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Der gute König

Christkönig
© KNA

Die Geschichte vom bescheidenen und helfenden König im "Arme-Leute-Gewand"

Am Sonntag vor dem ersten Adventssonntag feiern wir das Christkönigsfest. Es ist der letzte Sonntag im alten Kirchenjahr. Das hat Laura heute im Religionsunterricht gehört. Am Abend fragt sie ihren Papa: „Warum nennen wir Jesus eigentlich unseren König. Er hatte doch kein Schloss und keine Krone.“ Der Vater lacht und erklärt: „Natürlich denken wir zuerst mal an Schlösser, Kronen und Zepter, an viel Gold und Juwelen, wenn von einem König die Rede ist. Aber Jesus war ein ganz anderer König. Er wurde in einem Stall geboren und kam ganz arm in unsere Welt. Als er durch Galiläa zog, seine Wunder tat und predigte, wurde er von vielen Menschen verehrt. Es waren zum großen Teil einfache Leute, und sie nannten ihn ihren König, den König Israels.

Arme Leute im Gefolge des Königs

Vielen Reichen und Mächtigen aber war Jesus nicht geheuer. Wie konnte jemand, den die Menschen König nannten, seinen Jüngern die Füße waschen? Dies war eine Arbeit, die sonst nur Diener tun. Jesus hatte keine Minister und Soldaten im Gefolge, sondern arme Leute, die weder Waffen noch Geld besaßen. Er ist immer bescheiden geblieben. Und nie wäre er auf die Idee gekommen, mit seinen Wunderheilungen zu prahlen. Nach seinem Tod und seiner Auferstehung fuhr Jesus in den Himmel auf – diesmal als König. Denn er hat den Tod besiegt und uns versprochen, dass wir immer bei ihm sein dürfen.“ „Danke, Papa!“, ruft Laura. „Das hat du aber schön erzählt!“ Der Vater überlegt eine Weile und sagt dann: „Ich kenne noch eine andere Königsgeschichte.“ Laura wird neugierig und möchte wissen: „Hat dieser König denn ein Schloss und eine Krone?“ „Ja“, antwortet ihr Papa. „Aber trotzdem ist es ein guter König – ein bisschen so wie Jesus.“ „Bitte, Papa, erzähl mir die Geschichte!“, bettelt Laura. Der Vater lässt sich nicht lange bitten und beginnt zu erzählen:

Niemand litt Not im Königreich

Es war einmal ein König. Seine Untertanen mochten ihn, denn er war weise und gütig. In diesem Königreich litt niemand Not. Der König sorgte gut für die Armen. Oft besuchte er die Menschen in ihren Häusern. Sie fielen voller Ehrfurcht vor ihm auf die Knie. Der König wollte das nicht. Er freute sich, wenn er mit lieben, einfachen Menschen zusammen sein durfte. Nie kündigte er seinen Besuch an. Er mochte es nämlich nicht, wenn die Leute für ihn ein Festessen bereiteten. Unter seinen Ministern gab es zwei Männer, die den König nicht leiden konnten. „Er schmeichelt sich mit seiner falschen Bescheidenheit nur bei den Untertanen ein“, sagten sie. Die beiden nahmen sich vor, den König genauer zu beobachten. Von einem der Palastdiener hörten sie, dass er jeden Abend den Palast verließ und erst zwei Stunden später zurückkehrte. „Wo er hingeht, weiß niemand“, sagte der Palastdiener. „Aber wenn er zurückkommt, lächelt er immer.“

Ein König im Arme-Leute-Gewand

Die beiden Minister nahmen sich vor, dem König am nächsten Abend unauffällig zu folgen. Sie versteckten sich im Schlossgarten. Und sie mussten nicht lange warten, bis der König herauskam. Er trug ein Bündel in der Hand. Unauffällig folgten sie ihm. Der Weg führte sie zu einer kleinen Kapelle im Wald. Der König ging hinein, kniete nieder und betete. Dann holte er aus seinem Bündel ein Gewand heraus. „Das ist doch ein Arme-Leute-Gewand!“, wunderte sich einer der Minister. Der König zog seine Kleider aus und legte das Gewand an. Ohne seine prächtigen Kleider wirkte er wie ein armer Mann. Mit schnellen Schritten ging er weiter in den Wald hinein. Vor einer kleinen Hütte machte er Halt. Der König klopfte an und trat ein.

„Ich bin nur ein Diener“

Die beiden Minister pirschten sich näher heran. Sie duckten sich vor einem Fenster und schauten hinein. Was sie sahen, konnten sie zuerst gar nicht begreifen. Der König holte Brot, Früchte und Käse aus seinem Bündel und stellte alles auf den Tisch. Dann verließ er die Hütte wieder. Die Minister konnten sich gerade noch hinter einem Baum verstecken. Der König aber ging zu einem kleinen Bach, schöpfte Wasser in einen Krug und brachte ihn zur Hütte. Als die beiden Männer genauer hinsahen, erkannten sie in der Hütte ein Bett. Ein alter Mann lag darin. Er war sehr schwach. Der König setzte sich zu ihm, streichelte ihm übers Haar, richtete sein Kissen und setzte ihn auf. Dann gab er ihm zu essen und zu trinken. Der König erzählte dem alten Mann Geschichten. Er las ihm aus der Bibel vor und sang mit ihm Lieder, um Gott zu loben. Die Augen des alten Mannes waren voller Dankbarkeit. Er sagte: „Nun kommst du schon ein ganzes Jahr lang jeden Tag zu mir.“ Und nie hast du mir verraten, wer du bist und wer dich geschickt hast.“ Der König antwortete: „Ich bin nur ein Diener. Geschickt hat mich jemand, dessen Königreich nicht von dieser Welt ist.“ Der alte Mann lächelte und umarmte denn König. Die beiden Minister aber waren sehr beschämt. Sie gingen zum Palast zurück. Nie wieder hat einer von ihnen schlecht über den König geredet. Was sie gesehen und gehört hatten, behielten sie in ihren Herzen.
Von Margret Nußbaum
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