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Benedikt von Nursia  Seite drucken

Vater vieler Völker

Benedikt von Nursia
© gemeinfrei
Benedikt von Nursia gilt als Begründer des abendländischen Mönchtums.

Benedikt von Nursia gilt als Begründer des abendländischen Mönchtums

Nur ein paar dürftige Mauerreste erinnern noch an das Prachtschloss, das sich der römische Kaiser Nero im ersten Jahrhundert christlicher Zeitrechnung in Subiaco im Tal des italienischen Anio-Flusses erbauen ließ. Doch nicht der römische Kaiser mit seinen Marmorbauten hat den Ruhm dieser Gegend begründet, sondern ein Mann, der hier mehr als 400 Jahre nach Nero in Armut und Einsamkeit nur für Gott leben wollte - und dennoch wie wenige andere den Geist Europas mitprägte: Benedikt von Nursia.

Die Nachrichten, die wir über das Leben - namentlich die Jugend Benedikts - besitzen, sind spärlich. Im Alter von 17 Jahren zog es den Bürgersohn aus seinem Geburtsort Nursia - dem heutigen Norcia - in die Einsamkeit. Bei Subiaco fand er mit Hilfe eines Eremiten eine Höhle, in der er fastete und betete. Das Einsiedlerleben galt damals als die höchste Stufe des christlichen Lebens. Doch Benedikt selbst sah diese Zeit später kritisch. Sie riss ihn völlig aus dem Leben der kirchlichen Gemeinschaft heraus. Es zog ihn dorthin wieder zurück. Als eines Tages Mönche eines nahen Klosters in die Einsiedelei kamen und Benedikt baten, ihr Abt zu werden, sagte er zu.

Eine feste Verfassung und eine verpflichtende Regel hatten solche Gemeinschaften sehr selten. Auch die Mönche, die Benedikt zu ihrem Vorsteher gewählt hatten, schienen weniger hohen Idealen als eigenen Launen gefolgt zu sein. Der erste Versuch Benedikts, eine gotterfüllte Gemeinschaft zu bilden, scheiterte.

Benediktiner

Die Benediktiner (lateinisch "Ordo Sancti Benedicti", OSB) wurden im 6. Jahrhundert gegründet und sind damit der älteste Mönchsorden des Abendlandes. Die Mitglieder leben nach den von Benedikt von Nursia verfassten Regeln, die unter anderem  die ständige Anwesenheit im Kloster und regelmäßige Arbeit (nach dem Grundsatz "ora et labora", "bete und arbeite") verlangen.
Neue Heimat auf dem Monte Cassino

Benedikt zog nach dieser Enttäuschung zurück nach Subiaco und gründete hier mehrere neue Niederlassungen; Klöster für je zwölf Mönche - einfache Leute, aber auch Gebildete, Römer und Goten. In seiner Gemeinschaft waren sie alle gleich. Doch auch hier gefährdete menschliche Bosheit das Experiment. Benedikt, gegen den sich die Intrigen richteten, wollte das Werk durch seine Anwesenheit nicht gefährden und zog erneut fort.

Auf halbem Weg zwischen Rom und Neapel hebt sich der steile Bergkegel des Monte Cassino aus der Ebene. Dort oben hatten Jahrhunderte zuvor die Römer einen Jupitertempel errichtet. In dessen Ruinen zog Benedikt mit einer kleinen Schar von Mönchen aus Subiaco ein und begann im dritten Anlauf eine neue Gründung. Für die Dorfbewohner um den Monte Cassino muss es ein ungewohnter Anblick gewesen sein: Männer, die ihnen an Wissen und Bildung weit überlegen waren, rodeten Ödland und bauten im Schweiße ihres Angesichts ihr Kloster.

Gleichzeitig mit dem Bau des Klosters schuf Benedikt auch seine Regel, ein unvergängliches Dokument der Einsicht in menschliches Zusammenleben und seine Ordnung. An der Spitze der Gemeinschaft steht der Abt. Die Mönche müssen ihm unbedingt gehorchen. Dieser Gehorsam soll dabei kein Selbstzweck sein, vielmehr Einübung in den vollkommenen Gehorsam gegenüber Christus. Zweites Grundprinzip ist die persönliche Armut der Mönche. Ihr einziges Besitztum ist die Kutte aus einfachem, schwarzen Tuch mit Kapuze und einem ledernen Gürtel. Neben Gehorsam und Armut forderte Benedikt von seinen Mönchen das Versprechen der Beständigkeit des Klosterlebens an einem Ort und diese "stabilitas loci" schließlich wurde zur Voraussetzung der großen Kulturleistungen des Benediktinerordens.

Das Kloster Montecassino.
© Fotograv A. Gravante/Fotolia.com
Benedikt gründete das bekannte Kloster Monte Cassino.

Klar geregelter Tagesablauf

Im 48. Kapitel seiner Regel ordnet Benedikt den Tagesablauf der Mönche. Von der Morgenfrühe bis zur Nacht lösen einander gemeinschaftliches Gebet, Handarbeit und Studium ab. Diejenigen sind für Benedikt wahre Mönche, die von der Arbeit ihrer Hände leben. Büchern brachte Benedikt hohe Wertschätzung entgegen. Fast alle Mönche lernten die Kunst des Lesens, die auch wissenschaftliche Werke und weltliche Dichtung einschloss. Das Studium setzte aber Bibliotheken voraus. Also begannen die Mönche Folianten abzuschreiben. Das Studium antiker Werke - etwa über den Obstbau - förderte auch die praktische Tätigkeit und machte zugleich die Mönche zu Experten auf den verschiedensten Wissensgebieten. Es regte auch zu eigenen Forschungen an, deren Ergebnisse wiederum niedergeschrieben wurden. So entwickelten sich die Klöster immer mehr zu Stätten der Wissenschaft und der Kultur. Die Mönche gaben ihr Wissen nicht nur in Büchern weiter, sondern auch in den Klosterschulen, die bald hochberühmt wurden.

Doch nicht nur Kultur und Wissenschaft verdanken dem Benediktinerorden unsagbar viel; Benediktiner waren es auch, die wesentlichen Anteil an der Missionierung Europas hatten. Von England aus christianisierten Benediktinermönche im achten Jahrhundert Deutschland. Die Heiligen Willibrord, Suitbert, Ansgar oder Bonifatius brachten den damaligen Stämmen der Franken und Sachsen die Botschaft Christi.

Benedikt selbst hat das Aufblühen seiner Gründungen noch erleben dürfen. Die Tradition gibt den 21. März 547 als seinen Todestag an, nach neueren Forschungen geht man allerdings vom Jahr 560 aus. Seine Gemeinschaft und seine Regel wurden zum Vorbild für alle Klöster der Kirche. Dieser Heilige aus Europas unruhigen Anfängen hat die geistige Entwicklung Europas für Jahrhunderte geprägt. Seine Leitlinien waren: der Wert des einzelnen Menschen als Person, die Würde der Arbeit als Dienst an Gott und den Menschen und die Notwendigkeit des betrachtenden Gebets. Benedikt selbst hat dies auf die Kurzformel gebracht: "Ora et labora - bete und arbeite." Dieses Miteinander hat Europa geprägt und Ausstrahlungskraft in alle Welt gehabt. Benedikt wurde zum "Vater vieler Völker".

Von Helmut S. Ruppert (KNA)
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