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12.04.06 Seite drucken

Graffiti als Botschaft

Mit Spraydosen statt Pinseln setzen die Mitglieder der Gruppe "HPZ" ihre künstlerischen Ideen um.

Bistum Würzburg: Sprayer gestalteten Klostermauer

12.04.06 - Würzburg. Lange Haare, Kapuzenpulli, Bleistiftstummel im Ohrläppchen. Der Umgangston ist locker. So präsentieren sich Mitglieder einer Künstlergruppe aus Würzburg, die sich an einem außergewöhnlichen Projekt beteiligt haben. Im Zusammenhang mit dem Fastenkurs der Würzburger Augustiner zum Thema "Freiheit und Gesetz" gestalteten sie die Klostermauer neu: mit Graffiti.

Die Künstler des neuen Graffiti, alle Ende 20, nennen sich "HPZ". Das steht für "Hypozentrum", also eine Art unterirdisches Beben. Ihr Name scheint Programm zu sein, denn auch ihr zurückhaltendes Auftreten vor der Klostermauer fordert nicht viel "oberirdische" Aufmerksamkeit heraus. Doch wenn es um ihre Kunst geht, werden sie lebendig: das Sprayen und das Malen sei mehr als ein Hobby, vielmehr ihre Leidenschaft, bekannten sie. Einer von ihnen bedauert die geringe Anzahl an Sprayflächen. Vor allem für die Jugend sei dies sehr schade. Seit die Stadt vor ein paar Jahren bisher freie Graffiti-Flächen zurückgenommen habe, seien die Gestaltungsflächen rar geworden, was ihrer Meinung nach das heimliche und verbotene Sprayen fördere. Leider ließen die Verantwortlichen der Stadt nicht mit sich darüber reden.

Allein deshalb war ihnen die Einladung aus dem Kloster willkommen. Die Idee zu der Aktion war während der Vorbereitung des diesjährigen Fastenkurses entstanden. Die Augistiner hatten sich daraufhin an den Bechtolsheimer Hof, das Jugendzentrum in der Nachbarschaft, gewandt. Dort erinnerte man sich an einen der Künstler und vermittelte den Kontakt. Die Weichen für die Zusammenarbeit von Künstlern und Ordensleuten waren gestellt. Für Bruder Peter Reinl, Prior des Klosters, ist das Projekt ein wichtiges Beiprodukt des diesjährigen Fastenkurses. "Mit dieser Aktion wollten wir das Thema durch ein ganz anderes Medium aufgreifen. Das ist besonders reizvoll, weil das Graffito als Sprache für viele Menschen eher negativ besetzt ist", erklärte er.

Der diesjährige Fastenkurs hat sich auf vielfältige Art und Weise mit dem Thema "Freiheit und Gesetz" beschäftigt, musikalisch, wissenschaftlich, politisch und theologisch. Auf diese Weise wollten die Augustiner den Menschen kirchen- und gesellschaftspolitische Themen näher bringen. "Mit dieser Vielfalt von Ausdrucksformen, wozu auch die Graffiti zählen, wollten wir unterstreichen, dass alle Lebensbereiche sich im Spannungsfeld zwischen Freiheit und Gesetz bewegen müssen", erläuterte Reinl. "Eine einseitige Auflösung in die eine oder andere Richtung, ohne den jeweiligen Gegenpol, wäre dem Leben in Gesellschaft und Kirche abträglich." Christina Schwering

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