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Katholischer Medienpreis 2004

Der Katholische Medienpreis 2004
© Deutsche Bischofskonferenz

Von "Schattenmenschen" und Schicksalsschlägen

Der von der der Deutschen Bischofskonferenz ausgeschriebene Katholische Medienpreis geht in diesem Jahr in der Kategorie Print an Ariel Hauptmeier für seinen Beitrag „Wir müssen draußen bleiben“. Die Reportage erschien im SZ-Magazin am 29. April 2004. Gewinner in der Kategorie Elektronik sind die Autorin Tina Soliman und der Kameramann Torsten Lapp.

Preis für Arbeiten, die soziale Verantwortung stärken

Sie erhalten die Auszeichnung für ihre Dokumentation „Grausames Glück – Wenn Geburt und Tod aufeinander treffen“. Der Film wurde am 18. November 2003 in der ZDF-Sendereihe „37°“ ausgestrahlt. Beide Beiträge setzten sich in ihren Kategorien deutlich ab. Für die Kategorie Print wurden 54 Artikel eingereicht, für die Kategorie Elektronik 61 Arbeiten vorgeschlagen.

Der mit insgesamt 10.000 Euro dotierte Katholische Medienpreis will qualitäts- und werteorientierten Journalismus fördern. Es werden Arbeiten gewürdigt, die die Orientierung an christlichen Werten und das soziale Verantwortungsbewusstsein stärken.

Die eingereichten Beiträge wurden von einer sechsköpfigen Jury unter Leitung des Vorsitzenden der Publizistischen Kommission, Weihbischof Friedrich Ostermann (Münster), geprüft. Mitglieder der Jury waren zudem für die Deutsche Bischofskonferenz Claudia Nothelle (ARD-Hauptstadtstudio Berlin), für den Katholischen Medienverband Ulrich Engelberg (Ruhrwort, Essen) und Bernhard Remmers (Zentralredaktion der nordostdeutschen Kirchenzeitungen) sowie für die Gesellschaft Katholischer Publizisten Gisela Steinhauer (WDR, Köln) und Gernot Facius (Die Welt, Bonn).

Preisträger und Beitrag der Kategorie Print

Zeitungsstapel
Ariel Hauptmeier (Jg. 1969, Mitinhaber des Textbüros „Schön & Gut“ in Berlin, Dozent für das Schreiben von Reportagen an der Humboldt-Universität in Berlin, freier Autor für Geo, Merian, Die Zeit und das Magazin der Süddeutschen Zeitung) berichtet von drei jungen Nigerianern, die versuchen, über den Grenzzaun von Melilla, einer spanischen Exklave in Marokko, zu klettern, um in Europa ihr Glück zu finden.

Die Europäische Union ist ihre große Hoffnung. Schon die Ankunft in Europa würde sie zu Hause zu angesehenen Männern machen. Dafür nehmen sie die Strapazen langer Fußmärsche, Hunger und Kälte, das Leben in schäbigen Plastikunterkünften und das Risiko, abgewiesen oder gar ums Leben zu kommen, auf sich.

Der Autor beschreibt das nicht immer konfliktfreie Zusammenleben von Afrikanern unterschiedlicher Herkunft in einem Camp auf einem Hügel vor Melilla, von "ganz normalen Leuten", wie es im Text heißt, die monate- oder jahrelang darauf warten, das Ziel ihrer Sehnsucht zu erreichen. Ein Report über "Schattenmenschen", die nach Europa wollen, aber nicht nach Europa sollen. Immer wieder müssen sie vor den spanischen Grenzstreifen den Rückzug antreten, aber sie ringen ihre Enttäuschung nieder: "Alles liegt in Gottes Hand."

Nach einstimmiger Auffassung der Jury liefert Ariel Hauptmeier eine journalistisch dichte Reportage zu dem aktuellen Thema illegaler Einwanderung. Der Text besticht durch seinen ruhigen, auf zugespitzte emotionale Elemente verzichtenden Erzählton. Es wird nicht angeklagt, es wird nicht einseitig und plakativ für die Migranten Partei ergriffen.

Der Verfasser zeigt auch Beispiele humanitären Verhaltens auf Seiten der Polizisten. Unaufgeregt wird beschrieben, was in den Menschen vorgeht, die von Europa träumen. Und dennoch ist der Beitrag ein Dokument der Empathie, des Mitfühlens mit Personen, die das Äußerste wagen, um in eine bessere Zukunft zu gehen. Darüber hinaus ist die Reportage von Ariel Hauptmeier ein Beitrag zur Versachlichung der politischen Diskussion über Migration, vor allem aber ein beeindruckendes Zeugnis für die Kraft, die in der christlichen Hoffnung liegt und über Furcht und Resignation triumphiert.

Preisträger und Beitrag der Kategorie Elektronische Medien

Mikrofon
Tina Soliman (Jg. 1966, Mitinhaberin der Produktionsfirma „soliman lapp dokumentation“ in Frankfurt a. M., freie Autorin zahlreicher Dokumentationen und Features) und Torsten Lapp (Jg. 1966, freier Kameramann für öffentlich-rechtliche und private Rundfunkanstalten) erzählen von drei Schicksaalsschlägen.

Zwei hochschwangere Frauen verlieren kurz vor dem Geburtstermin ihre Lebenspartner. Im dritten Fall ist es die Mutter des kleinen Hendrik, die drei Wochen nach seiner Geburt plötzlich zusammenbricht. Wenige Stunden später ist sie tot. Sie hinterlässt Mann und vier Kinder. Die Hinterbliebenen verbindet Verzweiflung, Trauer und Entsetzen über den nicht vorhersehbaren Verlust des geliebten Menschen.

Der Film zeigt die Fassungslosigkeit der Betroffenen. Er konfrontiert den Zuschauer mit ihrer (scheinbar) unerträglichen Lebenssituation. Doch nicht die Trauer und der Tod überwiegen. Der Film zeigt auch, wie die Hinterbliebenen langsam wieder ins Leben zurückfinden. Der Beitrag demonstriert eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema Leben und Tod, die nicht an der Oberfläche verhaart.

Die Jury würdigt die Dokumentation als eine besondere publizistische Leistung. Soliman/Lapp gelingt ein ausgezeichneter Beitrag, der den dramatischen Spagat zwischen Leben und Tod, Freude, Optimismus, aber auch Verzweiflung und Entsetzen widerspiegelt. In der Urteilsbegründung heißt es: „Der Film ist sehr nah an den Menschen, ohne dabei voyeuristisch zu sein. Das ist das Verdienst von Soliman/Lapp.

Die Dokumentation ist eindringlich, ohne aufdringlich zu sein.“ Behutsam nähert sich der Film den Handlungsträgern. Die Grenze zwischen Persönlichem und Privat-Intimen bleibt immer gewahrt. Der Beitrag lebt vor allem von der zurückhaltenden Kameraführung und den Aussagen der Witwen und des Witwers. Ihre Aussagen sind bewegend, zuweilen bestürzend. Fürsorge und Verantwortungsbewusstsein sind der Motor für das Weitermachen in der ersten Zeit nach dem Tod des Partners.

Es ist wohl mehr ein Funktionieren, ein Bewältigen des Alltags. Schließlich ist da auch die Trauer, dass die Freude über die Geburt des Kindes nicht geteilt werden kann. „Es gibt kein Recht auf Glück“, sagt einer der Hinterbliebenen. Was aber ist Glück? Der Film, so hebt die Jury hervor, regt zum Nachdenken über Grundwerte von Partnerschaft und Kinder an. Die Jury verweist auch darauf, dass der Beitrag Mut macht: Denn er zeigt, dass auch ein Leben nach einer existenziellen Grenzerfahrung wie dem Tod des geliebten Partners möglich ist.

Nach einstimmiger Auffassung der Jury vermittelt die Dokumentation die Orientierung an grundlegenden christlichen Werten. Trotz Trauer und Verzweiflung – die Auseinandersetzung mit dem Leben überwiegt. Nicht der Tod behält die Oberhand, sondern das reflektierte Bekenntnis zum Leben.

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