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Gehörlosenseelsorge Collage
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Gehörlosenseelsorge

Raum für die Begegnung mit anderen hörgeschädigten Menschen schaffen

Das Ticken des Weckers, Musik, Radiosprecher, Autohupe, Bahnhofsdurchsage, Schritte, Türenschlagen, ja selbst Kaffee eingießen, ein Glas absetzen oder Magenknurren - alles das verursacht Geräusche, deren wir uns überhaupt nicht bewusst sind, die wir aber wie ein ununterbrochenes Hintergrundgräusch hören, - wenn wir nicht gehörlos sind. Gehörlos sein bedeutet, alle diese akustischen Signale nicht wahrnehmen können. Es bedeutet auch, statt dessen viel stärker auf optische Signale, Kommunikationshilfen und visuelle Sprachform angewiesen zu sein.

Gehörlosigkeit ist in erster Linie eine Kommunikationsbehinderung

Ein Mensch mit Gehörlosigkeit, so könnte man sagen, ist nicht behindert, sondern wird behindert. Das Nicht-Hören-Können als solches ist meist das geringere Problem. Viel schwerwiegender ist die Behinderung der Kommunikation mit Hörenden. Gehörlose sind im Alltag oft abgeschnitten von Kommunikation. Sie können kein Radio hören und nur schwer fernsehen. Mit den Kollegen können sie nur das Notwendigste besprechen. Und selbst in der eigenen Familie kann es schwierig werden, wenn alle Anderen Hörende sind.

Seelsorge für Menschen mit Gehörlosigkeit hat die Aufgabe, hörgeschädigten Menschen Raum für Begegnung untereinander zu bieten, wo sie sich treffen und miteinander austauschen können, ohne den Druck, sich in der für sie fremden Lautsprache verständlich machen zu müssen. Menschen mit Hörschädigung brauchen viele Möglichkeiten, mit anderen Hörgeschädigten zusammen zu sein, um hier Identität und Lebensmut zu schöpfen. Nur wenn das gelingt, können sie sich andererseits auch immer wieder der Anstrengung der Integration in die hörende Welt stellen. Hier können die Gehörlosenseelsorger hilfreich wirken, indem sie die Frohe Botschaft in der Gebärdensprache verkünden.

Dazu gibt es in allen Bistümern eigene Gehörlosengemeinden oder Seelsorgegemeinschaften und viele Gehörlosenvereine. Gehörlose leben immer in einer extremen Diasporasituation. Wenn sie sich zum Gottesdienst treffen, dann gehört immer eine Versammlung dazu, in der man sich in der eigenen Sprache ausführlich miteinander unterhalten kann. Denn es wird eine Weile dauern, bis man sich wieder treffen kann. Die Zeit miteinander ist kostbar. Gehörlose legen dafür oft weite Strecken zurück. Ein Vorteil: Die Gemeinden sind durch persönliche Kontakte untereinander vernetzt. Und das geht auch über Konfessionsgrenzen hinaus.

Bundesweites Internetportal

Der Verband der Katholischen Gehörlosen Deutschlands (VKGD) fördert als Dachorganisation die Zusammenarbeit der katholischen Gehörlosenvereine, Seelsorgegemeinschaften und Gemeinden. Er unterstützt sie in sozialen, karitativen und seelsorglichen Aufgaben. Der Verband fördert und unterstützt seine Mitglieder durch Besinnungstage, Schulungskurse und Bildungstage, Seminare für Brautleute und junge Ehepaare, Alten- und Müttererholung und nicht zuletzt durch die Zeitschrift "epheta" und andere Schriften für katholische Gehörlose.

Ganz Deutschland umfasst das Internetportal des Verbandes, www.kath.gehoerlosengemeinden.de, das neben vielen Informationen und Links alle Gehörlosengottedienste in der Bundesrepublik enthält. Seit 2003 hat der VKGD mit Diakon Josef Rothkopf erstmals einen Generalpräses, der selbst gehörlos ist.

Bei seiner Tätigkeit arbeitet der Verband eng zusammen mit der "Arbeitsstelle Pastoral für Menschen mit Behinderung bei der Deutschen Bischofskonferenz". Insgesamt haben sich 124 Vereine und Seelsorgegemeinschaften im Verband der katholischen Gehörlosen Deutschlands zusammengeschlossen.

Begegnung mit Menschen auf Augenhöhe

In den Gehörlosengemeinden begegnen sich Gehörlose und Hörende auf Augenhöhe. Die Rede von Begegnung mit Menschen auf Augenhöhe ist dem Reden und Handeln Jesu von Nazareth nachempfunden. Jesus fühlte sich zu Menschen mit Benachteiligungen, Krankheiten, Behinderungen und besonderen Bedürfnissen ganz besonders hingezogen. Er behandelte sie nicht von oben herab, sondern trat auf Augenhöhe an sie heran und gab ihnen die Erfahrung, gleich wertig und gleich berechtigt zu sein:

Er ging zu ihnen hin in ihre Einsamkeit, wenn das nötig war, und führte sie heraus in neue Lebensgemeinschaft. Andere nahm er weg von der Menge, wenn das nötig war, und gab ihnen neu die Erfahrung von Privatheit, Schutz und Intimität. Und er gab ihnen neue Orientierung und Lebensmitte, wenn ihnen Struktur und Einbindung in die Gesellschaft fehlten.

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