Sankt Martin und die Gänse

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Die Gänse schnatterten laut und verrieten Martin.Wie Gänse es schafften, dass der Soldat Martin doch noch ein heiliger Bischof wurde
Lukas hat im Religionsunterricht die Geschichte von Sankt Martin und den Gänsen gehört. „Martin sollte Bischof werden“, erzählt Lukas seiner Mama. „Doch er wollte lieber ein einfacher Mann bleiben. Da überlegten die Leute, wie sie ihn doch dazu bringen könnten, Bischof zu werden. Sie dachten sich eine List aus. Ein Mann aus Tours sagte, dass seine Frau krank ist und dass Martin sie gesund machen soll. Diese Nachricht wurde Martin überbracht. Und er ging nach Tours. Dort warteten schon viele Menschen auf ihn. Martin ahnte, dass man ihn hereinlegen wollte. Da versteckte er sich in einem Gänsestall. Aber die Gänse schnatterten laut und verrieten ihn. Da ließ Martin sich endlich zum Bischof wählen. Und die Menschen in Tours freuten sich.“Gänse waren für die Bauern wichtig
„Das ist eine schöne Geschichte. Auch ich habe sie als Kind immer gern gehört. Weißt du auch, warum die Gänse am Martinstag immer schon wichtig waren?“ Lukas schüttelt den Kopf. „Warum denn?“, fragt er. „Früher endete am Martinstag für die Bauern das alte Wirtschaftsjahr“, erzählt seine Mama. „Die Scheunen, Speicher und Vorratskammern waren gefüllt. Jetzt musste nur noch das Vieh geschlachtet werden. Denn die Menschen brauchten das Fleisch für den langen Winter. Die Gänse gehörten zu den beliebtesten Schlachttieren. Denn sie gaben nicht nur Fleisch, sondern auch Federn. Damit füllten die Bauersfrauen Kissen und Bettdecken. Allmählich entstand der Brauch, am Martinstag Gänsebraten zu essen. Die Menschen dachten dabei sicher an den heiligen Martin, der sich im Gänsestall versteckt hatte.
Die Kinder bekamen Brezeln
Ein zweiter Grund: Am Tag nach dem Martinsfest begann das große Adventsfasten. Da waren die Menschen froh, dass sie sich noch mal richtig satt essen konnten. Knechte und Mägde verabschiedeten sich vom Bauern und verließen das Dorf. Denn im Winter gab es für sie keine Arbeit mehr. Mit Martinszweigen aus Wacholder und Birke zogen sie von Haus zu Haus und wurden beschenkt. Später wurde es Brauch, dass auch die Kinder vor dem Martinstag umherzogen. Sie bekamen Martinsbrötchen, Brezeln oder Weckmänner. Im Rheinland nennt man das Dotzgang. Die Mädchen und Jungen gehen mit ihren Laternen von Haus zu Haus. Sie sagen ein Gedicht auf oder singen ein Lied.“
Ein Martinslied für nette Nachbarn
„Super!“, meint Lukas. „Das könnten Laura und ich doch auch am Martinstag machen.“ „Warum eigentlich nicht?“, meint seine Mama. „Unsere Nachbarn freuen sich bestimmt, wenn ihr ihnen ein Martinslied singt.“ „Vielleicht bekommen wir dann auch was geschenkt – so wie die Kinder früher“, sagt Lukas. „Ja, vielleicht, aber die Hauptsache ist doch, dass ihr anderen Menschen mit euren Liedern eine Freude macht“, sagt die Mutter. Lukas nickt mit dem Kopf und sagt: „Nun gehe ich ganz schnell zu Laura. Und dann üben wir ein Martinslied mit mehreren Strophen ein, damit wir es am Martinstag auswendig können.“ Die Mutter sucht in ihrer Liedersammlung und findet folgendes Lied.
Sankt-Martin
1. Strophe
Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind, sein Ross, das trug ihn fort geschwind. Sankt Martin ritt mit leichtem Mut. Sein Mantel deckt ihn warm und gut.
2. Strophe
Im Schnee saß, im Schnee saß, im Schnee, da saß ein armer Mann, hatt’ Kleider nicht, hatt’ Lumpen an. Oh, helft mir doch in meiner Not, sonst ist der bittre Frost mein Tod!
3. Strophe
Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin zog die Zügel an. Sein Ross stand still beim armen Mann. Sankt Martin mit dem Schwerte teilt den warmen Mantel unverweilt.
4. Strophe
Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin gab den halben still, der Bettler rasch ihm danken will. Sankt Martin aber ritt in Eil hinweg mit seinem Mantelteil.
Ein seltsames Wort
„Du, Mama, was heißt eigentlich unverweilt? Das steht in der dritten Strophe“, möchte Lukas wissen. Seine Mama erklärt: „Dieses Wort wird heute nicht mehr benutzt. Früher, als das Lied geschrieben wurde, sprachen die Menschen noch anders. Unverweilt heißt soviel wie ‚sofort’ oder ‚ohne zu zögern’.“
Von Margret Nußbaum
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