie die "Legenda maior".

Scheitern der letzten Mission

Mit derselben Leidenschaft wie sie für die Rückkehr des Papstes nach Rom eintrat, setzte sich Katharina auch dafür auf, die Spaltungen abzuwenden, die sich bei der Papstwahl nach dem Tod Gregors XI. abzeichneten: Leidenschaftlich appelliert sie an die Kardinäle, sich für die Einheit einzusetzen und die Kirchenspaltung zu verhindern. Vergebens. An dem Scheitern dieser Mission verzehrt auch sie sich. Fast 40 Jahre spaltet die abendländische Kirche ein Schisma mit zeitweise drei Gegenpäpsten.

Auf dem Sterbebett bezeugt sie ihren Mitschwestern: "Seid gewiss, meine Lieben, dass ich das Leben für Christus und seine heilige Kirche hingegeben habe." Schwer krank starb Katharina mit erst 33 Jahren nahe der Kirche Santa Maria sopra Minerva in Rom, wo sie unter dem Hochaltar bestattet wurde. Ihr Haupt wurde nach Siena gebracht und befindet sich heute in der Kirche San Domenico.

Von Markus Schüppen
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