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Ziele und Wege  Seite drucken

Was will die Ökumene?

Erzbischof Robert Zollitsch und Präses Nikolaus Schneider
© KNA
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch (l.), und der Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider.

Die Ökumene will eine Wiederherstellung der sichtbaren Einheit der christlichen Kirchen

Für die katholische Kirche ist es eine der Hauptaufgaben, "die Einheit aller Christen wiederherstellen zu helfen" (Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret über den Ökumenismus, Art. 1). Jesus Christus hat nur eine einzige Kirche gegründet. Dennoch existieren heute mehrere christliche Konfessionen (Katholiken, Orthodoxe, Protestanten), die den Anspruch erheben, diese eine Kirche in Wahrheit darzustellen. Die einzelnen Gemeinschaften gehen dabei in ihrem Denken und Handeln sehr unterschiedliche, von einander abweichende, bisweilen sogar widersprüchliche Wege.

Eine solche Spaltung widerspricht dem Willen Christi zur Einheit und schadet der Verkündigung des Evangeliums. Es ist deshalb der Sinn der Ökumene, nach einer Überwindung alles Trennenden zwischen den Konfessionen zu suchen, damit die Christen "gemeinsam dieselbe Wahrheit über das Kreuz bekennen" (Päpstliche Enzyklika "Ut unum sint", Nr. 1).

Ziel der Wiederherstellung der sichtbaren Einheit

Das Ziel der ökumenischen Bemühungen liegt in der Wiederherstellung der sichtbaren Einheit der Kirche. Diese Einheit bedeutet, dass alle Christen in "voller Kirchengemeinschaft" (Gemeinsame Offizielle Feststellung des Lutherischen Weltbundes und der Katholischen Kirche zur Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre, Nr. 3) mit Christus und untereinander stehen. Diese Gemeinschaft kommt nach katholischem Verständnis in der Einheit des Glaubens, der Sakramente und des geistlichen Amtes zum notwendigen sichtbaren Ausdruck.

Zur Person

Wolfgang Thönissen (Jahrgang 1955) leitet seit Oktober 1999 das Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik in Paderborn. Aufgabe des Instituts ist die wissenschaftliche Erforschung und Darstellung von Lehre und Leben verschiedener Konfessionen und kirchlicher Gemeinschaften. Thönissen ist neben seiner Tätigkeit am Johann-Adam-Möhler-Institut Professor für ökumenische Theologie an der Theologischen Fakultät Paderborn.
So wie aber bereits jetzt innerhalb der katholischen Kirche Unterschiede in der Theologie, der Kirchenordnung, der Liturgie und der Spiritualität existieren, so wird auch eine geeinte Kirche von entsprechenden Unterschieden geprägt sein. Das Ziel der vollen Einheit der Kirche widerspricht damit nicht einer inneren Vielfalt und Verschiedenheit in der Kirche. Vielmehr umfasst die Einheit immer schon eine notwendige Vielfalt.

Dabei darf diese Vielfalt aber nicht dem Gebot der Einheit widersprechen, sondern muss die Einheit gerade zum Ausdruck bringen. Die Ökumene spricht deshalb von einer "Einheit in Verschiedenheit, in der verbleibende Unterschiede miteinander versöhnt würden" (Gemeinsame Offizielle Feststellung, Nr. 3). Diese Einheit ist aber kein Selbstzweck, sondern steht im Dienst an der von Gott gewollten "Einheit der ganzen zerrissenen Menschheit" ("Ut unum sint", Nr. 6).

Einheit notwendig für die Verkündigung des Evangeliums

Da die Einheit als Gebot Christi notwendig für eine glaubwürdige und relevante Verkündigung des Evangeliums ist, hat sich die katholische Kirche mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil "unumkehrbar" dazu verpflichtet, "den Weg der Suche nach der Ökumene einzuschlagen..." ("Ut unum sint", Nr. 3). Von daher beteiligt sich die katholische Kirche ausdrücklich und aktiv in Form von Gebet, Dialog und gemeinsamem Handeln an der Überwindung der Gegensätze zwischen den christlichen Konfessionen.

Dabei sucht sie die bereits gewachsene Gemeinschaft zwischen den christlichen Konfessionen auf dem Weg zur vollen sichtbaren Einheit in ökumenischen Gottesdiensten und Gebeten sowie in Stellungnahmen und Projekten mit anderen Konfessionen zu gesellschaftlich wichtigen Fragen zum Ausdruck zu bringen und zu fördern. "Dieser Weg zur notwendigen und ausreichenden sichtbaren Einheit in der Gemeinschaft der einen von Christus gewollten Kirche erfordert noch geduldige und beherzte Arbeit" ("Ut unum sint", Nr. 78). Die Konfessionen wissen sich aber von der Einsicht getragen, dass sie der Geist Gottes selbst in die volle kirchliche Gemeinschaft führen wird.

Von Wolfgang Thönissen (Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik)
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