Kloster Engelberg

Das Franziskanerkloster steht unter der Schirmherrschaft des Erzengels Michael
Wer auf dem kürzesten Weg auf den Engelberg im südlichen Spessart gelangen will, hat 612 steinerne Stufen vor sich: die "Engelsstaffeln". Wegkapellen mit Passionsszenen und Kreuzwegstationen säumen den Weg nach oben und laden zur Besinnung ein. Bis vor 50 Jahren hat man den Engelsstaffeln-Kreuzweg noch auf Knien gebetet. Aber man kann die 1637 angelegte "Himmelsstiege" auch zu Fuß erklimmen, um das Kloster mit dem symbolischen Namen zu erreichen.Die Bezeichnung geht auf eine heidnische Kultstätte zurück, die um 1300 in der Nähe des Klosters existiert haben soll. Auf einer Berghöhe mit dem Namen "Rulesberg" wurde eine einfache Holzkapelle errichtet und dem Erzengel Michael als Kämpfer gegen die heidnischen Götter gewidmet. Aus dem "Rulesberg" wurde im Laufe der Zeit der "Engelberg" und aus der Holzkapelle ein Kloster. Um 1310 wurde dann von unbekannter Hand eine Marienstatue aufgestellt, die heute als Gnadenbild in der Marienkapelle verehrt wird und zusammen mit der Verehrung des Erzengels Michael die Geschichte der Wallfahrt in der Region einläutete.
Die Kirche des Klosters Engelberg sollte man jedoch nicht nur bei einer Wallfahrt besuchen. Ein bisschen Zeit für die Besichtigung der Wallfahrtskirche ist einzuplanen, da es mit dem Haupt- und den beiden Seitenteilen Antoniuskapelle und Marienkapelle viel zu sehen gibt. Der triumphbogenartige Säulen-Hochaltar ist aus gewachsenem Fels und verweist damit auf die heidnische Frühzeit.
Besonders bemerkenswert sind die Deckengemälde. Gezeigt werden wichtige Szenen der Heilsgeschichte mit dem Wirken der Engel, darunter auch der „Engelssturz“, den Kampf des Erzengels Michael mit dem abtrünnigen Luzifer. Die Marienkapelle wurde Ende des 17. Jahrhunderts erbaut und beherbergt den Marienaltar mit dem Herzstück der Engelberger Wallfahrtskirche: dem Gnadenbild "Maria von der Freude". Auf der gegenüberliegenden Seite der Marienkapelle befindet sich die Antoniuskapelle, von der aus man Zugang zu der Fürstengruft der Familie zu Löwenstein hat.
Nach so viel Kirchengeschichte bietet die Klosterschänke eine stärkende Abwechslung. Nachdem bereits im 14. Jahrhundert die ersten Wallfahrten stattfanden, reichten seit der Klostergründung die Brüder den Wallfahrern Brot und Bier durch die Klosterpforte. Im Jahr 1916 wurde zur Verköstigung der Gäste eine Pilgerstube eingerichtet, die Klosterschänke. Das dunkle Klosterbier vom Holzfass gehört genauso zu den Engelberger Spezialitäten wie das Gewürzbrot, der Klosterschinken oder Klosterkäse. Kenner schätzen besonders die Weine aus dem "Engelberger Klostergarten", eine der kleinsten offiziellen Lagen Frankens.Der Franziskusgarten bietet die nötige Entspannung, um den Klosterbesuch erfolgreich ausklingen zu lassen. Er wurde als Meditationsgarten angelegt. Seine ruhige Atmosphäre mit dem Franziskusbrunnen, der Kerzenkapelle und den Tafeln mit dem Sonnengesang des heiligen Franziskus laden die Besucher zum stillen Verweilen ein. Und der Blick von der Terrasse des Engelbergs hinunter in das Maintal bleibt allen Besuchern lange im Gedächtnis.
