Das "schlagende Herz der Kirche"
22.067 Quadratmeter groß, 141 Meter hoch und Platz für 20.000 Menschen
Seit über 500 Jahren zieht die größte katholische Kirche Pilger aus aller Welt an. Tausende von Besuchern bewundern täglich das Meisterwerk italienischer Renaissance-Baukunst, in dem 20.000 Menschen Platz finden. Allerdings ist der Petersdom kein Museum, sondern das "schlagende Herz der katholischen Kirche" wie Papst Benedikt XVI. im März 2007 anlässlich eines Besuchs in der vatikanischen Dombauhütte betonte.Der Petersdom ist an der Stelle errichtet, an der der Apostel Petrus im Jahr 64 nach Christus im Rahmen der römischen Christenverfolgungen gekreuzigt worden sein soll. Über dem Petrusgrab wurde bereits im Jahr 324 von Kaiser Konstantin eine fünfschiffige Basilika errichtet. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Gebäude zunehmend baufälliger, so dass im 15. Jahrhundert die Apsis abzurutschen drohte. Verschiedene Päpste versuchten Alt-St. Peter erfolglos mit aufwendigen Stützbauten zu retten. Im Laufe des langwierigen Neubaus kam es zum Abriss der alten Basilika.
Die Grundsteinlegung des neuen Petersdoms erfolgte durch Papst Julius II. am 8. April 1506. 117 Jahre Bauzeit, 18 Päpste und zahlreiche Architekten der italienischen Renaissance sollten die Kathedrale schließlich zu dem machen, was sie heute ist. Zunächst wurde 1506 der norditalienische Architekt Donato Bramante auf Grund seines scheinbar kostengünstigeren Entwurfes dem Florenzer Allround-Genie Michelangelo vorgezogen. Bramante ließ allerdings die alte Basilika bis auf die Fassade abreißen, was ihm vielfache Kritik einbrachte.
Nach dem Tod des Architekten im Jahre 1514 zog sich der Bau unter der Ägide verschiedener Architekten hin. Künstler wie Raffael, Sangallo, Fontana und Maderna erhielten von den Päpsten immer wieder neue Aufträge und Vorgaben. Die Pläne der Vorgänger wurden verworfen, alternative Entwürfe für die Kathedrale angefertigt. Wiederholt wurde die Frage diskutiert, ob der Grundriss wie ein gleicharmiges griechisches Kreuz oder ein lateinisches Kreuz mit einem längeren Hauptschiff gestaltet sein sollte.
Papst Paul III. gelang es 1547, den bereits schwer erkrankten Michelangelo zu überreden, doch noch Bauleiter des Prestigeprojektes zu werden. Michelangelo baute den Dom wie ein Bildhauer und ging auf Bramantes Grundidee eines Zentralbaus zurück. Er entwarf die mächtige Kuppel, konnte deren Vollendung aber nicht mehr selber erleben.
Nach seinem Tode 1564 realisierten die Architekten Giacomo della Porta und Domenica Fontana um 1588 Michelangelos Entwürfe. Die Fassade wurde 1614 durch den Architekten Carlo Maderno fertig gestellt. Urban III. weihte die Basilika schließlich 1626 und führte sie ihrer religiösen Bestimmung zu. Trotz langer Bauzeit und dem unterschiedlichen Wirken zahlreicher Architekten ist St. Peter ein Gesamtkunstwerk.
Über die kulturelle und religiöse Bedeutung hinaus sollte der Petersdom auch zum Symbol im Streit der Reformatoren und der katholischen Kirche werden. Der schwunghafte Ablasshandel Roms, der auch zur Finanzierung des neuen Petersdomes diente, war den Reformatoren um Martin Luther ein Dorn im Auge. Gerade im Sinne der römisch-katholischen Gegenreformation wurde der Bau von St. Peter deshalb auch zu einem Prestigeobjekt.
Der Petersdom ist 22.067 Quadratmeter groß und mit einer Länge von 186 Metern und Höhe von 141,5 Metern die größte katholische Kirche weltweit. Die Fassade der Kathedrale ist 113 Meter breit und 44,5 Meter hoch. Sie hat acht Säulen und die Brüstung zieren Statuen Christi und der Apostel. Über dem Mitteleingang ist die bekannte die Beneditkionsloggia, von der aus sowohl der Name des neu gewählten Papstes als auch Selig- und Heiligsprechungen verkündet werden. Von diesem Fenster aus erteilt der Papst zu Ostern ebenfalls den Segen "Urbi et Orbi".
Im Petersdom gibt es 45 Altäre und 390 Riesenstatuen. Die Kirche beherbergt auch die Gräber einiger Päpste, darunter auch das Grab des 2005 verstorbenen Papstes Johannes Paul II. In den Seitenschiffen und Kapellen sind die Statuen von zahlreichen Heiligen zu bewundern.
Das Wirken der wichtigsten italienischen Architekten schlägt sich in zahlreichen bedeutenden Kunstwerken nieder. Berühmt ist die Skulptur "Pieta" von Michelangelo in der ersten Seitenkapelle, die Maria mit dem toten Christus darstellt. Zum Schutz vor Beschädigungen ist sie allerdings von Panzerglas geschützt. Berninis bekannter Hauptaltar mit seinem Bronzebaldachin und den vier gedrehten Säulen blieb während der ganzen Bauzeit unangetastet. Er dient der Gliederung des großen Innenraums. In den Nischen der Kuppelpfeiler sind die Heiligen Veronika, Helena, Longinus und Andreas dargestellt, deren Reliquien der Altar beherbergt.
Die Bronzestatue des Heiligen Petrus ist ein besonderer Anziehungspunkt für viele Besucher. Der Fuß der Statue ist deshalb durch die Berührungen von Millionen von Pilgern bereits abgeflacht.
Die Kuppel hat einen Durchmesser von 42,34 Metern und eine Höhe von 43,20 Metern. Sie wird von vier 24 Meter dicken Pfeilern getragen. Die Kuppel des Petersdom wird von einer gigantischen, drei Meter dicken Kugel aus vergoldetem Bronze geziert.
Mit Blick auf den Apostel Petrus steht in der Kuppel des heutigen Petersdomes geschrieben: "Tu es Petrus et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam, et tibi dabo claves regni caelorum" (Du bist Petrus und auf diesen Fels will ich meine Kirche bauen. Und dir will ich geben die Schlüssel über das Himmelsreich). Wer gut zu Fuß ist, kann die Kuppel besteigen und einen fantastischen Ausblick über den Vatikan und die Stadt Rom genießen.
Damit der Petersdom auch für zukünftige Generationen von Pilgern und Touristen erhalten bleibt, wird die Bausubstanz regelmäßig kontrolliert. Dass diese auch nach 500 Jahren immer noch sehr gut und gesund sei, bestätigte 2006 der damalige Erzpriester der Basilika, Kardinal Francecso Marchisano.


