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Die Geschichte von Rut

alte und junge Hand
© Conny Hagen/Fotolia.com
Ich verlasse dich nicht: Rut geht mir ihrer Schwiegermutter nach Israel.

Sie wollte ihre Schwiegermutter nicht alleine lassen und ging mit ihr zurück nach Israel

In Betlehem im Land Israel lebte einmal eine Frau. Sie hieß Noomi, war verheiratet und hatte zwei Söhne. Doch es zog eine Hungersnot übers Land. Die Familie verließ ihre Heimat und machte sich auf den Weg ins benachbarte Land Moab. Dort gab es genug zu essen für alle. Noomis Söhne wuchsen heran und heirateten zwei Moabiterinnen: Orpa und Rut.

Zurück nach Betlehem

Die Jahre vergingen, und Noomi traf ein schweres Schicksal. Denn nicht nur ihr Mann, sondern auch ihre beiden Söhne starben. Nun war sie ganz allein mit ihren Schwiegertöchtern Orpa und Rut. Eines Tages kamen Wanderer des Weges und erzählten, die Hungersnot in Israel sei vorbei, und es gäbe reichlich zu essen für alle. Da beschloss Noomi, wieder in ihre Heimat zurückzukehren, und sagte zu ihren Schwiegertöchtern: "Die Zeit des Abschieds ist gekommen. Geht zu euren Familien, denn in Israel seid ihr Fremde und fühlt euch bestimmt nicht wohl."

Orpa und Rut weinten, denn sie hatten ihre Schwiegermutter sehr lieb. Doch so schwer es Noomi auch fiel, sich von den beiden zu trennen – sie versuchte noch einmal, sie zum Bleiben zu bewegen: "In Moab werdet ihr bestimmt wieder einen Mann finden. Bleibt also, es ist besser für euch!" Orpa und Rut wollten sich gar nicht mehr beruhigen.

Doch nach einiger Zeit hatte Orpa sich überzeugen lassen. Traurig nahm sie Abschied und machte sich auf den Weg zu ihrer Familie. Rut aber blieb bei Noomi stehen und sagte: "Ich verlasse dich nicht! Wo du hingehst, dort gehe ich auch hin. Und wo du bleibst, dort bleibe ich auch. Wo dein Gott ist, da ist auch mein Gott."

So zogen Noomi und Rut nach Betlehem ins Land Israel. Dort war Erntezeit, und Rut sagte: "Ich will Ähren für uns sammeln, damit wir zu essen haben." Sie ging zu den Feldern und kroch hinter den Arbeitern her, die das Getreide schnitten und es bündelten. Rut hob auf, was liegen blieb, und brachte es am Abend nach Hause.

Noomi und Rut finden ein neues Glück

Eines Tages kam Boas, der Besitzer der Felder, zu seinen Arbeitern. Er fragte sie, wer die fremde junge Frau sei. Die Arbeiter antworteten: "Sie ist eine Moabiterin, die Schwiegertochter von Noomi, die aus Betlehem stammt und lange Jahre mit ihrer Familie in Moab gelebt hat. Nur Rut ist ihr geblieben. Niemand sorgt für die beiden. Deshalb haben wir der jungen Frau erlaubt, die liegen gebliebenen Ähren einzusammeln. Sie ist sehr fleißig und arbeitet von früh morgens bis zum Abend."

Da sagte Boas zu Rut: "Du darfst getrost weiter auf meinen Feldern sammeln." Rut bedankte sich bei Boas: "Du bist so gut, obwohl ich fremd in deinem Land bin." Boas antwortete: "Meine Arbeiter haben mir erzählt, wie gut du für deine Schwiegermutter Noomi sorgst. Gott wird dich dafür belohnen." Als es Mittag wurde, lud Boas Rut zum Essen ein.

Und zu seinen Arbeitern sagte er: "Lasst absichtlich aus euren Bündeln Ähren fallen, damit Rut genug zum Sammeln findet." Am Abend brachte sie einen ganzen Sack Körner nach Hause. Noomi wunderte sich: "Bei wem hast du gearbeitet? Woher hast du die vielen Körner?" Als Noomi hörte, dass Rut bei Boas gearbeitet hatte, sagte sie: "Ich kenne ihn. Er ist ein guter Mensch. Gott segne ihn!"

Als die Erntezeit vorüber war, nahm Boas Rut zur Frau. Und bald kam ihr erstes Kind zur Welt. Alle Nachbarn und Verwandte freuten sich mit Boas, Rut und Noomi. Noomi aber war überglücklich. Denn sie liebte ihre Schwiegertochter Rut von ganzem Herzen.

(Nacherzählt aus dem Buch Rut im Alten Testament)

Junge denkt nach
© Claudia Paulussen/Fotolia.com
Denk' mal drüber nach!

Kurz erklärt

Liebe Kinder,

Rut sagt zu Noomi: "Wo du hingehst, da will ich auch hingehen." Auch eure Mama und euer Papa haben bei ihrer Hochzeit versprochen, für immer zusammen zu bleiben. Doch leider kommt es immer wieder einmal dazu, dass Eltern sich trennen, weil sie sich nicht mehr verstehen. Bestimmt kennt ihr Kinder, bei deren Eltern das passiert ist. Vielleicht seid ihr ja auch selbst betroffen...

Wenn Eltern ständig streiten...

Oft nehmen Mütter und Väter sich vor, es noch einmal miteinander zu versuchen. Vielleicht suchen sie dann auch Hilfe bei einer Beratungsstelle. Dort lernen sie, die guten Seiten des anderen wieder zu erkennen und mehr Verständnis füreinander zu haben. Mit der Zeit kann die Beratung dazu führen, dass die beiden wieder zusammen leben möchten.

Manchmal sind Mutter und Vater aber so zerstritten, dass eine Trennung besser ist. Denn unter ständigem Streit leiden vor allem die Kinder. Auch die Eltern von Paul, einem Freund von Lukas, zanken sich oft. Abends, wenn er im Bett lag, hörte er sie schimpfen. Dann wünschte er sich, dass sie einfach wieder normal miteinander reden können. Irgendwann, als Paul das ständige Streiten fast nicht mehr ausgehalten hat, haben seine Mama und sein Papa sich getrennt.

"Wir sind immer für dich da!"

Paul war zwar ziemlich traurig, dass es jetzt nicht mehr mit Mama und Papa zusammen leben kann. Aber trotzdem geht es ihm jetzt viel besser als vorher. Seine Eltern streiten nicht mehr. Sie reden ganz vernünftig miteinander, wenn sie sich bei Familienfeiern treffen oder wenn einer von ihnen Paul beim anderen abgibt. Paul lebt nämlich bei seiner Mama, und die bringt ihn jedes zweite Wochenende zum Papa. Beide Eltern haben versprochen: "Paul, du bist unser ein und alles. Wir lassen dich nicht im Stich und bleiben immer deine Eltern, die dich lieb haben."

Ihr seht: Auch wenn ein Familienangehöriger stirbt – wie bei Noomi – oder wenn Mama und Papa nicht mehr zusammen bleiben möchten, seid ihr nicht allein. Denn nicht nur eure Eltern halten fest zu euch und haben euch lieb, sondern auch eure Freundinnen und Freunde, die Großeltern und andere Verwandte.

Von Margret Nußbaum
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