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Katholischer Medienpreis 2007  Seite drucken

Für und über Menschen schreiben

Medienpreis 2007 Preisträger Obermayer
© katholisch.de
Preisträger Bastian Obermayer sandte eine Videobotschaft.

Obermayers Texte handeln von Menschen am Rande

Der Münchener Journalist Bastian Obermayer wird in diesem Jahr mit dem Katholischen Medienpreis geehrt. In seinem Artikel „Spiel mir das Lied vom Tod“ (Süddeutsche Zeitung Magazin) geht es um die Abtreibung behinderter Kinder. Obermayer lässt betroffene Frauen erzählen. Er zeigt medizinische Entwicklungen und die gesellschaftliche Tendenz, behindertes Leben gar nicht mehr entstehen zu lassen.

Beim Magazin der Süddeutschen ist Obermayer ein Mann für tiefgründige Themen. „Menschen interessieren mich am meisten“, sagt der 29-Jährige, der seit 2006 dort arbeitet. Der junge Redakteur gibt ganz bewusst jenen eine Stimme, die sonst selten zu Wort kommen. Er rückt Männer und Frauen in den Mittelpunkt seiner Artikel, die sonst eher am Rande der Gesellschaft leben.

Zum Nachdenken anregen

Die Texte handeln mal von Homosexuellen, mal von vereinsamten alten Menschen. Für eine Recherche besucht Obermayer zusammen mit einem Kollegen sogar die Wohnung einer verstorbenen Frau und rekonstruiert ihr Leben anhand dessen, was sie dort hinterlassen hat. „Wir haben tatsächlich ihren Sohn gefunden, der als verschollen galt“, erzählt er und kann es im Nachhinein selbst kaum glauben. Die Freiheit ist es, die ihn an seinem Beruf fasziniert und es ihm ermöglicht, tief in die unterschiedlichsten Themen einzutauchen.

Mit seinem Artikel „Spiel mir das Lied vom Tod“, will Obermayer vor allem zum Nachdenken anregen. „Wir sind bereit, Behinderte in den Alltag zu integrieren, aber wehe, wir erwischen sie vor der Geburt“, sagt er drastisch. Häufig reagierten Menschen mit den Worten ‚so etwas lässt sich doch heute verhindern’, auf den Anblick eines schwerbehinderten Kindes. „Das ist eine Haltung, die relativ weit in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen ist“, meint der Journalist besorgt.

Noch nie habe ihn eine Recherche emotional so mitgenommen, sagt Obermayer. Dennoch habe er versucht, den Artikel so neutral wie möglich zu halten. Als der Redakteur erfährt, dass er gerade für dieses Thema den Katholischen Medienpreis bekommen soll, verunsichert ihn das zunächst. „Mein erster Gedanke war, dass ich den Text vielleicht doch nicht so ausgewogen geschrieben habe, weil die Kirche ja eine ganz klare Meinung zu Abtreibung hat“, erinnert er sich.

Den Leser wirklich berühren

Aber die Bedenken verfliegen schnell: „Der Katholische Medienpreis wird ja für verantwortungsbewussten Journalismus vergeben, selbst wenn dabei auch Ansichten vertreten werden, die vielleicht nicht denen der Kirche entsprechen.” Der Journalist freut sich über den Preis, weil die Jury nicht nur den Schreibstil bewertet, sondern auch Gehalt und Aufarbeitung eines Artikels.

Und genau darum geht es dem Münchner bei der Themenwahl. „Manche Kollegen rufen mir schon auf dem Flur zu, ich solle doch mal was Fröhliches schreiben“, erzählt er schmunzelnd. Und natürlich hat Obermayer auch den ein oder anderen leichten Artikel im Repertoire, schreibt etwa über Arbeitsbedingungen bei Euro-Disney und kann sich genauso gut ein Interview mit Loriot vorstellen. „Das macht mich aber nicht so zufrieden, denn ich möchte die Leser schon wirklich berühren“, betont er.

Ein Interesse für soziale Probleme entwickelt Obermayer bereits während seines Zivildienstes in Rosenheim. Dort arbeitet er 13 Monate für den Verein Nachbarschaftshilfe. Er gewinnt Einblicke in die Welt von Alkoholikern und erlebt schockiert, dass Menschen in Altenheimen wie Kleinkinder behandelt werden. Auf Tuchfühlung mit diesen Menschen zu sein, beeindruckt den Abiturienten sehr. Zugleich nehmen ihn seine Erfahrungen ziemlich mit. „Mir war schnell klar, dass ich auf Dauer keine wirkliche Sozialarbeit machen könnte, weil ich alle Probleme mit nach Hause nehmen würde.“

Profifußballer und Schriftsteller

Einen Dienst an Menschen tut er deshalb auf andere Weise – indem er über ihre Probleme schreibt. „Die Leute können sich etwas von der Seele reden und fühlen sich verstanden“, hofft der Redakteur. Zugleich könne er dazu beitragen, dass sich Menschen, die die Artikel lesen und vielleicht ähnliche Schwierigkeiten haben, nicht mehr so alleine fühlen. Als schreibender Sozialarbeiter sieht sich Obermayer jedoch nicht: „Richtige Lebenshilfe kann ich nicht leisten, und ich habe wahnsinnigen Respekt vor den Menschen, die das tun“, betont er.

Für und über Menschen schreiben will der Medienpreisträger auch in den nächsten Jahren. Am liebsten weiterhin beim Magazin der Süddeutschen in München. Am Rande der Alpen fühlt er sich zu Hause. Hier lebt er mit seiner Freundin, einer Journalistin, und hier tobt er sich beim Fußball aus - auf dem Platz und ab und an  als Fan im Stadion bei einem Spiel von 1860 München.

 „Schon seit ich sechs war wollte ich immer Profifußballer oder Schriftsteller werden und jetzt bin ich eine Mischung aus beidem“, sagt Obermayer grinsend und gesteht: „So sozial wie ich im Leben zu sein versuche, so wenig sozial bin ich manchmal auf dem Fußballplatz.“ Das Gute: Nach dem Spiel geben sich alle die Hand und gehen zusammen was trinken, sagt Obermayer und fügt nachdenklich hinzu. „Es wäre schön, wenn das im Leben auch mal so wäre, dass man alles Negative einfach so hinter sich lassen könnte.“

Von Janina Mogendorf

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