Meditation zum Mediensonntag

Wer wählt die Nachrichten aus, die uns täglich erreichen?
Einflüsse„Einen schönen Abend und eine geruhsame Nacht“. So endeten immer gleichlautend die Tagesthemen,wenn Ulrich Wickert sie moderierte.
Ein Gutenachtgruß für viele. Nur was vorher kam war meistens alles andere als geruhsam.
Die Uraltregel in der Journalistenausbildung gilt immer noch. Hund beißt Mann, ist keine Nachricht. Aber Mann beißt Hund, da kann man schon mal Bleistift, Mikrophon oder Kamera zücken.
Das Außergewöhnliche, das nicht Alltägliche, das Sensationelle schafft es in die Headline unserer Nachrichten Magazine.
Und das Schlimmste. Die Medien und das Spiel mit der Angst der Menschen.
Fast 90% der Nachrichten sind Negativnachrichten. Von Redaktionen ausgewählt, formuliert und vorgetragen. Skandale, Unfälle, Wirtschaftsprobleme. Nehmen wir die Dopinggeschichten einmal heraus, dann hat meist der Sport positive und beruhigende Funktion.
Solange Thommy Haas noch den Schläger in der Hand hat, Jogi Löw noch am Spielrand bangt und die Schumi-Nachfolger zur nächsten Million rasen, ist eigentlich doch noch fast alles in Ordnung.
Trotzdem waren sie meist vorher da, die Appetitverderber. Die Schocker, manchmal heftig, manchmal nicht mehr sonderlich aufregend. Man gewöhnt sich.
Dabei ist alles was wir sehen eh schon gefiltert, ausgesucht, im besten und öffentlich-rechtlichen Falle klug bedacht worden.
Jede Nachrichtenredaktion bedient sich aus einem Pool an Nachrichten und Bildern. Sieht manchmal Dinge, die wir Gott sei Dank nicht sehen, manche Lieferanten halten bei allem drauf.
Zeigen Elend in allen Facetten, überlassen die Entscheidung was von ihren Bildern gesendet wird anderen, die die Entscheidung übernehmen.
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Wer wählt aus, welche Realität im Fernsehen multipliziert wird, was notwendig ist oder schlicht überflüssig peinlich? „Viele hätten“, sagt der Kabarettist Dieter Nuhr, „das mit der Demokratie falsch verstanden. Man dürfe in der Demokratie zu allem eine Meinung haben, aber man müsse es nicht. Wenn sich das mal durchsetzten würde…“
Das Nein der Schüler damals in Erfurt nach dem Amoklauf, das Nein zu Auftritt und Kamera, ihr Schweigen und ihr Miteinanderreden, ihr Zusammenstehen, ihre Selbstinitiativen bis heute, das war damals die positive Nachricht, eine die fast unterging.
Medien verdienen weder Verdammung noch sind sie heilig zu sprechen. Verantwortungsvollen Gebrauch und verantwortungsbewusste Gestaltung sind die Stichworte. Banal aber wahr.
Die Kirche kann mithelfen, die Kirche muss auf den Marktplatz, und ihre Verkünder mittenrein ohne Scheu.
Mit ihren Mitteln, mit ihren Medien. Nicht anbiedern, nichts verfälschen, nur übersetzen.
Das Wort finden, das man versteht, das gesagt werden kann und muss, wenn‘s drauf an kommt.
Blicke öffnen, Orientierung geben. Die Fragen stellen, die sonst keiner stellt.
Der Flut der Reize nicht willenlos erliegen.
Nein sagen können, auswählen, auch den Kindern zuliebe.
Sie sehen genau hin, was wir sagen und was wir tun.
Sich selbst nicht verlieren, nicht gelebt werden, sondern leben.
Von Gott reden, der uns begleitet bei unseren Entscheidungen, auf unseren Wegen und Umwegen. In dieser Welt, die so ist, wie sie ist.
