Jesus heilt einen Taubstummen

Die Menschen staunen über die wundervolle Tat und spüren Gottes Fürsorge
Es ging eine Kunde durch ganz Galiläa. Und die Menschen konnten kaum glauben, was sie da hörten. Jesus, so erzählte man, könne Kranke heilen. Und eines Tages brachten ein paar junge Männer ihren taubstummen Freund zu Jesus: "Er ist taub und kann auch nicht sprechen. Kannst du ihm helfen?" Immer mehr Menschen kamen herbei. Da führte Jesus den taubstummen Mann fort. Denn er spürte, wie unwohl sich dieser in der aufgeregten Menschenmenge fühlte.Verständigen durch Zeichen
Als Jesus mit dem Mann allein war, zeigte er ihm mit Zeichen, wie er ihn heilen würde: Er befeuchtete seine Finger mit Speichel, legte sie leicht in die Ohren des Taubstummen und berührte anschließend die Zunge des Mannes. Dann schaute er zum Himmel und betete. Der Taubstumme erkannte an diesen Zeichen: Jesus möchte mich zum Hören und Sprechen bringen, und er bittet Gott dabei um Hilfe.
Effata – öffne dich!
Jesus sprach darauf nur ein einziges Wort: "Effata!". Das heißt in unsere Sprache übersetzt: "Öffne dich!" Und dann geschah das Wunder: Die Ohren des Taubstummen öffneten sich, und er konnte plötzlich hören. Wie ungewohnt waren die Geräusche, die da auf ihn einströmten – das Rauschen des Windes, das Zwitschern der Vögel, das Plätschern des Wassers, das Blöken der Schafe.
Ein weiteres Wunder geschah: Die Zunge des Taubstummen löste sich, und er konnte nun klar und deutlich sprechen. Sofort ging der Mann zu seinen Freunden und redete mit ihnen. Da gab es viel zu erzählen nach den langen Jahren der Stille. Die Menschen, die Zeugen dieser wunderbaren Heilung geworden waren, riefen voller Begeisterung: "Es ist ein Wunder! Jesus kann Taube und Stumme zum Sprechen bringen! Er muss ein ganz Besonderer sein."
(Nacherzählt aus dem Markus-Evangelium 7 im Neuen Testament)
Liebe Kinder,
habt ihr Lust auf ein Experiment? Dann versucht einmal folgendes: Haltet euch zehn Minuten lang die Ohren fest zu und sprecht kein einziges Wort! Erzählt es euren Freunden vorher davon, damit sie es verstehen und sich nicht wundern.
Wie fühlst du dich anschließend? Zehn Minuten lang konntest du nichts von dem verstehen, was die anderen um dich herum redeten. Was hast du empfunden, wenn jemand lachen musste? "Der lacht mich aus!" Oder "Die findet das alles bescheuert!" Oder: "Bestimmt machen die Witze über mich!" Vielleicht bekommst du ja jetzt eine kleine Ahnung, wie es dem Taubstummen in der Bibelgeschichte ein Leben lang ergangen ist – bis Jesus kam und ihn heilte.
Jesus ist sehr einfühlsam
Warum konnte Jesus Taube zum Hören, Stumme zum Sprechen und Lahme zum Gehen bringen? Das können doch immer nur Zauberer oder gute Geister im Märchen! Jesus aber war kein Zauberer und auch kein Geist. Aber er war von Gott gesandt. Viele von den Menschen, die Jesus geheilt hat, haben das gespürt und geglaubt und sind mit ihm gegangen. Und Jesus hat es wie kein anderer verstanden, sich in Menschen einzufühlen – auch in den taubstummen Mann aus der Bibelgeschichte.
Ein Taubstummer ist auf Zeichen und Berührungen angewiesen, damit er versteht, was andere ihm sagen. Oder damit er sich selbst verständlich machen kann. Jesus hat sich durch Zeichen und Berührungen sehr gut auf den taubstummen Mann eingestellt. Und so konnte der Mann spüren: Da ist jemand, der mich versteht und der mich heilen möchte. Und das schafft er durch die Kraft, die Gott ihm schenkt.
Die Ohren auf Durchzug
Und nun Hand aufs Herz: Wie oft stellen wir uns taub? Etwa wenn der Trainer der Jugendmannschaft um Hilfe beim Wegräumen der Sportgeräte bittet? Wir denken dann: "Es sind ja genug andere da. Warum sollte ich..." Wie oft bleiben wir aus Bequemlichkeit stumm, obwohl wir eigentlich widersprechen müssten? Etwa wenn sich andere über eine Freundin lustig machen, die gerade nicht dabei ist. Wir denken dann: "Sie kriegt ja zum Glück nichts mit. Warum sollte ich sie da verteidigen?"
Vielleicht kann Jesu Wort "Effata" uns in Zukunft helfen, aus dem Herzen heraus zu hören und zu handeln. Dann geht der Fußballtrainer nach dem Training vielleicht gut gelaunt nach Hause. Weil er weiß: "Auf meine Mannschaft kann ich bauen. Die kommen nicht nur, weil ihnen das Training Spaß macht. Sie sind auch dabei, weil sie mithelfen wollen." Und du gehst befreit - und nicht mit schlechtem Gewissen - nach Hause, wenn du deine Freundin verteidigt hast – obwohl sie nicht dabei ist.
