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Kenia  Seite drucken

Wenn Fußballträume nicht wahr werden

In den Farben der südafrikanischen Flagge geschminkte Frau
© Katrin Linke/Fotolia.com

Die Fußball-WM findet weit überwiegend ohne die afrikanischen Fans statt

Nairobi - Kwame Nyong'o hatte einen Traum. Nun ist er kurz davor, ihn sich zu erfüllen. Die Fußball-WM in Südafrika hilft ihm dabei. Dabei ist der 37-Jährige gar kein richtiger Fußballfan - "aber ich mag Weltmeisterschaften". Mit acht Freunden wird Kwame Nyong'o am Donnerstag zwei Autos besteigen und in vier Wochen fünf afrikanische Länder durchqueren. "Ohne die WM würde ich bis heute von einer Reise durch Afrika nur träumen", gesteht er. Im Gepäck Zelte, Campingkocher, 1.700 Euro Reisegeld und zwei Eintrittskarten für Brasilien-Spiele, die er vor einem Jahr bei einer Tombola gewonnen hat.

Für die Reise seines Lebens hat der Illustrator seitdem gespart. Allerdings zählt er auch zur oberen Mittelklasse in Kenia. Für die meisten Afrikaner dagegen wird es nur ein Traum bleiben, Samuel Eto'o, Didier Drogba oder andere afrikanische Fußballhelden live auf dem Rasen zu erleben. Die Tatsache, dass es die erste WM überhaupt auf dem afrikanischen Kontinent ist, lässt Fußballfans in Kenia, wo mehr als die Hälfte der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze lebt, nur mit den Schultern zucken. "Klar freuen wir uns, dass die WM nach Afrika kommt", sagt Hobbyfußballer Alfred Ochieng. "Aber nur die Südafrikaner können Tickets günstiger kaufen. Wir anderen Afrikaner hatten nie eine Chance, dabei zu sein."

Ein Monatsgehalt für eine Karte

So musste die FIFA einen knappen Monat vor dem Anstoß einräumen, dass die Verkaufszahlen in Afrika "enttäuschend" seien. Von den drei Millionen verfügbaren Tickets wurden nur 40.000 in afrikanischen Ländern außer Südafrikas verkauft. Das billigste kostete zum regulären Preis 65 Euro - was einem Monatseinkommen eines Wachmanns oder Gemüsehändlers in Kenia entspricht. Harte Kritik musste die FIFA dafür einstecken, dass sie Afrikanern die Eintrittskarten nicht zugänglich gemacht hat. Die meisten waren nur über das Internet zu kaufen, zu dem die große Mehrheit in Afrika nach wie vor keinen Zugang hat. Zahlungsmittel ist eine internationale Kreditkarte, über die noch weniger verfügen.

Ein von der FIFA autorisiertes Reisebüro in der kenianischen Hauptstadt Nairobi bietet VIP-Reisen zur WM an, die bei 3.400 Euro für einen Tag inklusive Ticket anfangen. Die erschwinglichere Variante für eine Drei-Tage-Reise ist für 4.200 Euro zu haben. Einige Kunden, so das Reisebüro, zahlten ihre WM-Buchungen in Raten ab; andere hätten spezielle WM-Kredite zweier kenianischer Banken aufgenommen. "Die meisten Pauschalangebote werden von großen Firmen für ihre Angestellten gekauft", so eine Kundenberaterin. Eine genaue Zahl verkaufter WM-Reisen konnte sie nicht nennen - aber sie sei "dreistellig".

Keine Mannschaften zu Gast 

Das kenianische Busunternehmen Akamba hat es Kwame Nyong'os Gruppe nachgemacht und sich für umgerechnet 2.500 Euro eine dreiwöchige, teils touristische Reise nach Südafrika einfallen lassen, allerdings ohne Tickets für die Spiele. Etwa 150 Reisen wurden verkauft. Andererseits hat es Kenia versäumt, sich der FIFA als Trainingsziel im Vorfeld der WM zu empfehlen. Das wirtschaftlich stärkste Land Ostafrikas mit direkter Flugverbindung nach Südafrika, Traumstränden und Nationalparks als touristischer Zwischenstation auf dem Weg zum Großereignis, hat kein WM-Team zu Gast. Das einzige internationalen Standards entsprechende Stadion wird gerade renoviert. Zudem wurden der Sportstätte wegen unbezahlter Rechnungen in fünfstelliger Höhe in der vergangenen Woche Wasser und Strom abgestellt.

Während die Brasilianer im benachbarten Tansania Freundschaftsspiele austragen und sich das US-Team in Botswana akklimatisiert, machen die Kenianer ihren Fußballverband verantwortlich. Geschwächt von jahrelangem Missmanagement und Korruption in der Führung hatte die kenianische Nationalmannschaft selbst nie die Chance auf eine WM-Qualifikation. So bleibt den meisten kenianischen Fans nur die Fußballkneipe ihres Vertrauens, um die sechs afrikanischen Teams anzufeuern.

Von Anja Bengelstorff (KNA)
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