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Katholischer Medienpreis 2005  Seite drucken

Dichte Reportagesprache, profunde Darstellung

Katholischer Medienpreis 2005 Laudator Frank Pöpsel
© katholisch.de
Laudator Frank Pöpsel, Chefredakteur von FOCUS Money

Der Autor vermittelt das Schizophrene der Situation

Auf Vorschlag der Jury zeichnet die Deutsche Bischofskonferenz mit dem Katholischen Medienpreis 2005 den Beitrag von Wolfgang Uchatius „Das globalisierte Dienstmädchen“ (DIE ZEIT, Nr. 35, 19.08.2004) aus.

Der Inhalt

Wolfgang Uchatius lenkt den Blick der Öffentlichkeit auf eine bisher kaum beachtete Seite der Globalisierung. Am Beispiel von Lydia Flores aus einer Stadt 100 Kilometer südlich von Manila zeichnet er das Schicksal gebildeter philippinischer Frauen nach, die sich in Deutschland und anderen wohlhabenden Industriestaaten als Haushaltshilfen verdingen, um ihren Kindern zu Hause ein Leben in Würde zu ermöglichen, und die dabei, manchmal zusammen mit ihren Ehemännern, das schwere Los der Illegalität auf sich nehmen.

Die Preisbegründung

Dem Autor gelingt es in dichter Reportagesprache, ergänzt durch sozialwissenschaftliche Beobachtungen, das Schizophrene der Situation zu erzählen: einerseits sind diese Frauen im Gastland hochwillkommen, gutsituierte Familien reißen sich um sie, andererseits trauen sie sich aus Angst, wegen fehlender Arbeitspapiere abgeschoben zu werden, kaum aus dem Haus ihrer Arbeitgeber. Wolfgang Uchatius verbindet seine einfühlsame Beschreibung des Lebens der Migrantinnen mit einer profunden Darstellung der Zustände in deren Heimat: während die Frauen sich in der Fremde um die Babys anderer Leute kümmern, wächst auf den Philippinen inzwischen fast jedes dritte Mädchen, jeder dritte Junge ohne Mutter, Vater oder ganz ohne Eltern auf - diese schicken Geld, sie rufen an, aber sie bleiben für den eigenen Nachwuchs unsichtbar. Mit Nachdruck stellt der Verfasser die Frage nach der Zukunft einer solchen Gesellschaft, in der bislang die Familie als Kern privaten Glücks galt.

Mit seinem Beitrag über die "Handy-Eltern", beziehungsweise die "Feminisierung der Migration", bei der sich auf seltsame Weise feudale Vergangenheit und emanzipatorische Gegenwart vermischen, erfüllt Wolfgang Uchatius geradezu exemplarisch Zielsetzungen des Katholischen Medienpreises, das Verständnis für Menschen und gesellschaftliche Zusammenhänge zu fördern sowie das humanitäre und soziale Verantwortungsbewusstsein zu stärken.

Der gesamte Text ist unter www.zeit.de abrufbar.

Die Jury:

Weihbischof Friedrich Ostermann, Münster, Jury-Vorsitzender 
Claudia Nothelle, Berlin, ARD-Hauptstadtstudio
Gisela Steinhauer, Köln, WDR
Ulrich Engelberg, Essen, Kirchenzeitung Ruhr-Wort
Gernot Facius, Bonn, Die Welt
Bernhard Remmers, Osnabrück, Verlagsgruppe Bistumspresse

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