Aufgenommen und mitgetragen

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Seit 20 Jahren technischer Leiter der Wallfahrt von Osnabrück nach Telgte: Karl-Heinz Schomaker.Wallfahrt von Osnabrück nach Telgte
Osnabrück - Er stimmt mit dem Bischof ab, wie lange die Predigt dauern darf. "Wir müssen uns an den Zeitplan halten." Dieser Satz schwirrt Karlheinz Schomaker auf dem 43 Kilometer langen Prozessionsweg nach Telgte wohl des öfteren durch den Kopf. Seit 20 Jahren ist Schomaker technischer Leiter der Wallfahrt von Osnabrück nach Telgte. "Wir müssen uns an den Zeitplan halten": Das gilt für den Start in Osnabrück, die einzelnen Wegstrecken, die Pausen, die Ankunft in Telgte und eben auch für die Gottesdienste und die Predigt des Bischofs.Traditionswallfahrt seit 1852
Aus einer Laienbewegung von anfangs 25 Katholiken hat sich seit 1852 die zweitgrößte Fußwallfahrt im deutschsprachigen Raum entwickelt, die immer am zweiten Sonntag nach dem Fest Peter und Paul (29. Juni) stattfindet. Etwa 8.000 Pilger aus dem Stadt- und Landkreis Osnabrück nehmen an der zweitägigen Wallfahrt teil. Die meisten sind mittlerweile in örtlichen Wallfahrtsvereinen und Gruppen organisiert.
"Die Wurzeln liegen in der Tradition", sagt Schomaker. Viele Pilger seien schon als Kinder mit ihren Eltern mitgegangen und nun seit Jahrzehnten dabei. Auch er selbst hat vor etwa 40 Jahren als Teilnehmer begonnen. Vor 20 Jahren hat er die technische Leitung der Wallfahrt übernommen - und hat bis heute kein Problem damit, ehrenamtliche Helfer zu finden. "Telgte wollen sie alle mitmachen - wegen des Gemeinschaftsgefühls."
Gemeinsam auf dem Weg zur Muttergottes
Denn das stehe im Vordergrund. Osnabrück - Telgte, das sei keine überholte und antiquierte Fußwallfahrt, sondern eine frohe Gemeinschaft auf dem Weg zur Muttergottes. "Viele Menschen sind von der Gemeinschaft begeistert", sagt Schomaker. "Sie erleben, mitgetragen und aufgenommen zu sein." Besonders schön sei die große Zahl junger Menschen. "Die traditionellen Werte haben bei jüngeren Leuten wieder einen höheren Stellenwert bekommen", sagt der 64-Jährige Vertriebsleiter im Ruhestand.
Ob aus Wertschätzung der Gottesmutter, deren Bild in Telgte verehrt wird, aus guter Tradition oder einfach aus sportlicher Herausforderung: Die meisten seien dabei, "um auf dem Weg wieder eine Erfahrung zu machen, die wir als Christen in unserem normalen und alltäglichen Leben nur noch selten spüren". Auf dem Weg würden die Menschen erfahren, was es bedeute, als Gemeinschaft unterwegs zu sein. "Eine Erfahrung, die uns Kraft und Stärke, Hoffnung und Zuversicht schenken kann."
Laien sind verantwortlich
Wenn die Wallfahrt in Osnabrück startet, ist für Schomaker die meiste Arbeit schon getan: Er hat die Werbung organisiert, Absprachen mit begleitenden Priestern, den Sanitätern und der Polizei getroffen und die Ordnungsämter kontaktiert. "Ich bin derjenige, bei dem die Fäden zusammenlaufen", sagt Schomaker und betont, dass die Wallfahrt Osnabrück - Telgte in der Verantwortung von Laien liegt.
Denn neben ihm sind mehr als 250 Menschen für den reibungslosen Ablauf verantwortlich. "Vieles läuft automatisch. Wir arbeiten von Jahr zu Jahr immer wieder daran, den organisatorischen Ablauf abgerundeter zu gestalten." Doch selbst, wenn vor dem Start das meiste erledigt ist: Auch auf dem Weg nach Telgte stehe er "unter Strom", sagt Schomaker. "Alles, was nicht klappt, wird mir zugetragen."
Minutiöser Zeitplan
Denn auch der Wallfahrtszug muss sich an den minutiösen Zeitplan halten: Um 1.30 Uhr beginnt die erste Pilgermesse in Osnabrück, um 3 Uhr setzen sich die ersten Pilger in Bewegung, für 8 Uhr ist eine Pause in Glandorf angesetzt, der traditionelle Predigtstopp in Oedingberge ist um 10.30 Uhr, die Mittagspause in Ostbevern um 12.50 Uhr. Ein Schrittmacher sorgt dafür, dass die Prozession nicht zu schnell und nicht zu langsam vorwärts zieht. Denn für die Pilger muss unter anderem die Bundestrasse B 51 auf Teilstücken voll gesperrt werden.
43 Kilometer oder auch 58.750 Schritte - so viele hat 2001 ein 16-jähriger Teilnehmer gezählt - legen die Wallfahrer bis Telgte zurück. Neueinsteigern rate er immer, sich in der ersten halben Stunde nicht mit dem Pilgerbuch auseinander zu setzen. "Sie sollen darauf achten, dass sie den Schritt der Wallfahrt verinnerlichen", sagt Schomaker. "Der Rhythmus ist das A und O." Den 800 bis 900 Pilgern, die in Osnabrück starten, schließen sich auf dem Weg nach Telgte weitere Pilger an. Um Punkt 15.45 Uhr erreicht der Zug Telgte, wo die Teilnehmer vom dortigen Propst an der Emsbrücke empfangen werden. "Dann hat der Prozessionszug eine Länge von zwei Kilometern erreicht", sagt Schomaker.
Persönliches Interesse unterordnen
Selbst abends, in seinem Privatquartier in Telgte, kommt er nicht zur Ruhe. "Ich bin abends der Letzte und morgens der Erste", sagt der 64-Jährige, der im vergangenen Jahr für seinen ehrenamtlichen Einsatz für das Wallfahrtswesen im Bistum Osnabrück den päpstlichen Orden "Pro Ecclesia et Pontifice" verliehen bekam. "Für mich ist entscheidend, dass die Pilger das erleben, was sie sich vornehmen", sagt Schomaker. Sein persönliches Interesse müsse er unterordnen. "Mein Besuch in Telgte findet ein paar Wochen später statt", sagt Schomaker. Dann muss er sich auch nicht mehr an den Zeitplan halten. zum Anfang
