"Die Kirche lebt und sie ist jung"
Hunderttausende begeisterte Pilger bei Benedikts Amtseinführung
Vatikanstadt - "Die Kirche lebt und sie ist jung", sagt der 78-jährige Papst Benedikt XVI. bei seiner Amtseinführung auf dem Petersplatz. Und mehrere hundertausend Pilger aus aller Welt, darunter viele Deutsche, applaudieren. Fahnen von Ländern aus aller Welt werden geschwenkt. Doch neben deutschen sind vor allem bayerische zu sehen - aus der Heimat des neuen Papstes.Bei Frühlingswetter bot der von Menschen gefüllte Petersplatz ein festliches Bild: Neben dem Fahnenmeer war der Vorplatz des Petersdoms mit 7.000 Rosen und vielen tausend anderen Blumen geschmückt. Unter den Pilgern waren besonders viele Menschen aus Bayern. Allerdings: Für alle Nicht-Italiener war die rund halbstündige Ansprache Benedikt XVI. anstrengend - denn sie wurde von Anfang bis Ende auf Italienisch gehalten.
Rund 30 Mal applaudierten die Menschen auf dem Platz und auf der Via della Conziliazione. Viele von ihnen waren Italiener, die den Worten des Papstes folgen konnten. Am Ende der Rede gab es neben stürmischem Applaus Sprechchöre "Benedetto, Benedetto!" "Mir gefällt es, dass der 'Hirte' ein Deutscher ist", stand in Italienisch auf einem Plakat.
Benedikt XVI. wirkte an diesem wichtigen Tag gefasst und etwas angespannt. Seine Stimme war klar, immer wieder lächelte er und winkte der Pilgermenge zu. Zu seiner Amtseinführung trug er eine mit Edelsteinen besetzte und goldbestickte Mitra seines Vorgängers Johannes Paul II.
Zu Beginn der feierlichen Amtseinführung hatte das neue Kirchenoberhaupt am Grab des Apostels Petrus im Petersdom gebetet. Während der Messe war dem Papst eine mit fünf roten Kreuzen bestickte lange Wollstola, das so genannte Pallium, umgelegt worden. Neu war auch der Ring, den der Papst erhielt. In ihm ist das selbe Fischer-Symbol eingraviert, das auch im päpstlichen Siegel enthalten ist.
An der festlichen Amtseinführung nahmen zahlreiche Staatsoberhäupter, Regierungsdelegationen und religiöse Führer unterschiedlicher Konfessionen und Religionen teil. Deutschland war unter anderen durch Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Bayerns Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) vertreten.
Viele deutsche Pilger hatten sich sofort nach der Papstwahl ein Flugticket besorgt - und machten sich schon in der Nacht zum Sonntag zum Petersplatz auf, um einen guten Platz zu erwischen. Wen immer man von ihnen fragte: Alle waren begeistert, dass mit Benedikt XVI. ein Landsmann neuer Papst geworden ist. "Das hat nichts mit Nationalismus zu tun", betonte ein Kölner Pilger. "Endlich können wir Deutsche auf etwas wirklich Gutes stolz sein", sagte er und schwenkte eine deutsche Fahne. Eine Religionslehrerin aus dem bayerischen Wunsiedel meinte: "Es ist fantastisch, dass er Deutscher und Bayer ist."
Am Ende der über zweieinhalb Stunden langen Zeremonie bestieg Benedikt XVI. erstmals das Papamobil. Unter dem Beifall der Pilger wurde er stehend in dem offenen weißen Wagen durch die Korridore auf dem Petersplatz gefahren.
Etwa zehn Minuten lang segnete der neue Papst lächelnd die jubelnde Menschenmenge. Dann ging es zurück in den Vatikan.
Dort wartete zum Abschluss noch der Empfang für die offiziellen Delegationen im Petersdom. Sitzend grüßte der Papst einzeln die hohen Gäste, von denen die Deutschen als erste an der Reihe waren: Der Bundespräsident, der Bundeskanzler, der bayerische Ministerpräsident - jeweils mit Ehefrauen. Dabei sprach Benedikt XVI., der vor seiner Ernennenung zum Präfekten der Glaubenskongregation war, besonders lange mit seinen beiden Landsleuten - vielleicht auf Bayerisch.

