Edelfrau und Ordensgründerin

Am 23. Juli ist der Gedenktag der heiligen Birgitta von Schweden
Birgitta von Schweden, die als Stifterin des Birgitten- oder Erlöserordens in die Geschichte einging, kam um das Jahr 1303 in der Nähe der südschwedischen Stadt Uppsala zur Welt. Schon früh war klar, dass Birgitta nicht so war wie andere Kinder. Mit sieben Jahren erschien ihr die Jungfrau Maria und krönte sie mit einer goldenen Krone. Dieser ersten Vision folgte ein Jahr später eine zweite: Ihr erschien der gekreuzigte Jesus.Schon in jungen Jahren hatte Birgitta den Wunsch, ins Kloster einzutreten. Doch ihre Eltern, die zu den reichsten Bürgern Schwedens gehörten, hatten andere Pläne: Mit 13 Jahren wurde Birgitta mit Ulf Gudmarsson verheiratet, ebenfalls Spross einer angesehenen Familie. Das junge Paar wurde weithin hochgeachtet, nicht zuletzt wegen ihrer Wohltätigkeit. Neben ihrer Rolle als Mutter von acht Kindern kümmerte sich Birgitta um Frauen, die aus der Gesellschaft ausgeschlossen waren. Bereits hier tat sie sich als Kämpferin für Tugendhaftigkeit hervor.
Der Erlöserorden
Dem Erlöser- oder Birgittenorden gehören heute weltweit 570 Schwestern an. Vom alten Zweig, der seit dem Mittelalter besteht, gibt es nur noch fünf unabhängige Klöster (darunter das Kloster Altomünster bei Augsburg). 1911 wurde der fast vergessene Orden von der schwedischen Konvertitin Elisabeth Hasselblad wieder belebt.
Trotz der arrangierten Ehe hatte das Paar gemeinsame Interessen: Auch Ulf, der später Reichsrat am königlichen Hof in Schweden wurde, war ein frommer Mann. Mit ihm unternahm Birgitta 1339 eine Pilgerreise nach Nidaros, dem heutigen Trondheim in Norwegen. Zwei Jahre später folgte die Wallfahrt zum Grab des Heiligen Jakobus nach Santiago de Compostela. Die Pilgerfahrten dienten nicht nur der seelischen Erbauung. Das Paar erhielt auf ihren Reisen quer durch Europa auch Einblicke in die politischen und kirchlichen Gegebenheiten. Und sie sahen die Leiden der Bevölkerung: Der Hundertjährige Krieg zwischen England und Frankreich hatte verheerende Auswirkungen auf die einfachen Menschen. Das bestärkte Birgitta in ihrem großen Engagement für die Armen.
Ihre Wohltätigkeit brachte ihr viel Hochachtung ein - auch die des Königs Magnus Eriksson. Im Alter von 32 Jahren, noch vor den Pilgerreisen, kam sie als Hofmeisterin an den königlichen Hof, wo sie ihren großen Einfluss ausbaute. Ulfs Tod kurz nach der gemeinsamen Pilgerreise nach Spanien veränderte Birgittas Leben: Ihre Visionen, die sie aufschreiben ließ und die später ins Lateinische übersetzt wurden, häuften sich. In diesen Erscheinungen nannte Jesus sie "meine Braut" und forderte sie auf, zwischen ihm und der Welt zu vermitteln. Sie erhielt den Auftrag, einen Orden zu gründen, der zur Reform des Mönchswesens beitragen und den kirchlichen Verfall jener Zeit stoppen sollte. In einer Vision wurden ihr die Klosterregeln offenbart, die auf den Augustinerregeln fußten.
Auf einem Gut im südschwedischen Wadstena, das ihr König Magnus zur Verfügung gestellt hatte, gründete sie die erste Niederlassung des Klosters. In dieser Keimzelle des späteren Birgittenordens lebten sowohl Schwestern als auch Priester – ein Symbol für die christliche Urgemeinde. Auch Birgittas Tochter Katharina lebte auf dem Ordensgut. Sie begleitete ihre Mutter, als diese sich 1349 nach Rom aufmachte, um die Anerkennung des Birgittenordens zu erwirken.
In den folgenden Jahren bemühte Birgitta sich einerseits um die Verbreitung ihrer Ordensregeln, andererseits wollte sie zwischen den Kriegsparteien Frankreich und England vermitteln. Sie drängte den Papst - zwischenzeitlich sogar erfolgreich - sein Exil im französischen Avignon zu verlassen und nach Rom zurückzukehren, um den Verfall des Heiligen Stuhls zu verhindern. Von Rom aus kritisierte sie auch ihren einstigen Förderer, König Magnus, wegen dessen lasterhafter Lebensweise. In Birgittas Haus an der Piazza Farnese waren Pilger ebenso willkommen wie Obdachlose und Arme. Auch hier, im Herzen von Rom, entstand eine klösterliche Lebensgemeinschaft nach Birgittas Regeln.
Im Jahr 1370 schließlich approbierte Papst Urban V. die Ordensregeln der Birgitten, allerdings in einer stark verkürzten Form. Erst 1378 wurde der Orden dank Katharinas Einsatz offiziell vom Heiligen Stuhl anerkannt. Die Erfüllung ihrer Lebensaufgabe erlebte Birgitta nicht mehr: Sie starb 1373, kurz nachdem sie von einer zweijährigen Wallfahrt ins Heilige Land zurückgekehrt war. Zunächst in Rom beigesetzt, ließ Katharina Birgittas sterbliche Überreste nach Wadstena überführen, wo sie ihre letzte Ruhestätte fand. Katharina war es auch, die dafür sorgte, dass ihre Mutter bereits 1391 durch Papst Bonifaz IX. heiliggesprochen wurde.
