"Alles zur größeren Ehre Gottes"

Der Spanier Ignatius von Loyola gründete den Jesuitenorden
Kanonenkugeln haben für gewöhnlich stark zerstörende Wirkung. Sie sollen Mauern sprengen, Feinde zurückdrängen, Leben vernichten. Manchmal aber kann eine Kanonenkugel auch positiv auf ein Menschenleben wirken - wie im Fall des 30-jährigen Spaniers Ignatius von Loyola (1491-1556).Zwar wird der Ritter im Mai 1521 bei der Verteidigung der nordspanischen Stadt Pamplona gegen die Franzosen von einem Geschoss getroffen und schwer verletzt. Jedoch: Während seiner Genesung auf dem elterlichen Schloss wendet sich der eitle und ruhmsüchtige Lebemann - zunächst wohl mehr aus Langeweile - religiösen Schriften und Heiligenlegenden zu. So liest er der Überlieferung nach unter anderem die "Vita Christi" des Kartäusers Ludolf von Sachsen, die ihn tief beeindruckt.
Ignatius, der sich bis dahin vor allem weltlichen Genüssen hingegeben hat, ist von der Lektüre der Texte so fasziniert, dass er beginnt, seine Lebensweise zu überdenken. Dabei erkennt er, dass sein bisheriges Leben hohl und nichts sagend gewesen ist und dringend einer Korrektur bedarf. Der Lebemann wird bekehrt.
Jesuiten
Die Jesuiten sind mit rund 19.000 Mitgliedern die größte Ordensgemeinschaft der katholischen Kirche. Die Mitglieder der "Gesellschaft Jesu", so die offizielle Bezeichnung in Anlehnung an den lateinischen Namen "Societas Jesu" (SJ), sind keine Mönche. Neben Armut und Ehelosigkeit verpflichten sie sich zu besonderem Gehorsam gegenüber dem Papst. Ihre Aufgabenfelder sind Schulen, Universitäten, Priesterausbildung und die kirchliche Medienarbeit.
Vom Frauenheld zum Einsiedler
Nach seiner Genesung zieht sich Ignatius deshalb in das Kloster Montserrat unweit von Barcelona zurück, wo er eine - angeblich drei Tage andauernde - Lebensbeichte ablegt. Anschließend begibt sich der geläuterte Frauenheld, Glücksspieler und Waffennarr als Büßer in die Einsamkeit der nahe gelegenen Stadt Manresa. Dort setzt er sich über mehrere Monate hinweg äußerster Armut aus, verharrt im ständigen Gebet und kasteit sich in beinahe selbstmörderischer Askese.
Frucht dieses beeindruckenden Entwicklungsprozesses sind nicht nur seine "Geistlichen Übungen" - ein heute weltbekanntes Exerzitienbüchlein -, sondern auch zahlreiche Visionen und Gnadenbeweise Gottes, die ihn fortan sein gesamtes weiteres Leben prägen werden: "Omnia ad majorem Dei Gloriam" ("Alles zur größeren Ehre Gottes") - dieser Leitsatz wird bestimmend für sein Wirken in den kommenden Jahrzehnten.
Im Anschluss an eine Pilgerfahrt nach Jerusalem (1523/1524) beginnt Ignatius an der Universität von Alcala de Henares ein Studium der Philosophie und Theologie. Wegen Auseinandersetzungen mit der Inquisition muss er in den folgenden Jahren zweimal die Hochschule wechseln – zunächst nach Salamanca, 1528 nach Paris.
In der französischen Hauptstadt legt Ignatius den Grundstein für den Jesuitenorden. Hier schließt er sich mit sechs Kommilitonen zu jener Gemeinschaft zusammen, die am 15. August 1534 auf dem Montmartre das Gelübde der lebenslangen Armut und Keuschheit ablegt – dieses Ereignis gilt heute als Gründungsdatum des Ordens.
Eigentlich wollen die Gleichgesinnten bald darauf als Missionare ins Heilige Land aufbrechen. Nachdem sich die Reise wegen permanenter Kriegsgefahr nicht realisieren lässt, begeben sich Ignatius und seine Gefährten stattdessen nach Rom. Hier bestätigt Papst Paul III. am 27. September 1540 die neue Gemeinschaft, die sich nun "Societas Jesu" ("Gesellschaft Jesu") nennt und sich neben Armut und Keuschheit zu radikalem Gehorsam gegenüber dem Kirchenoberhaupt verpflichtet.
Der neue Orden sorgt schnell für Aufsehen: Statt ein zurückgezogenes Leben hinter Klostermauern zu führen, wenden sich die Jesuiten der Welt zu. Wichtigste Betätigungsfelder werden die Bereiche Mission, Bildung sowie der apostolische Dienst. Während der Gegenreformation wird die Gemeinschaft mit ihren ambitionierten Missionszielen zu einer der schärfsten Waffen der schwer angeschlagenen katholischen Kirche.
Ignatius steht bis zu seinem Tod an der Spitze der von ihm gegründeten Gemeinschaft und führt sie dank seines Organisationstalents zu rascher Blüte. Als er am 31. Juli 1556 stirbt, zählt der Orden bereits mehr als 1.000 Mitglieder und über 100 Niederlassungen. Obwohl die "Societas Jesu" in den folgenden Jahrhunderten immer wieder auf Anfeindungen stößt - und zwischen 1773 und 1814 vorübergehend sogar aufgelöst wird -, entwickelt sie sich dennoch zur Erfolgsgeschichte. Heute ist sie mit weltweit rund 19.000 Mitgliedern die größte Ordensgemeinschaft in der katholischen Kirche.
Bereits 1622 wird Ignatius, der vormalige spanische Lebemann, von Papst Gregor XV. heilig gesprochen. Zu diesem Anlass wurde in Rom die Kirche Sant'Ignazio di Loyola errichtet, die noch heute eines der sehenswertesten Gotteshäuser der Ewigen Stadt ist. In der Kirche Il Gesu, der Mutterkirche des Jesuitenordens, fand der Ordensgründer seine letzte Ruhestätte. Das Grab mit den Gebeinen befindet sich unter einem Prunkaltar des Künstlers Andrea del Pozzo.
Im Brauchtum spielt bis heute das "Ignatius-Wasser" eine wichtige Rolle. Das Wasser, dem heilende Kraft nachgesagt wird, wird gesegnet, indem ein Gebet zu Ignatius gesprochen wird und eine Reliquie oder eine Medaille des Heiligen eingetaucht wird. Früher wurde das "Ignatius-Wasser" bei Krankheiten eingesetzt. Darüber hinaus gilt Ignatius als Patron der Kinder, Schwangeren und Soldaten sowie als Schutzherr gegen Fieber, Skrupel, Viehkrankheiten, Pest und Cholera.
