Wunderheilungen

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Der lange Weg bis zum Wunder
Es ist ein "wunderträchtiger Ort", davon berichten viele Pilger. Von jenen kleinen und großen Wundern, die sie auf ihrer Wallfahrt nach Lourdes erlebten. Persönliche Wunder sind es, die der Mensch erleben kann, wenn er sich auf den Weg macht, um sich seinen Glaubenswurzeln zu nähern.Wunder der großen Gemeinschaft sind es, in der Solidarität, Toleranz und Hilfsbereitschaft in einer Intensität erfahren werden können wie sonst nie. Aber eben auch jene medizinische Wunder, die dem Wallfahrtsort einen weltweiten Ruhm gebracht haben. Wunder, ohne die der Ort in Südfrankreich wohl kaum seine heutige Bedeutung hätte entwickeln können.
Gerade zu Beginn der Wallfahrtsgeschichte in Lourdes spielten die Wunderheilungen eine entscheidende Rolle. Schon im Jahr der Erscheinungen des damals 14-jährigen Hirtenmädchens Bernadette Soubirous wurden sieben Heilungen von den zuständigen Stellen als Wunder anerkannt. Ein wichtiges Argument auch im Prozess der Anerkennungen der Erscheinungen.
Die Erscheinungen sind göttlichen Ursprungs
Denn in den für alle wahrnehmbaren Wundern wurden in ein direkter Bezug zu den nur von Soubirous wahrnehmbaren Erscheinungen erkannt: "Die Erscheinungen sind göttlichen Ursprungs, da die Heilungen einen göttlichen Stempel tragen", stellte der damalige Bischof Laurence fest.
Dem ersten Wunder vom 1. März 1858 sollten noch viele folgen: Damals tauchte die 38-jährige Catherine Latapie-Chouat ihren gelähmten Arm in das Wasser der Lourdes-Quelle und konnte ihn danach sofort wieder bewegen. Die Krankheiten und Behinderungen, von denen die Menschen im Folgenden durch den Kontakt mit dem Quellwasser erlöst wurden, waren dabei unterschiedlichster Art.
Fakt ist, dass von den insgesamt 6.000 Heilungen, die dokumentiert wurden, bislang nur 67 als Wunder anerkannt wurden. Denn der Weg zu einer solchen Anerkennung ist lang: Nur wenige außergewöhnliche Heilungen, von der die Pilger Zeugnis gaben, konnten auf dem Weg durch die unterschiedlichen Instanzen den Prüfungen standhalten.
Kritische Überprüfung
So gibt es in Lourdes ein "Medizinisches Büro" mit zwei Mitarbeitern, von denen einer ein praktizierender Arzt ist. Dieser Arzt erhält alle Berichte und Erklärungen über Heilungen und beginnt mit einer kritischen Überprüfung nach Kriterien, die bereits im 18. Jahrhundert aufgestellt worden sind. Erst wenn dieser Arzt den Bericht über die Heilung als seriös bewertet, beruft er ein medizinisches Gremium ein, das sich aus in Lourdes anwesenden Ärzten zusammensetzt. Ihre religiöse Überzeugung spielt dabei keine Rolle.
Kommt dieses Gremium wiederum zu einer positiven Bewertung wird das erarbeitete Dossier an das Internationale Medizinische Komitee von Lourdes weitergeleitet. Darin sitzen etwa 20 herausragende Mediziner unterschiedlicher Fachrichtungen. In diesem Komitee wird der Fall noch einmal intensiv geprüft, Fachliteratur zu Rate gezogen und weitere Spezialisten befragt. Die geheilte Person selbst wird in der Regel nicht kontaktiert.
Letztlich muss das Komitee nach Sichtung aller Unterlagen mit einer Zweidrittel-Mehrheit abstimmen, ob die Heilung auf der Basis des aktuellen medizinischen Forschungsstandes als "unerklärbar" zu bewerten ist. Schließlich ist die bischöfliche Behörde dafür zuständig, den "wunderbaren Charakter" der Heilung offiziell anzuerkennen. Sie erhält das Resultat des Komitees und kann weitere Prüfungen anordnen. Am Ende kann dann nur der Bischof der Heimatdiözese des Geheilten das Wunder offizielle anerkennen.
Neues Anerkennungsverfahren
Der letzte von den kirchlichen Behörden anerkannte Fall einer Wunderheilung stammt aus dem November 2005. Mittlerweile hat das Internationale Medizinerkomitee aber eine weitere Heilung als medizinisch unerklärlich bewertet. Im März 2006 übergaben sie das positive Resultat ihrer Prüfung den bischöflichen Behörden. Eine Frau war nach schwerer Leukämie-Erkrankung mit geringen Überlebenschancen nach einem Besuch in Lourdes genesen und lebt seither ohne Rückfall.
Der Bischof von Tarbes und Lourdes, Monsignore Jacques Perrier, stellte jüngst ein neues Verfahren zur Anerkennung von Wunderheilungen vor. Danach soll das Medizinerkomitee Heilungsberichte in drei Stufen prüfen, ob es sich um eine "unerwartete", "bestätigte" oder "außergewöhnliche" Heilung handele. Die neuen Regeln seien wegen des medizinischen Fortschritts nötig geworden, so Perrier. Ärzte und Wissenschaftler hätten sich zudem dafür ausgesprochen, den Begriff "unerklärlich" bei den Heilungen nicht mehr zu verwenden.
Von Michael Bönte
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