Der störrische Esel

Wie die Israeliten beinahe verflucht worden wären
Immer noch wanderten die Israeliten durch die Wüste. Und immer noch war das Land, das Gott ihnen versprochen hatte, nicht in Sicht. Die Israeliten nörgelten und waren unzufrieden mit Gott. Ihren Ärger ließen sie an Mose aus.Da ließ Gott Giftschlangen ins Lager eindringen. Viele Israeliten wurden gebissen und bekamen hohes Fieber. Einige Frauen und Männer liefen zu Mose und sagten: "Es tut und Leid, dass wir genörgelt und geschimpft haben. Aber bitte Gott, diese Schlangen wieder wegzunehmen!" Mose sprach mit Gott, und dieser antwortete: "Mach eine Schlange aus Kupfer, wickle sie um eine Stange und stell sie an einem Ort auf, wo alle sie sehen können. Jeder, der von einer Schlange gebissen wurde, soll auf die Kupferschlange schauen. Dann wird er gesund."
Mose tat, was Gott ihm aufgetragen hatte. Und schon bald waren alle Israeliten wieder gesund.
Ein Fluch über die Israeliten
Die Israeliten näherten sich wieder dem Land Kanaan und lagerten nicht weit von der Grenze. Als Balak, der Anführer der Moabiter, davon hörte, beschloss er, die Israeliten aufzuhalten. Er schickte Boten zu Bileam, einem sehr weisen Mann. Sie sollten ihn auffordern, zu Balak zu kommen und einen Fluch auf die Israeliten herab zu rufen.
Die Boten zeigten Bileam eine prall mit Gold gefüllte Tasche, die ihm gehören sollte, sobald er den Wunsch des Königs befolgt hatte. Doch in der Nacht sagte Gott zu Bileam, er solle nicht zu Balak gehen und die Israeliten nicht verfluchen. Denn er, Gott, hätte dieses Volk gesegnet. Bileam hörte auf Gott und blieb zu Hause.
Ein Engel stellt sich in den Weg
Es dauerte nicht lange, da kamen wieder Boten, und diesmal brachten sie noch viel mehr Gold mit. Da konnte Bileam nicht widerstehen. Er nahm seinen Esel, stieg auf und ritt los.
Plötzlich aber blieb der Esel stehen. Bileam schlug ungeduldig auf ihn ein, denn er konnte nicht erkennen, was der Esel gesehen hatte: Ein Engel Gottes versperrte den Weg. Der Esel zwängte sich an einer Wand vorbei, um dem Engel aus dem Weg zu gehen. Dabei streifte Bileams Fuß die Wand.
Vor Schmerz schrie er auf und schlug auf seinen Esel ein. Doch wieder versperrte der Engel ihnen den Weg. Ängstlich legte sich der Esel auf den Weg. Da wurde Bileam wütend. Er schlug nun seinen Esel nun viel heftiger als vorher. Plötzlich hörte er den Esel sprechen: "Warum schlägst du mich? War ich dir jemals ungehorsam?"
Da wurden Bileam die Augen geöffnet, und er sah den Engel. Der Engel sprach: "Du hast deinen Esel geschlagen, statt ihm dankbar zu sein. Er hat dir nämlich das Leben gerettet. Denn er hielt an, als ich es ihm befahl. Und nun setze deine Reise fort. Aber du wirst verkündigen, was ich dir befehle."
Als Bileam zu König Balak kam, wollte er den Fluch auf die Israeliten herab rufen. Doch es waren Segensworte für das Volk Israel. Denn Bileam sagte, was ihm der Engel Gottes eingegeben hatte.
(Nacherzählt aus Numeri 21-24)
Kurz erklärt
Liebe Kinder,bestimmt denkt ihr nun über Bileam nach: Was war er für ein Mensch, der sowohl ein ganzes Volk verfluchen, aber auch segnen konnte? Bileam war tatsächlich ein berühmter Mann. Seine Segensworte konnten Menschen große Kraft verleihen. Und wenn er jemanden verfluchte, nahm dieser schlimmen Schaden. Gott hatte Bileam mit dieser Zauberkraft ausgestattet. Denn Bileam erkannte den Gott des Volkes Israel auch als seinen Gott an, obwohl er kein Israelit war.
Bileams Blick aber ist verblendet. Er hat nur noch Augen für das Gold, das Balak ihm versprochen hat. Und vor lauter Gier sieht den Engel nicht, den Gott ihm in den Weg steht.
Anders Bileams Esel. Er sieht den Engel und fürchtet sich. Und er versucht, sich an ihm vorbei zu drängen. Da schreit Bileam vor Schmerz auf, denn er hat sich beim Streifen der Wand seinen Fuß verletzt. Ärgerlich schlägt er auf seinen Esel ein. Als der Esel keinen Ausweg mehr sieht, legt er sich hin und weigert sich weiterzugehen.
Gott gibt dem Tier eine menschliche Stimme, die seinen Herrn zur Vernunft rufen soll. Und da endlich gehen Bileam die Augen auf. Erst jetzt erkennt er den Boten Gottes und ist bereit umzukehren.
Auch uns stellt Gott schon mal einen Engel in den Weg. Und er stellt uns Menschen zur Seite, die diesen Engel wahrnehmen – und damit auch seine Botschaft. Sie möchten uns dann vor Schaden bewahren – wie Bileams Esel. Aber wir sind uneinsichtig, stur und wütend und erkennen oft erst sehr spät (oder vielleicht erst mal gar nicht), dass wir auf dem falschen Weg sind...
