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Katholischer Medienpreis 2006 Bild: ©  Seite drucken

Wir brauchen mehr Wahrheitssucher

Katholischer Medienpreis 2006 Laudatio Ernst Elitz
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Ernst Elitz hält die Laudatio für Cornelia Klaila und Tilmann Kleinjung.

Laudatio von Ernst Elitz für die Preisträger "Elektronische Medien"

Der „typische deutsche Journalist“ ist „ein knapp 41 Jahre alter Mann, der aus der Mittelschicht stammt, einen Hochschulabschuss hat, bei der Presse arbeitet, in einer festen Beziehung lebt und ca. 2.300 Euro Netto im Monat verdient“, so haben uns gerade Kommunikationswissenschaftler in ihrem neusten „Report über die Journalisten in Deutschland“ mitgeteilt. Was sie uns präsentieren, ist genau das Mittel, das aus Biographie, Alter und Tätigkeitsmerkmalen der 48.000 Journalisten in Deutschland errechnet wurde.

Journalisten werden falsch eingeschätzt

Ich bin beruhigt, dass die beiden Preisträger des Katholischen Medienpreises in der Kategorie elektronische Medien diesem Mittelwert nicht entsprechen. Cornelia Klaila ist freie Autorin für den Bayerischen Rundfunk, im Hauptberuf Pressesprecherin einer Bank. Und Tilmann Kleinjung liegt nicht nur unter dem Altersdurchschnitt des Durchschnittsjournalisten, er ist Theologe und betreut als Redakteur das Fach Religion und Kirche beim Bayerischen Rundfunk.

Wer ist überhaupt ein Journalist? Wer ist ein guter Journalist? Das ist eine Frage, die sich nicht mit einem statistischen Mittelwert beantworten lässt. In den von den Allensbacher Meinungsforschern kontinuierlich veröffentlichten Imagestudien der einzelnen Berufe rangiert „Journalist“ und „Fernsehmoderator“ jeweils am Ende der Skala, dort wo auch die übrigen Aussätzigen der Gesellschaft in Quarantäne gehalten werden - Politiker und Gewerkschaftsfunktionäre zum Beispiel.

Das miserable Bild, das die Öffent­lichkeit sich von den Journalisten macht, beruht auf einer Fehleinschätzung. Wer das Fernsehgerät einschaltet, den Radioknopf drückt oder die Auslagen am Zeitungs-Kiosk studiert, meint, er habe es dabei immer mit Journalisten zu tun. Doch das ist Vergangenheit. In den Medien tummeln sich viele – Schlüsselloch-Reporter, Witwenschüttler, Busenwunder, Werbefuzzis und Wahrheitssucher. Aber diese Wahrheitssucher sind in der Masse des me­dialen Gewerbes nur noch ein kleines Fähnlein der Aufrechten, die es nicht verdienen, dass der ehrbare Journalistenberuf immer mehr in Misskredit ge­rät.

Keine Scheu vor konfliktreichen Fragen

Cornelia Klaila und Tilmann Kleinjung gehören zu diesen Wahrheitssuchern. Die Wahrheit die sie suchen, erschöpft sich nicht im ordentlichen Handwerk der täglichen Nachrichtenauswahl. Es erschöpft sich nicht im sauberen Zitieren und in fairer Interviewführung. Es begnügt sich nicht damit, einem journalistischen Ariadnefaden zu folgen, um im Labyrinth der Gesundheitsreform eine Botschaft zu finden, die gestern noch gültig war und es auch heute noch ist. Das ist schwer genug. Auch wer das schafft, hätte schon eine Auszeichnung verdient.

Journalismus muss Orientierung bieten. Und die beiden Preisträger bieten eine Orientierung, die über die Kleinteiligkeit des Alltags und über die Suche nach tragfähigen politischen Kompromissen hinausgeht. Ihr Feature handelt von einem Thema, dass die Grenzen des Irdischen sprengt. Sie beschreiben und reflektieren die Tsunami-Katastrophe am zweiten Weihnachtsfeiertag 2004. Sie lassen Überlebende in ihrer Trauer zu Worte kommen. Sie scheuen nicht zurück vor der konfliktreichen Frage, warum Gott Schmerzen und Leid nicht verhindert.

Indem sie in ihrer Feature-Collage mit den dramaturgischen Mitteln des Monologs und der Tagebuchaufzeichnung arbeiten, indem sie nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Helfer in ihrer Fassungslosigkeit zu Wort kommen lassen, zeichnen sie das Bild einer existentiellen Erschütterung, die nicht nur lähmt, sondern auch Hilfsbereitschaft herausfordert: Den Leidenden helfen, solidarisch mit den Opfern sein, Umgangsformen mit den Leiden zu finden und auch Dankbarkeit. Das sind Brücken zum Weiterleben. Rituale bieten Halt im Dunkel der Frage der Theodizee, nach dem Warum – so begründet die Jury ihre Entscheidung für dieses handwerklich brillante Radio-Feature.

Wir müssen mit dem Schmerz leben

Die Entscheidung für dieses Feature macht die Prinzipien deutlich, die einem christlich orientierten Medienpreis zugrunde liegen. Es ist ein Preis für einen mitfühlenden Journalismus. Er zeichnet Arbeiten aus, die Vorbilder sein können in der Welt des Alltagsjournalismus und in Medien, die ihre Kunden weitgehend nur noch als Unterhaltungsjunkies oder als Empfänger von Werbebotschaften sehen wollen.

In dieser Jubel-, Trubel-, Heiterkeitsfixierung der Medien müssen sich Sätze einprägen wie die aus dem Mund der Überlebenden der Tsunami-Katastrophe. „Mit dem Leben bin ich davon gekommen, mit den Gedanken bin ich dageblieben“. „Ich kann es nicht als Glück empfinden, dass ich überlebt habe, aber ich bin dankbar.“ „Wir müssen mit dem Schmerz leben.“ „Ohne Liebe zum Menschen geht es nicht.“ 

Solche Bekenntnisse sind selten in der Medienwelt. Dass ein Feature ausgezeichnet wird, das solche Sätze in den Mittelpunkt stellt, verdient Anerkennung für die Preisstifter. Es verdient Dank an den Bayerischen Rundfunk, der dieses Feature produziert und gesendet hat. Und es verdient unsere Hochachtung, dass Cornelia Klaila und Tilmann Kleinjung sich dieses Themas so engagiert, tiefgründig und einprägsam angenommen haben.

Herzlichen Glückwunsch!

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