Bonn - Bildung eröffnet Teilhabechancen. Deshalb muss der Zugang zu Bildung allen offen stehen, unabhängig von ihrer Herkunft, dem sozialen Umfeld oder der persönlichen wirtschaftlichen Lage, fordert das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) in einer verabschiedeten Erklärung. Alle Menschen müssten entsprechend ihren Talenten und Interessen optimale Bildungschancen erhalten.
Es sei ein Ärgernis, so das ZdK, dass in Deutschland Bildungschancen überdurchschnittlich stark durch die soziale Herkunft bestimmt würden. Dies sei nicht hinnehmbar. Die soziale Diskriminierung im Bildungssystem versteht das ZdK in der Erklärung als eine gesamtgesell-schaftliche Aufgabe und richtet seine Forderungen an Wirtschaft, Gesellschaft und Politik in ihren verschiedenen Ressorts. Es gelte, alle Kräfte zu bündeln, um die skandalös engen Bin-dung des Bildungserfolgs von der Herkunft durch ein differenziertes Angebot aufzubrechen, so Thomas Sternberg, Sprecher des Sachbereichs „Kulturpolitische Grundfragen“ des ZdK.
"Bildung unabhängig von der Herkunft!"
In der Erklärung mit dem Titel "Bildung unabhängig von der Herkunft! – Gerechte Beteiligung an lebensbegleitender Bildung" legt das ZdK einen umfangreichen Forderungskatalog vor. Er reicht vom Ausbau frühkindlicher Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsangebote über die Stärkung der Schulen, die Verbesserung der Hochschul- und Berufsausbildung bis zur Förde-rung des ehrenamtlichen Engagements. Aufstiegs- und Teilhabechancen durch Bildung zu verbessern, müsse in allen Phasen des Lebenslaufs möglich sein.
Eine wesentliche Voraussetzung für gerechte Bildungschancen sind nach Auffassung des ZdK armutspräventive Maßnahmen. Daher fordert es, Bildungs- und Sozialpolitik stärker mitei-nander zu verzahnen und die Ausgaben zur Bildungsförderung in den Regelsätzen für Familien und ihre Kinder im ALG II-Bezug ausreichend zu berücksichtigen.
Weiter sei die Bildungsbeteiligung von Kindern aus Familien mit Zuwanderungsgeschichte dringend zu stärken. Dazu bedürfe es besonders einer frühen Sprachförderung, die durch eine flächendeckende Einführung von Analyseinstrumenten und Förderprogramme in Kinder-gärten und Grundschulen erreicht werden könnte. Die Möglichkeit des Spracherwerbs müsse
bedarfsgerecht in allen Lebensphasen eröffnet werden.
BAföG erhöhen
Für die Entscheidung junger Menschen aus einkommensschwachen und bildungsfernen Schichten ein Studium aufzunehmen, kommt dem BAföG eine zentrale Rolle zu. Eine kontinuierliche Anpassung an die Entwicklung der Lebenshaltungskosten sei zu gewährleisten. Daher unterstützt das ZdK Bildungsministerin Schavan in ihrem Anliegen, das BAföG im kommenden Jahr zu erhöhen.
Ausdrücklich betont das ZdK die Bedeutung ehrenamtlichen Engagements für den Erwerb von Kompetenzen. Daher fordert es einerseits, allen Kindern und Jugendlichen in den Schulen einen Zugang zum Ehrenamt zu eröffnen. Andererseits gelte es, die Vielzahl von erfolgreichen Patenschaft- und Mentoringprogrammen, in denen ehrenamtliche Mentoren Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien in unterschiedlichen Lebenssituationen unterstützen, gezielt auszubauen.
Nachdrücklich fordert das ZdK die Einhaltung des Vorhabens des "Bildungsgipfels", den Anteil der Bildungs- und Forschungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt bis zum Jahr 2015 auf insgesamt zehn Prozent zu steigern.