Laura in Not

Einige Mitschüler behaupten plötzlich, Laura wäre eingebildet
Jesus kam einmal wieder in seine Heimatstadt und lehrte in der Synagoge. Alle wunderten sich, dass er, der Sohn des Zimmermanns, so klug war. Sie wollten nichts von ihm wissen und kehrten ihm den Rücken zu. Da sagte Jesus: "Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat." (Mt 13,17) Zu dieser Geschichte passt, was Laura neulich erlebt hat...Bitte, drückt mir die Daumen!
Laura ist schon ganz aufgeregt. Denn morgen hat sie ihren ersten Auftritt mit der Ballettschule in der Stadthalle. Die Tänzerinnen führen das Musical "Joseph" auf. Laura darf die Rolle des Pharao übernehmen, des ägyptischen Königs.
Als sie sich am Freitagmittag in der Klasse von den anderen Kindern verabschiedet, sagt Laura: "Bitte, drückt mir morgen ganz fest die Daumen! Und kommt bitte alle zur Stadthalle! Das Musical ist wirklich super! Und wir haben so schöne Kostüme an."
Laura ist so nervös, dass sie gar nicht bemerkt, wie Anja hinter ihr stichelt: "Was bildet die sich eigentlich ein?" Lene pflichtet Anja bei: "Die meint wohl, jetzt wäre sie was Besseres. Ich geh auf keinen Fall dahin!"
"Ich auch nicht!", zischt Anja. Lukas hat es mitbekommen und wirft Anja und Lene einen wütenden Blick zu. Laura erzählt er nichts davon. Er möchte sie nicht traurig machen.
Der Pharao tanzte königlich
Die Ballettaufführung ist spitze. Die Stadthalle ist fast bis auf den letzten Platz besetzt. Laura bekommt besonders viel Applaus. Die Tänzerinnen müssen immer wieder auf die Bühne. Ganz vorn sitzen Mama und Papa und Lukas mit seinen Eltern. Auch Oma und Opa sind da und Peter, Kai und Silke aus der Klasse und die Lehrerin. Sie winken Laura zu und klatschen begeistert.
Am Montagmorgen liest Laura in der Zeitung: "Der Pharao tanzte königlich." Sie kann es kaum erwarten, zur Schule zu kommen. Und sie ist überwältigt. Denn ihre Klassenlehrerin hat Lauras Tisch mit einer Blumengirlande geschmückt. Alle gratulieren ihr mit einem Glückwunschlied.
"Die tanzt wie ein Elefant!"
Einige Kinder kommen in der Pause zu Laura und drücken sie noch mal feste. Aber mehr als die Hälfte wendet ihr den Rücken zu. Die Kinder tuscheln, lachen laut und schauen immer wieder zu Laura. Sie schnappt nur Wortfetzen auf: "Eingebildete Zicke!" "Die tanzt doch wie ein Elefant!" "Schlimm, dass wir der auch noch gratulieren mussten!"
Für Laura bricht eine Welt zusammen. Weinend läuft sie in ihre Klasse zurück. Lukas geht hinterher und tröstet seine Freundin: "Die sind doch nur neidisch! Beachte sie einfach nicht, dann hören sie von selbst wieder auf." Als Laura sich beruhigt hat, klingelt es zur dritten Stunde. Die Klassenlehrerin sieht Laura verweintes Gesicht, sagt aber nichts.
Nach der vierten Stunde ist Schulschluss. Die Lehrerin ruft einige Kinder auf. Sie sollen noch kurz da bleiben. Lukas ist auch dabei. "Ich warte auf dich", ruft Laura ihm noch zu.
"Du warst super!"
Laura wartet lange, ganze 20 Minute. Und dann sieht sie Lukas, Lene und Anja. Sie kommen auf Laura zu. Anja nimmt Laura in den Arm und entschuldigt sich bei ihr: "Ich war so blöd! Du bist überhaupt nicht eingebildet. Im Gegenteil. Du hilfst anderen immer, wenn sie in Mathe nicht weiterkommen und spielst dich nicht auf."
Auch Lene entschuldigt sich bei Laura: "Ich hab dich am Samstagabend gesehen. Du warst super als Pharao! Aber das wollte ich vor den anderen nicht zugeben. Wir waren vielleicht dämlich! Bist du uns noch böse?" Laura schüttelt den Kopf: "Nein, ich bin ja manchmal auch zickig und steigere mich in was hinein, das mir später Leid tut."
Wie schön, dass nun wieder alles gut ist.
Nun ist alles wieder gut
Auf dem Nachhause-Weg erzählt Lukas seiner Freundin von Jesus, der in seiner Heimatstadt in der Synagoge lehrte und von dem die Menschen plötzlich nichts mehr wissen wollten. Da waren plötzlich alle mucksmäuschenstill in der Klasse. Anja ist als erste aufgestanden und hat gesagt: "Wir haben uns richtig blöd verhalten! Laura ist die beste Freundin, die es gibt – und gar nicht eingebildet."
Laura überlegt eine Weile und fragt dann: "Sag mal, Lukas, hast du der Lehrerin erzählt, warum ich so traurig war?" Lukas grinst und meint: "Na und! War doch gut! Jetzt sind wir alle wieder Freunde!"
