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Die Taube als Symbol der Heiligen Geistes.
Deutsche Päpste  Seite drucken

"Habemus papam"

Die Geschichte der deutschen Stellvertreter Christi

Rom - Einen Papst aus Deutschland - das hatte es bis zum Jahr 2005 seit 482 Jahre nicht gegeben. Seit Hadrian VI. 1523 starb, saßen nur noch Italiener auf dem Stuhl Petri - bis der Pole Karol Wojtyla die Tradition durchbrach. Seit dem 19. April 2005 ist Kurienkardinal Joseph Ratzinger Papst Benedikt XVI. 

Die offizielle Zählung der "deutschen" Päpste ist problematisch, ist doch der Begriff "deutsch", zumal im Mittelalter, geografisch schwer zu fassen. Zum Reich - dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nationen - zählte weit mehr als das heutige Deutschland. Kärnten, Elsass, Lothringen, Südtirol, die Niederlande - doch auch mit all diesen Regionen haben die Deutschen im abgelaufenen Jahrtausend nicht mehr als sieben Päpste hervorgebracht.

Die deutsche Vorhut bildete Brun, ein 24-jähriger Herzogssohn aus Kärnten, der als Gregor V. (996-999) seinen Verwandten Otto III. zum Kaiser krönte und sich danach recht rasch von ihm unabhängig machte. Die eigentliche Hoch-Zeit aber war ein halbes Jahrhundert später die so genannte Epoche der "deutschen Päpste": Nicht weniger als fünf Deutsche traten binnen elf Jahren die Petrusnachfolge an.

Engagement und Kirchenreform

Hintergrund war das religiöse Engagement Kaiser Heinrichs III., der die von den Klöstern ausgegangene Kirchenreform über Rom auf die Gesamtkirche übertragen wollte. Gegen die "Erbansprüche" des römischen Klerus setzte er die Wahl der Bischöfe Suidger von Bamberg als Clemens II. (1046/47) und Poppo von Brixen als Damasus II. (1048) durch. Doch beide starben verdächtig schnell - der zweite gar als ein "Papst der 23 Tage".

Beim dritten Versuch, der römischen Kirche den deutschen Reformwillen aufzuzwingen, gelangte mit Bruno von Dagsburg-Egisheim, dem später heilig gesprochenen Leo IX. (1049-1054), der wohl bedeutendste Papst aus deutschen Landen auf den Stuhl Petri. Als Bischof von Toul hatte sich der aus dem Elsass stammende Vetter Heinrichs III. um die Kirchenreform verdient gemacht.

Das fünfjährige Pontifikat ist eines der wichtigsten im Mittelalter, fallen doch die erfolgreiche Bekämpfung des Ämterkaufs bei Bischöfen, die Einschärfung des Pflichtzölibats, die Vorbereitung des Kardinalskollegiums als Leitungsgremium der Kirche, die Betonung des Primats des römischen Bischofs und die Spaltung von Ost- und Westkirche im Großen Schisma 1054 in diese Zeit.

Reform und Reformation

Für Kontinuität sorgten Bischof Gebhard von Eichstätt als Victor II. (1055-1057) und Stephan IX. (1057-1058), ein Bruder des Herzogs von Lothringen. Gerade von letzterem erwartete man ein kraftvolles Pontifikat, doch auch er starb früh. Besonders schwer einzuordnen ist Stephans Nachfolger Gerhard, Bischof von Florenz, der sich als Papst Nikolaus II. nannte (1058-1061). Er stammte aus dem französischen Burgund - oder doch aus Lothringen? Ein "deutscher Papst"? Eher nicht. Kaum mehr als 13 Jahre war der Stuhl Petri in 2.000 Jahren bislang "deutsch" - nur halb so lange also wie "polnisch".

Nach dieser geschichtsmächtigen Epoche gab es bis heute nur noch einen "deutschen" Stellvertreter Christi auf Erden. Die überraschende Wahl des asketischen Adrian von Utrecht als Nachfolger des leichtlebigen Medici-Papstes Leo X. ließ 1522, mitten in den theologischen Auseinandersetzungen um "Reform" oder "Reformation", noch mal Hoffnung auf eine radikale Umgestaltung der Kirche aufkeimen. Doch der Reformwillen des freudlosen und wenig kunstsinnigen Nordmanns prallte am Unwillen des kurialen Establishments ab. Hadrian VI. starb nach nur 20 Monaten - und die Spaltung der abendländischen Kirche nahm ihren Lauf.

Und dann war da doch noch - richtig, die Päpstin: Johanna, die bislang einzige "Petrusnachfolgerin". Hätte es sie wirklich gegeben, so wäre sie vielleicht tatsächlich im neunten Jahrhundert aus Mainz durch Irrungen und Wirrungen nach Rom gelangt und hätte unter Umständen für zwei Jahre die Geschicke der römischen Kirche geleitet haben können. Doch leider: Sie bleibt eine Legende des Mittelalters, die auch durch eine erfolgreiche Romanfassung des ausgehenden 20. Jahrhunderts nicht wahrer geworden ist.

Von Alexander Brüggemann (KNA)
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