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Von Exoten und Glücksmomenten

Glücksbohnen
© katholisch.de
Zehn Bohnen zum Glück

Umwelt und mehr in Halle A3

Zehn Bohnen aus einer kleinen hölzernen Schatztruhe sollen helfen, das Glück zu zählen. Die Idee der "Umweltbildung Bayern" ist so charmant wie effektiv. Besagte Bohnen sind in die rechte Hosentasche zu stecken und nach jedem Glücksmoment wandert eine Hülsenfrucht in die linke Tasche. Haben alle Bohnen die Seite gewechselt, werden sie in die Erde gepflanzt: Willkommen im Zentrum "Umwelt und Ressourcen" (Halle A3), die nur sehr verkürzt als Umwelthalle zu bezeichnen ist.

Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und ethische Verantwortung sind die Schwergewichte, die hier im Vordergrund stehen und erstaunlich spielerisch aufgegriffen und vermittelt werden. Am Stand des Umweltausschusses des Evangelischen Kirchentages strampelt ein kleines Mädchen auf einer Art rotem Hometrainer.

Sie ist noch so klein, dass sie nicht bis an den Sattel heranreicht, schafft aber in der Minute 13 Kilometer gedachte Wegstrecke wie die Digitalanzeige der historischen Zapfsäule vor ihrer Nase anzeigt. Eigentlich ist es keine Zapfsäule, sondern das genaue Gegenteil: Die Sprit-Spar-Säule rechnet aus, wie viel CO2 der Radler pro Stunde sparen kann. Die kleine Kirchentagsbesucherin hätte für die gleiche Strecke im Auto 1986 Gramm und im Flieger sogar 4885 Gramm Kohlendioxid erzeugt.

Kirchentage und Umweltschutz gehören zusammen

Kirchentage und Umweltschutz – beides wird seit Jahren in einem Atemzug genannt. Und was für klimaneutrale Katholikentage und den ökologisch zertifizierten Evangelischen Kirchentag gilt, ist natürlich gleich doppelt wichtig für den ÖKT. Vom Klimawettbewerb bis zum ökofairen Catering, von der ökologisch korrekten Müllinsel zum CO²-Ausgleichprojekt, das Wälder in Südamerika aufforstet: Hier liegt alles im Trend, was die Umwelt schont und das Klima entlastet.

Glasscherbe mit Korrosion
© katholisch.de
Kirchenfensterglas mit Korrosion

Als Exot in der Umwelthalle bezeichnet sich Falko Bornschein. Der Kunsthistoriker befasst sich mit der Restaurierung einst prachtvoller Fenster im Erfurter Dom. Was er im „Zentrum Umwelt und Ressourcen“ verloren hat? Seine Arbeit wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert. Bei der Fenstererneuerung geht es nämlich vor allem um eines: Die immensen Schäden aus vielen Jahrzentren Kohlekraft, Kat-freien Autos und saurem Regen zu beheben.

Die zwischen 1380 und 1420 entstandenen Farbverglasungen stammen aus einer Zeit, in der aus Kostengründen sehr viel Buchenholzasche zur Herstellung verwendet wurde. Daraus entstand ein eher weiches Glas, das besonders anfällig für Wettereinflüsse ist. Seit 1996 versucht die Glaswerkstatt am Dom, die teilweise fast völlig blinden Buntglas-Fenster wieder herzustellen und die Feinheiten neu herauszuarbeiten.

Mit Wettereinflüssen hat aber nicht nur der Erfurter Dom zu kämpfen, deshalb sind Wetter und Klimawandel ein ganz großes Thema in der Halle. Wie eng das Klima mit der Ernährungssicherung verknüpft ist, macht die Vereinte evangelische Mission (VEM) deutlich. Die internationale Missionsorganisation zeigt in großen Schautafeln, was der Klimawandel in den  Ländern des Südens anrichtet. „Dramatisch ist die Lage zum Beispiel in Tansania“, berichtet Martin Domke, Vorsitzender des Ausschusses „Gerechtigkeit Frieden und Integration“. Dort können sich die Bauern nicht mehr auf die Regenzeit verlassen. Hungersnöte drohen.

Sechs Richtige aus 49
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49 gute Umwelttaten

Sechs aus 49

Großen Zulauf am Stand findet eine Tafel, die das eigene Umweltverhalten der Kirchentagsbesucher in den Blick nimmt. Denn das Klima wird von der Lebensweise jedes einzelnen mitbestimmt und ethische Verantwortung bedeutet auch, selbst verantwortlich zu handeln und zu konsumieren. Unter der Überschrift „6 aus 49“ finden Besucher hier keine Lottozahlen, sondern 49 Vorschläge, wie jeder selbst im Kleinen Umwelt und Klima schonen kann. Sechs davon sollte jeder Besucher mit- und sich selbst zu Herzen nehmen. „Am beliebtesten ist der Vorschlag ‚Pflanze einen Baum!’, das können sich viele vorstellen“, so Anja Cours vom VEM.

Und die Ökumene? Die wird vor allem am gemeinsamen Stand des 2. ÖKT mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gelebt. Hier stehen die Umweltbeauftragten des Erzbistums Freiburg, Benedikt Schalk, und der Landeskirche Hannover, Reinhard Benhöfer, um über die biologische Vielfalt und Kirche zu sprechen. Und dabei geht es nicht nur um alte Baumbestände und wertvolle Flechten auf  Friedhöfen, sondern auch um Fledermausstuben in Kirchtürmen.

Besonders wichtig sind beiden Experten auch Projekte zur Energieeinsparung in den Bistümern. Mit Energiechecks, Schulungen und Beratung sind die beiden Umweltbeauftragten in Sachen Klimaschutz unterwegs. „Das Erzbistum Freiburg ist mit seiner Energieoffensive ein Leuchtturm in der deutschen Kirchenlandschaft“, sagt der evangelische Kollege Benhöfer anerkennend. Das ehrgeizige Ziel der Freiburger: In fünf Jahren den CO²-Ausstoß in Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen um 38 Prozent verringern.

Von Janina Mogendorf
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