Wallfahrt up kölsch!

"Pilgern bedeutet, sich auf den Weg zu machen."
Wer bei Wallfahrt an leise vor sich hinsummende, betende oder meditierende Pilger denkt, der kann bei der Domwallfahrt sehen, dass es auch anders geht. Schon beim Beginn des Pilgerweges an der Bastei am Rheinufer begrüßen chorale Klänge und geistliche Sprüche aus Lautsprechern die Pilger. Auf Plakaten, welche in regelmäßigen Abständen den Pilgerweg überspannen, stehen fromme Zitate von Persönlichkeiten der Kirchengeschichte, wie z.B. Edith Stein und Adolf Kolping. Entgegen der Erwartung ist um die Mittagszeit am Beginn des Pilgerweges am Rhein nicht viel los. Einzelne Pilger und ein paar überschaubare Gruppen machen sich auf den Weg zum Dom.Einige Pilger beten, singen oder schweigen, aber der Hauptteil der Jugendlichen redet, lacht und hat sichtlich Spaß. „Wir reden nicht nur über den Glauben, sondern kommen auch schon mal auf kleine Abwege, wo wir über etwas anderes reden“, beschreibt Yolanta, 22, aus Litauen den Austausch mit anderen Jugendlichen auf dem Pilgerweg. Aber man trifft auch auf Menschen, wie die 30-jährige Kathrin aus München, die den Pilgerweg für die Vertiefung ihres Glaubens nutzen. „Pilgern bedeutet, sich auf den Weg zu machen. Wir wollen uns auf die Begegnung mit anderen Menschen und auf die Begegnung mit Gott konzentrieren“. Auch für Yolanta, die vor der Wallfahrt mit ihren Freunden einen litauischen Gottesdienst besucht hat, bedeutet Pilgern, auf dem Weg zu sein: „Auf Litauisch heißt glauben, dass man gehen muss. Es ist wie im Glauben, man ist immer auf dem Weg.“ Der 34-jährige Martin aus Quebec bringt es auf den Punkt: „Pilgern ist eine Reise der Seele.“ Er hat vor dem Antritt der Wallfahrt das Sakrament der Versöhnung in Empfang genommen. „Ich habe gebetet und Gott darum gebeten, mir seine Gnade zu geben“, beschreibt er die Erfahrung.
Je näher man dem Dom kommt, desto voller wird es. Der Dom entfaltet seine besondere Anziehungskraft. Vielleicht wollen viele einfach nur den Kölner Dom sehen, denn von Wallfahrtsatmosphäre ist hier nichts zu spüren. Im Dom werden Fotoapparate gezückt, Blitzlichtgewitter geht nieder und Videokameras laufen, für ein spirituelles Innehalten, eine persönliche Andacht bleibt wenig Zeit. Zu groß ist der Andrang. Lediglich vor dem Altarraum und vor dem Schrein der Heiligen Drei Könige, dem eigentlichen Ziel der Domwallfahrt, sowie an den Seitenmauern knien ein paar Gläubige nieder und versinken im Gebet. Der Kölner Dom hat auf jeden seine eigene Wirkung. „Der Dom ist einfach nur schön und es gibt keine Worte, um das zu erklären“, beschreibt Leicia, 20, aus der Ukraine ihre Gefühle. Für Yolanta war der Dom „voll und mächtig, mit der Musik und dem Chor war es toll“. Bei Tobi, 16, aus München weckt der Dom eher andere Gedanken, „da muss schon mehr dahinter stecken, um so einen Dom zu bauen. Das war sicher schwer und geht nicht so vom einen auf den anderen Tag“.
Das Ende der Domwallfahrt ist auf der anderen Rheinseite im Tanzbrunnen, wo regelmäßige Gottesdienste die Wallfahrer in Empfang nehmen. Man blickt in müde Gesichter. Das Warten auf den nächsten Gottesdienst nutzen die meisten Jugendlichen für ein kurzes Nickerchen. Sei es wegen der körperlichen oder der geistigen Anstrengung, von der ausgelassenen Stimmung am Beginn der Wallfahrt ist hier wenig zu spüren. Für Martina, 17, aus München war die Wallfahrt wichtig: „Es ist ein erhebendes Gefühl, die Domwallfahrt mitzumachen. Ich hatte viel Zeit, nachzudenken.“
„Mit den Zeugen des Glaubens pilgern“
Vom 17. bis zum 19. August führt die Domwallfahrt die WJT-Teilnehmenden aus aller Welt zum Schrein mit den Gebeinen der Heiligen Drei Könige im Kölner Dom.
Domwallfahrt, Katechese, Geistliches Zentrum und Zentrum der Versöhnung stellen die vier spirituellen Grundelemente des Weltjugendtages dar. Damit ist die Domwallfahrt ein Bestandteil des „Herz des Weltjugendtages“, wie die spirituellen Angebote auch bezeichnet werden.
Das Leitwort der Domwallfahrt lautet „Mit den Zeugen des Glaubens pilgern“. Vom 17. bis zum 19. August führt die Domwallfahrt die WJT-Teilnehmenden aus aller Welt zum Schrein mit den Gebeinen der Heiligen Drei Könige im Kölner Dom. „Innerhalb von drei Tagen sollen 400.000 Menschen den Schrein der Heiligen Drei Könige gesehen haben“, so Pfarrer Ullrich Hennes, Sekretär des WJT. Um den Ansturm zu bewältigen, wird der Dom komplett leer geräumt und steht von sechs Uhr bis gegen Mitternacht für betende Pilger offen.
Der Pilgerweg wird von der Bastei am Rheinufer entlang in und um den Dom geleitet und führt dann weiter über die Hohenzollernbrücke zum Tanzbrunnen. Dort findet alle zwei bis drei Stunden eine Eucharistiefeier statt. Jeder ist eingeladen, sich diesem Pilgerweg anzuschließen.24 Stunden, 100 Priester, 30 Sprachen – Das Zentrum der Versöhnung
Jeder WJT-Teilnehmende soll die Möglichkeit bekommen, das Heilige Sakrament der Versöhnung in Form der Beichte zu empfangen.
Das Zentrum der Versöhnung stellt neben der Domwallfahrt, der Katechese und dem Geistlichen Zentrum eine der vier spirituellen Säuen des Weltjugendtages dar. Jeder WJT-Teilnehmende soll die Möglichkeit bekommen, das Heilige Sakrament der Versöhnung in Form der Beichte zu empfangen.
Das geistliche Programm solle „fit machen für das Christ-Sein“, so Pfarrer Ulrich Hennes, Sekretär des Weltjugendtags. Es gehe darum, die Vision des Papstes zu verwirklichen und an einer friedvollen und gerechteren Welt mitzubauen.
Um der hohen Anzahl von Beichtenden gerecht zu werden, wird das Zentrum der Versöhnung vom 17. bis zum 19. August in den Hallen 6, 7 und 8 der Köln-Messe errichtet. Hier stehen 24 Stunden am Tag rund 100 Priester den Jugendlichen aus aller Welt zum Gespräch zur Verfügung. Die Beichtgespräche können in 30 verschiedenen Sprachen geführt werden. Außerdem gibt es einen eigenen Raum der Danksagung, in dem die jungen Menschen Gott danken und ihn um Kraft für die Zukunft bitten können. zum Anfang