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Wallfahrtsberichte 18.05.06 Seite drucken

Quietschende Räder und Hufgetrappel

Kutsche fährt durch eine alte Gasse
© KNA
Aufwendig geschmückte Gespänne fahren durch die Gassen.

Kutschenwallfahrt in Telgte

Telgte/ Westbevern - Hufgetrappel. Schnauben. Räder rollen quietschend über den Asphalt. Margret Schulze Hobeling schaut aus dem Küchenfenster des Bauernhauses auf den Hof. "Da kommen die ersten!", ruft sie ihrem Mann zu. Hermann Schulze Hobeling tritt gleich aus der Tür, um die Ankömmlinge, die per Kutsche in den kleinen Ort Westbevern-Vadrup bei Telgte gekommen sind, winkend zu begrüßen.

Alljährlich am Christi-Himmelfahrtstag, wenn über 100 Kutschen samt Fahrern und Beifahrern zur Telgter Kutschenwallfahrt anreisen, gibt es für den Landwirt und Pferdenarr viel zu tun. Auf seinem Hof treffen sich traditionsgemäß zahlreiche Kutschenfahrer sowohl am Vorabend als auch am frühen Morgen vor ihrer Fahrt zum Telgter "Pappelwald". Dort finden auf der so genannten "Planwiese" der Wallfahrtsgottesdienst und anschließend eine Präsentation der aufwändig geschmückten Gespanne statt.

Neben der Moderation dieser Kutschen-Schau sorgt Schulze Hobeling dafür, dass die Wallfahrer ihren Weg zum Pappelwald finden, jeder einen Abstellplatz für seine Kutsche hat und alle Pferde mit Wasser versorgt sind. "In den vergangenen Jahren habe ich oft gar keine Zeit gehabt, selbst mit der Kutsche nach Telgte zu fahren", bedauert der 56-Jährige. Statt Besinnung und Gebet: Hektik, Trubel, Stress.

120 Kutschen mit Fahrern und Beifahrern

Dennoch ist die Wallfahrt für ihn immer wieder ein ganz besonderes Ereignis. Am schönsten sei dabei die Gemeinschaft mit den vielen Reit- und Fahrkollegen, sagt Schulze Hobeling. Über die Hälfte vom "festen Stamm" der Wallfahrtsteilnehmer - das sind die Fahrer und Mitfahrer der etwa 120 Kutschen - kommt aus der Umgebung: aus Westbevern, Telgte, Warendorf. Aber auch aus Recklinghausen, Steinfurt und Coesfeld reisen die Pilger mit ihren Gespannen an. Viele kennt Kutschen-Fahrlehrer Schulze Hobeling schon lange. "Ich finde es toll, wenn ältere Fahrer beispielsweise ihre Enkel mitbringen", erzählt er, "oder wenn heute junge Leute als Fahrer dabei sind, die als Kind schon in der Kutsche ihrer Eltern mitkamen."

Begeistert berichtet er auch von dem ungewöhnlichen Wallfahrtsgottesdienst, an dem nicht nur die Kutschenfahrer und Vierbeiner teilnehmen, sondern auch rund 4.000 weitere Gläubige. "Einige können die Messe nur aus 80 Meter Entfernung verfolgen", so Schulze Hobeling. Vor ihnen stehen die Kutschen an langen Anbindereihen, das sind in regelmäßigen Abständen angebrachte Pfähle mit daran befestigten Drahtseilen. Am gegenüberliegenden Ufer der Ems, die an der Planwiese entlangfließt, befindet sich der Altar.

"Als die Kutschenwallfahrt 1988 zum ersten Mal stattfand, haben wir den Gottesdienst noch in der Telgter Pfarrkirche St. Clemens gefeiert“, erinnert sich Schulte Hobeling. Die Fahrer stellten ihre Kutschen draußen ab, wobei entweder sie selbst oder einer ihrer Mitfahrer bei den Pferden bleiben musste und nicht an der Wallfahrtsmesse teilnehmen konnte. Aus diesem Grund findet der Gottesdienst heute unter freiem Himmel statt.

Alte Tradition wieder aufleben lassen

An die Anfänge der Kutschenwallfahrt vor 18 Jahren erinnert sich Schulze Hobeling noch ganz genau. Denn er gehörte damals zu den Initiatoren. "Der Besitzer einer Gaststätte in Telgte, Karl Erich Böttcher, hatte vor, den alten Brauch, mit der Kutsche zur Kirche zu fahren, neu aufleben zu lassen", berichtet Schulze Hobeling, den der Gastwirt um Hilfe bat.

Gemeinsam mit dem damaligen Pfarrer der St.-Clemens-Gemeinde, Propst Heinrich Tietmeyer, der Telgter Stadtdirektion und dem ortsansässigen Reitverein
"Gustav Rau" organisierte er die erste Wallfahrt, bei der schon rund 50 Kutschen dabei waren. Wie Hermann Schulze Hobeling werden wohl nur wenige diese Wallfahrt erleben. Er ist Urheber, Organisator und Teilnehmer. "Am meisten Freude macht es mir, wenn die Pilger zufrieden sind", sagt er.

Von Barbara Neumann

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