Ein Name mit Tradition
Die katholische Kirche kennt mehrere Heilige dieses Namens
Der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger hat sich nach seiner Wahl zum Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche am 19. April 2005 für den Namen Benedikt XVI. entschieden. Die katholische Kirche kennt mehrere Heilige dieses Namens.Benedikt von Nursia
Benedikt (lat.: der Gesegnete) ist der Name des Begründers des abendländischen Mönchtums, Benedikt von Nursia (um 480–547). Auf einem Berg bei Cassino baute der heilige Benedikt eine Mönchsgemeinschaft auf und verfasste dafür eine 73 Kapitel umfassende Regel. Kernsatz dieser Regel ist das "Ora et labora" (Bete und arbeite). Benedikt von Nursia starb vermutlich im Jahre 547 in Monte Cassino. Benedikt von Nursia gilt auch als "Patron Europas".
Benedikt XV.
Als Benedikt XVI. hat sich Joseph Ratzinger in die Tradition von Benedikt XV. gestellt. Dessen Pontifikat war geprägt vom Ersten Weltkrieg und aufgrund seines engagierten Auftretens gegen den Krieg wurde Benedikt XV. als "Friedenspapst" bekannt. Benedikt XV. wurde 1854 als Giacomo della Chiesa in Genua geboren. Im Mai 1914 wurde Chiesa zum Kardinal ernannt. Als das Papstamt durch den Tod Pius X. vakant war, hielt er eine Rede, in der er die Notwendigkeit von Neutralität beschwor und den Willen zum Frieden betonte. Nur wenige Wochen später, am 3. September 1914, wurde Chiesa zum Papst gewählt. Als Benedikt XV. hat er mit zahlreichen humanitären Aktionen die Kriegsnot zu lindern versucht. Innerkirchlich hat Benedikt XV. eine Kurskorrektur betrieben. Hatte sein Vorgänger Pius X. noch für den gesamten Klerus den Antimodernisteneid vorgeschrieben, so versöhnte Benedikt die beiden kirchlichen Lager der Traditionalisten und der Modernisten wieder miteinander. In seine Amtszeit fiel auch die Fertigstellung des "Codex Iuris Canonici", des Gesetzbuches der römisch-katholischen Kirche, welches die Kirchenstrukturen vereinheitlichte. Benedikt XV. starb am 22. Januar 1922 in Rom.
"Christus allem voranzustellen"
Laut dem Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, bezieht sich Papst Benedikt XVI. auf zwei Personen: auf Papst Benedikt XV. und auf den heiligen Benedikt von Nursia. Im Interview mit Radio Vatikan sagte Schönborn auf die Frage, warum Joesph Ratzinger diesen Namen gewählt habe: "Er hat es selbst erklärt mit einer kleinen, ein bisschen ironischen Bemerkung: Das Pontifikat von Benedikt XV. war ein kurzes. Er war der Friedenspapst in der schweren Kriegszeit. Und dann hat er sich auf Benedikt, den Vater des Mönchtums, bezogen, den Patron Europas als Glaubenden und vor allem dieses eine Wort aus der Regel: 'Christus allem voranzustellen.' Was aus dieser Haltung heraus gekommen ist, das ist ihm Vorbild."
Reverenz an die Heimat?
Benedikt XVI. scheint mit seiner Namenswahl auch seiner oberbayerischen Heimat eine Reverenz zu erweisen. In Oberbayern hat der Benediktinerorden eine große Rolle gespielt – nicht zuletzt auch das Kloster "Benediktbeuern".
Papstnamen in der Geschichte
Papst Johannes II. (533-535) hat seinen Taufnamen "Mercur" als nicht geeignet für einen Papstnamen angesehen - schließlich ist Mercur der Name eines heidnischen Gottes. Üblich wurde der Namenswechsel für den Pontifex aber erst seit Beginn des zweiten Jahrtausends. Päpste dürfen ihren Namen frei wählen. Viele nehmen die Namen bedeutender Vorgänger an (zum Beispiel Leo oder Gregor) oder auch die Namen von Heiligen. Der erste Papstname, der wiederholt gewählt wurde, war Sixtus. Seitdem bekommen die Namen, die zum wiederholten Male auftauchen, eine römische Ziffer als Zusatz. 1978 gab es erstmals einen Doppelnamen: Johannes Paul I. wollte damit seinen Vorgängern Johannes XXIII. und Paul VI. huldigen. Der beliebteste Papstname ist bisher Johannes, 23 mal trug ein Papst diesen Namen. Mit Abstand folgen Gregor, Benedikt und Clemens.
