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Bonifatius  Seite drucken

Missionar und Reformer

Der heilige Bonifatius.
© KNA
Bonifatius wirkte als Missionar in den Gebieten des heutigen Deutschlands.

Am 5. Juni feiert die katholische Kirche den heiligen Bonifatius

Mit einer Körpergröße von 1,90 Metern muss er seinen Zeitgenossenwie wie ein Hüne vorgekommen sein, und dass er um die 80 Jahre alt wurde, war damals auch mehr als ungewöhnlich. Vielleicht hätte es Bonifatius, obwohl von Gicht und Rheuma geplagt, noch auf einige Lebensjahre mehr gebracht, wäre er nicht am frühen Morgen des 5. Juni 754 im friesischen Dokkum mit rund 50 Gefährten von Räubern ermordet worden.

Bei den Friesen, wo er den Tod fand, hatte Bonifatius 716 sein Missionsdebüt gegeben - und war gescheitert. Die damals heftigen Auseinandersetzungen zwischen den heidnischen Friesen und den christlichen Franken ließen eine Erfolg versprechende Mission nicht zu. Noch im gleichen Jahr kehrte Bonifatius in seine englische Heimat zurück und "suchte wieder die Abgeschiedenheit seines Klosters auf", wie der Priester Willibald in seiner um 764 vorgelegten Lebensbeschreibung des Bonifatius berichtet. Der war um 672/675 im damaligen angelsächsischen Königreich Wessex im Südwesten Englands geboren worden. Als Geburtsort wird seit dem14. Jahrhundert Crediton genannt.

Mit etwa sieben Jahren wurde Bonifatius den Mönchen des nahen Benediktinerklosters Exeter zur Erziehung übergeben, wechselte später in das bedeutendere Kloster Nursling, das als seine geistige Heimat gilt. Bald nach seiner Priesterweihe wurde er Lehrer an der Klosterschule. Er verfasste eine lateinische Grammatik, eine Anleitung zur Verskunst, Gedichte. Kurz nach seiner Rückkehr von der fehlgeschlagenen Missionsreise wurde Bonifatius in Nursling zum Abt gewählt, nahm die Wahl an, legte die Leitung des Klosters aber bald nieder, um wieder zur Mission aufs Festland zu reisen. Es sollte ein Abschied für immer werden.

Das Grab des heiligen Bonifatius im Fuldaer Dom.
© KNA
Das Grab des heiligen Bonifatius im Fuldaer Dom.

Zerstörung der Donar-Eiche

Die Reise, zu der Bonifatius im Spätsommer 718 aufbrach, führte ihn zunächst nach Rom, wo er sich dann später noch zwei weitere Male aufhielt. Die seinerzeitige angelsächsische Kirche war Rom eng verbunden, Bonifatius wollte sein Missionsvorhaben vom Papst -damals Gregor II. - absegnen lassen. Er erhielt den erwünschten Auftrag, als Missionar unter den Heiden zu wirken, und zugleich den kirchlichen Beinamen Bonifatius (Wohltäter), dessen er sich künftig stets bediente. Wenige Jahre später weihte Gregor II. Bonifatius zum Missionsbischof ohne festen Sitz, zehn Jahre danach ernannte ihn der Nachfolge-Papst Gregor III. zum Erzbischof und machte ihn wieder einige Jahre später zu seinem Gesandten in dem weithin von den Franken beherrschten Germanien, versehen mit der Vollmacht, Priester zu Bischöfen zu bestellen und neue Bistümer zu gründen.

Von Rom wurde er auch mit Empfehlungsschreiben ausgestattet, vor allem an Karl Martell (689-741), den mächtigsten Mann im fränkischen Reich. Bonifatius, der 719 aus Rom über den Brenner nach Germanien gelangte, missionierte unter Friesen, Hessen, Thüringern. Mit Heiden hatte er es zu tun und mit Christen, die so christlich nicht waren, jedenfalls nicht im römischen und nicht in seinem Sinn. Er musste in einem Geflecht machtpolitischer und besitzständischer Interessen agieren, hatte es mit erheblichen Widerständen zu tun, hatte Erfolge, musste Niederlagen einstecken. Zur später populärsten Szene bonifatianischen Wirkens wurde die Zerstörung eines Baumheiligtums: Im hessischen Geismar fällte Bonifatius eine Donar-Eiche, um so die Machtlosigkeit der germanischen Götter unter Beweis zu stellen, von denen Donar einer der wichtigsten war.

Bonifatius, der sich mit der Zeit auf einen zahlenmäßig zunehmenden Stab an männlichen und auch weiblichen Mitarbeitern stützen konnte - zumeist Angelsachsen wie er -, gründete Missionsklöster wie etwa Amöneburg und Ohrdruf, Bistümer wie Eichstätt und Würzburg und reorganisierte Bistümer wie Passau, Regensburg und Salzburg. Aus dem Missionar wurde mehr und mehr ein Organisator und Reformer, der dann auch mehrere Bischofsversammlungen initiierte. Diese so genannten "Concilia Germanica" fanden zwischen 743 und 747 statt.

Bronzedenkmal des heiligen Bonifatius in Fulda.
© KNA
Bronzedenkmal des Heiligen Bonifatius in der Innenstadt von Fulda.

"Tragische Isolierung"

In einem Brief an Papst Zacharias, der seit 741 amtierte, bat Bonifatius 742 um Weisung und Rat für eine Kirchenversammlung und klagte: "Größtenteils sind die Bischofssitze in den Städten habgierigen Laien zum Besitz oder ehebrecherischen, dem Gelderwerb frönenden Geistlichen zum weltlichen Genuss ausgeliefert." Die "Concilia Germanica" entwarfen ein umfassendes Reformprogramm: Zum Beispiel wurde Geistlichen die Teilnahme an einem Krieg und an der Jagd, das Tragen von Waffen und ein Zusammenleben mit Frauen verboten. Heidnische Bräuche wie Beschwörungen und Schlachtopfer wurden untersagt, vom Adel eine Rückerstattung kirchlicher Güter verlangt.

Die Einrichtung mehrerer Kirchenprovinzen wurde beschlossen, wobei Bonifatius als Erzbischof einer Kirchenprovinz Köln vorgesehen war. Doch daraus wurde nichts. Das bedeutende Köln sollte nicht Sitz eines angelsächsischen Erzbischofs sein. Alte und neue Gegner, weltliche wie geistliche, widersetzten sich dem "Fremden", Mordpläne soll es gegeben haben, in der Geschichtsschreibung ist von einer "tragischen Isolierung" die Rede. Irgendwann zwischen 745 und 748 wurde Bonifatius Bischof von Mainz, nachdem der Vorgänger Gewilib abgesetzt worden war. Für Bonifatius, der Erzbischof war, an der Spitze eines Erzbistums Köln stehen wollte, eine herbe Enttäuschung. Nur wenig fühlte er sich dem Bistum Mainz verbunden. Vergeblich bat er den Papst, das Bistum einem anderen zu übertragen - und machte sich schließlich wieder zu einer Missionsreise auf, zu der nach Friesland nämlich, die ihm den Tod brachte.

744 hatte Bonifatius dort, wo heute Fulda ist, ein Kloster gründen lassen. An Papst Zacharias schrieb er: "Hier habe ich mit Zustimmung Eurer Huld mir vorgenommen, für einige Zeit oder auch nur für ein paar Tage den vom Alter matt gewordenen Leib in der Stille sich erholen und nach meinem Tode ruhen zu lassen." Und dort ruht er, der in der katholischen Kirche als Heiliger und Märtyrer verehrt wird und weithin als ein "Wegbereiter des Abendlandes" gilt, bis auf den heutigen Tag. Jahr für Jahr ist die Bonifatiusgruft im Fuldaer Dom ein Reiseziel für Tausende.

Von Peter de Groot (KNA)
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