Die Perle der Vatikanischen Museen
Lange Warteschlangen, künstlerische Meisterwerke und Ort der Papstwahl
Ein wenig Zeit gehört zum Besuch der Vatikanischen Museen dazu. Weit über drei Millionen Besucher wollen jährlich die Stanzen des Raffael oder Michelangelos "Jüngstes Gericht" sehen, weshalb die Besucher durchaus mit einer Stunde Wartezeit vor den Eingängen der Museen rechnen müssen. Auch die Ausstellungen mit ihren 1.300 Räumen und sieben Kilometern Ausstellungs-Fußmarsch erfordern einiges Durchhaltevermögen.Doch die Geduld der Besucher wird spätestens beim Anblick der berühmten Fresken in der Sixtinischen Kapelle belohnt. Denn wer kennt nicht das häufig kopierte Gemälde Michelangelos, auf dem Gott mit einem Fingerzeig Adam zum Leben erweckt. Es gehört zum großen Deckengemälde des bedeutenden Renaissance-Künstlers und visualisiert Szenen aus der biblischen Schöpfungsgeschichte.
In neun Mittelfeldern hat Michelangelo zwischen 1508 und 1512 die Geschichten aus dem Buch Genesis dargestellt. Neben der Erschaffung des Menschen sind beispielsweise auch die Bebilderungen des Sündenfalls und der Sintflut zu bewundern. 30 Jahre später gestaltete der Künstler auch die Altarwand der Kapelle mit einer Darstellung des jüngsten Gerichtes.
Bereits Ende des 15. Jahrhunderts waren die Seitenwände von einer Gruppe von Künstlern mit Geschichten zum Leben Moses und verschiedener Päpste im Auftrag von Papst Sixtus IV. gestaltet worden. Der päpstliche Auftraggeber hatte den Umbau der antiken Kapelle vorgenommen und wurde auch zum Namensgeber der Kapelle.
Ein neuer Blick auf die Arbeit der Renaissance-Künstler wurde durch den Abschluss umfangreicher Restaurierungen der alten Malereien in den 1990er Jahren möglich. Durch die Reinigung der Gemälde von Kerzen- und Ofenruß erstrahlen sie heute wieder in ursprünglicher Farbenpracht. Außerdem wurden die Figuren Michelangelos wieder in ihrer ursprünglichen Nacktheit dargestellt. Diese war nämlichen vielen Klerikern im 16. Jahrhundert ein Dorn im Auge, so dass die nackten Tatsachen nach dem Tod des großen Renaissance-Künstlers übermalt worden waren.
Aber die Sixtinische Kapelle ist nicht nur aus kunsthistorischen Gründen ein Besuchermagnet, sondern seit über 450 Jahren auch als Ort der Papstwahl ein besonderer Anziehungspunkt für gläubige Katholiken. So erinnerte sich auch Papst Johannes Paul II. anlässlich der Eröffnung der restaurierten Sixtina gerne an den Ort seiner Wahl: "Hier erfolgt - ich erinnere mich mit Bewegung daran - die Wahl des Nachfolgers Petri." Der Ofen, in dem die Stimmzettel der Kardinäle verbrannt werden, steht direkt neben dem Eingang. Je nach Ausgang der Wahl werden schwarze oder weiße Farbkartuschen hinugefügt. Zusätzlich ertönt bei erfolgreicher Wahl das Glockengeläut des Petersdoms.
Auch wenn der Besuch der bedeutsamen Kapelle für viele Besucher der Höhepunkt ist, haben die Vatikanischen Museen Kunstfreunden noch deutlich mehr zu bieten: Die Stanze di Raffaello sind vier von Raffael und seinen Schülern gestaltete Zimmer, die das Leben des Kaisers Konstantin, die politischen Bestrebungen von Papst Leos X. und die drei höchsten Prinzipien des menschlichen Geistes darstellen. Besondere Berühmtheit hat das Bildnis "Die Schule von Athen" erlangt.
Die Pinakothek entstand 1817 und umfasst 460 Gemälde von berühmten Künstlern wie Giotto, Raffael, Leonardo und Caravaggio. Das Museo Gregoriano Egizio entstand 1839 und zeigt antike Altertümer, während sich das Museo Gregoriano Etrusco auf Ausgrabungs-Objekte aus den Stätten von Süd- Etrurien spezialisiert hat. Religiöse und völkerkundliche Gegenstände aus verschiedenen Epochen und aller Welt lernen die Besucherinnen und Besucher im Museo Missionario Etnologico kennen. Über die einzelnen Kunstwerke der verschiedenen Museen hinaus sind auch die Räumlichkeiten sehenswert.
Neben dem Peterspfenning ist diese weltweit bedeutende Kunstsammlung eine wichtige Einnahmequelle für den Vatikan. Am letzten Sonntag im Monat ist der Eintritt allerdings kostenlos, was den ohnehin großen Andrang zusätzlich erhöhen kann.
