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Das Kornwunder von Myra

Ausgetrocknetes Land mit Grashalmen
© Tobias Müller/Fotolia.com
Die Felder in Myra waren so trocken, dass kein Getreide wachsen konnte.

Eine Nikolaus-Geschichte

Damals, als Nikolaus Bischof von Myra war, brach eine große Hungersnot über das Land herein. Es hatte lange Zeit nicht geregnet. Die Felder waren so trocken, dass kein Getreide wachsen konnte.

Die Vorratskammern in Myra wurden immer leerer. Bald war nichts mehr da – kein einziges Körnchen. Die Menschen konnten kein Brot mehr backen, und die Not wurde immer größer.

Ein Schiff mit Getreide

Da legte eines Tages ein Schiff im Hafen an. Es kam von Ägypten und war über und über mit Getreide beladen. Doch es war nicht für die armen Menschen in Myra bestimmt. Die Seeleute wollten nur Trinkwasser an Bord holen. Viele Männer, Frauen und Kinder liefen zum Hafen. Sie bettelten die Seeleute an:

"Bitte, gebt uns von eurem Getreide ab! Unsere Vorratskammern sind leer. Wir können kein Brot mehr backen. Wenn nicht bald ein Wunder geschieht, müssen wir all sterben!"

Mitleid mit den Hungernden

Die Menschen taten den Matrosen auf dem Schiff Leid. Aber sie durften ihnen nichts abgeben. Der Kapitän hatte es ihnen verboten. Die Bewohner von Myra liefen zu ihrem Bischof Nikolaus und erzählten von dem Schiff voller Getreide. Nikolaus ging zum Hafen und sprach mit den Seeleuten.

Da riefen sie ihren Kapitän. Der bat Nikolaus auf sein Schiff. Der Kapitän weinte. Er hätte den Menschen von Myra so gern geholfen. Aber er konnte nicht. "Wir müssen das Getreide bei unserem Kaiser abliefern", sagte der Kapitän. "Wenn etwas fehlt, wirft er uns ins Gefängnis und lässt uns töten."

 Nikolaus überlegte eine Weile. Dann antwortete er: "Ihr könnt den armen Menschen ruhig etwas abgeben. Keiner von euch kommt ins Gefängnis oder wird getötet. Ihr könnt mir vertrauen."

Alle wurden satt

Der Kapitän und seine Matrosen taten, was Bischof Nikolaus ihnen gesagt hatte. Sie luden viele Säcke Getreide ab und segelten weiter. Nikolaus bedankte sich beim Kapitän und wünschte ihm und seiner Mannschaft Gottes Segen.

Nun hatte die Not für die Menschen in Myra ein Ende. Sie konnten wieder Brot backen, und alle wurden satt. Es blieben sogar noch genug Vorräte übrig. Einen Sack Getreide gab Bischof Nikolaus den Bauern. Bald fiel nach langer Zeit der erste Regen und die Bauern konnten endlich wieder Getreide aussäen.

Als das Schiff Konstantinopel erreichte, war es voll beladen. Es fehlte nicht ein einziger Sack Getreide. Da erzählen der Kapitän und seine Matrosen es allen weiter. Und bald wusste jeder nah und fern, welches Wunder in Myra geschehen war.

Von Margret Nußbaum
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