Die Mauern von Jericho

Wie man mit Gott über Mauern springen kann
Bevor die Israeliten nach Kanaan einziehen konnten, mussten sie zwei Hindernisse überwinden: den reißenden Fluss Jordan und die Festungsmauern der Stadt Jericho an der Grenze Kanaans.Josua sandte Kundschafter aus. Sie sollten die Festung Jericho ausspionieren. Aber der König von Jericho hatte die vielen Israeliten bereits gesehen, die immer näher kamen.
Unterschlupf bei Rahab
Die Botschafter des Königs fanden schnell heraus, dass zwei Israeliten um die Stadtmauer herumschlichen und ins Haus einer Frau mit Namen Rahab gingen, die in den Stadtmauern wohnte. Rahab versteckte die beiden Israeliten schnell auf dem flachen Dach ihres Hauses und deckte sie mit Flachs zu. Sie ahnte nämlich, dass die Männer gesehen worden waren. Da klopfte es auch schon an ihrer Tür.
Die Männer des Königs verlangten: "Bring die Männer heraus, die in deinem Haus sind!" Rahab antwortete: "Ja, es waren zwei Männer bei mir. Aber sie sind kurz vor Sonnenuntergang wieder gegangen, damit sie noch ungesehen durchs Stadttor verschwinden konnten. Wenn ihr sie verfolgt, könnt ihr sie bestimmt noch erwischen. Aber ich weiß nicht, welchen Weg sie genommen haben."
Rettung durch eine List
Die Boten des Königs verschwanden, um die Verfolgung der beiden Israeliten aufzunehmen. Und Rahab stieg aufs Dach zu den Männern. Die beiden wunderten sich, warum Rahab ihnen half. Sie erklärte es ihnen: "Ich wollte euch retten, denn ich bin sicher, dass Gott euch dieses Land geben wird. Ich habe von den wunderbaren Dingen gehört, die er für euch getan hat. Ich vertraue eurem Gott."
Rahab bat die Männer, dass die Israeliten sie und ihre Familie verschonen und ihr Haus nicht zerstören sollten. Das versprachen die beiden Israeliten. Rahab ersann eine List: "Ich werde euch vom Fenster aus an einem Seil herunter lassen. Außerhalb der Stadtmauern seid ihr sicher. Lauft zu den Bergen und versteckt euch dort drei Tage. Dann wird niemand mehr nach euch suchen, und ihr könnt zu eurem Lager zurückkehren."
Die Israeliten bedankten sich und sagten: "Binde als Zeichen ein Stück rote Schnur in dein Fenster. Wenn unsere Soldaten es sehen, werden sie dein Haus verschonen und alle, die darin wohnen."
Sicher durch den Fluss
Einige Tage später mussten die Israeliten die erste schwere Aufgabe meistern, die Durchquerung des Jordan. Der Fluss hatte eine starke Strömung, und es war kein Durchwaten möglich. Josua hatte keine Angst. Er vertraute auf Gott und ordnete an: "Die Priester sollen die goldene Bundeslade tragen, und alle anderen folgen ihnen!" Die Bundeslade, eine Truhe, war ein ganz besonderer Gegenstand für die Israeliten. In ihr lagen die zwei Steintafeln mit den Zehn Geboten, die Mose von Gott erhalten hatte.
Sobald die Priester mit der Bundeslade in den Fluss gingen, floss das Wasser langsamer, und die Strömung hörte auf. In der Mitte des Flusses warteten die Priester, bis alle Israeliten das andere Ufer erreicht hatten. Dann gingen auch sie langsam an Land.
Das Wasser des Jordan, das sich zurückgezogen hatte, begann nun wieder zu fließen. Josua hatte zuvor von jedem der zwölf Stämme Israels einen Mann beauftragt, aus dem Flussbett einen Stein aufzuheben. Diese zwölf Steine schichtete Josua zu einem Hügel auf und sagte: "Wenn eure Kinder euch später fragen, könnt ihr ihnen erzählen, wie Gott uns sicher durch den Jordan ins Gelobte Land geführt hat."
Die Stadtmauern bebten
Josua machte in Gedanken Pläne, wie er mit den Israeliten in die Stadt Jericho gelngen konnte. Denn Jericho war die Pforte zum Gelobten Land. Da sah er einen Mann mit einem großen Schwert. Der Mann erklärte: "Ich bin ein Gesandter Gottes und werde dir nun seine Anweisungen geben."
Josua wunderte sich über die Befehle Gottes, aber er gehorchte und gab den Priestern die Anweisungen weiter: "Sieben von euch werden mit Trompeten die Spitze des Zuges bilden", sagte Josua. "Die anderen tragen die Bundeslade als Zeichen, dass Gott bei uns ist. Die Soldaten werden euch Priestern folgen – aber Waffen dürfen sie keine tragen."
Josua befahl den Männern, einmal um die Stadtmauern herumzuziehen. Die Priester sollten in ihre Trompeten blasen und die Soldaten sollten ihnen folgen. Als der König den ersten Ton der Trompeten hörte, rechnete er natürlich mit einem Angriff der Israeliten. Doch die Priester und Soldaten verhielten sich ganz ruhig. Als sie die Stadtmauern einmal umrundet hatten, zogen wie wieder in ihr Lager zurück. Auch an den folgenden fünf Tagen marschierten die Priester und Soldaten um die Stadtmauern herum, ohne dass etwas passierte.
Am siebten Tag teilte Josua den Israeliten Gottes neue Befehle mit: "Heute müsst ihr siebenmal die Stadt umrunden. Bei Beginn der siebten Runde blasen die Priester ganz stark in ihre Trompeten, und die Soldaten schreien ganz laut. Dann wird Gott uns die Stadt geben." Es geschah, wie Josua vorausgesagt hatte: In der siebten Runde, als die Trompeten der Priester und das Geschrei der Soldaten immer lauter wurden, begannen die Stadtmauern zu beben und fielen um.
(Nacherzählt aus Josua 2-6)
Kurz erklärt
Liebe Kinder,stellt euch das mal vor: Der König und seine Soldaten waren auf alles vorbereitet. Sie rechneten fest mit einem Angriff der Israeliten. Aber was machten die? Sie zogen sieben Tage lang in einer friedlichen Prozession um die Stadtmauern. Und dann fiel die Mauer um - ganz ohne Hilfe von schweren Steinschleudern und Äxten.
Gott bekommt in dieser Geschichte einen neuen Namen, nämlich: "Der die Mauern zerbricht". Im Psalm 18, Vers 30 heißt es: "...mit meinem Gott überspringe ich Mauern."
Mit Gott Mauern überspringen
Mauergeschichten wie diese gibt es auch noch in unserer Zeit. Immer dort, wo Menschen ihre Vorurteile und ihren Hass ablegen und aufeinander zugehen, überspringen sie Mauern oder reißen sie nieder. Ein schönes Beispiel dafür sind die Friedensgebete in der früheren DDR. Die fanden vor nicht allzu langer Zeit statt, in den 1980er Jahren. Deine Eltern können sich bestimmt noch daran erinnern.
Damals war Deutschland geteilt - in den Osten, die DDR (Deutsche Demokratische Republik), und den Westen, die BRD (Bundesrepublik Deutschland). Viele Menschen in der DDR waren unzufrieden, denn sie durften unter anderem nicht in die BRD reisen, obwohl viele dort Freunde und Familie hatten. Daher organisierten sie Friedensgebete. Es fing in Leipzig an, in der Nikolaikirche. Später gab es Friedensgebete in vielen anderen Kirchen.
Diese Gottesdienste fanden immer montags statt. Und im Anschluss gingen die Kirchenbesucher hinaus und demonstrierten friedlich für eine Änderung der Gesetze. Immer mehr Menschen schlossen sich an, und die Kirchen waren Montag für Montag überfüllt.
An den Protestdemonstrationen im September 1989 nehmen bereits Zehntausende von Menschen teil. Und die Befehlshaber der DDR, die sonst nicht gerade zimperlich mit Aufmüpfigen umgingen? Wahrscheinlich haben sie mit allem gerechnet - nur nicht mit Gebeten und Kerzen. Die friedlichen Demonstrationen, die in Leipzig ihren Anfang nahmen, wirkten weiter – Kerze für Kerze und Gebet für Gebet – bis schließlich am 9. November 1989 die Mauer fiel. Seit damals ist Deutschland wieder vereint.
