Vatikanstadt - Wem noch ein guter Vorsatz fürs neue Jahr fehlt, für den hat Papst Benedikt XVI. einen Vorschlag: das Weltklima retten. Den bei der Neujahrsmesse in Sankt Peter anwesenden Botschaftern, Tausenden Menschen auf dem Petersplatz und den über Radio und Fernsehen verbundenen Hörern redete das Kirchenoberhaupt ins Gewissen. Jeder Einzelne sei gefragt, um die ökologische Wende zu vollziehen und "neue Lebensstile" einzuüben. 2010 soll, so der Papst, ein Jahr werden, "in dem wir mit Gottes Hilfe das gemeinsame Haus, das die Welt ist, ein bisschen besser machen können".
Ökologie ist die Parole, auf die das geistliche Oberhaupt seine über eine Milliarde Gläubigen, die Staatenlenker der Welt und alle Menschen guten Willens einschwören will. Alljährlich begeht die katholische Kirche den 1. Januar als Weltfriedenstag; diesmal steht er unter dem Titel: "Willst du den Frieden fördern, so bewahre die Schöpfung". Eine gerechte und nachhaltige Nutzung der Ressourcen, der Kampf gegen den Klimawandel sind aus Sicht des Kirchenführers längst zu einer Schlüsselfrage für das friedliche Zusammenleben auf diesem Planeten geworden.
Diskret, aber deutlich
Diskret, wie es sich für Päpste gehört, mahnt Benedikt XVI. die Regierenden, in Sachen Umweltschutz endlich in die Hufe zu kommen. Der Klimagipfel in Kopenhagen habe "noch einmal die Dringlichkeit konzertierter Leitlinien auf Weltebene" gezeigt. Sein Verzicht auf lobende Worte für die Konferenz ist beredt. "Wir alle sind für den Schutz und die Bewahrung der Schöpfung verantwortlich", betont der 82-Jährige. Seine Mahnung beim Mittagsgebet geht an Bürger, an Familien und lokale Verwaltungen. Aber eben auch an die Großen der Politik.
Deren diplomatische Vertreter saßen am Morgen in der Basilika und hörten die Predigt des Papstes. Auch dort sparte er nicht an konkreten Forderungen wie einer Erziehung der jungen Generation zu mehr Umweltbewusstsein. Aber er holte auch theologisch weiter aus:
Nur in dem Maß könne der Mensch die Schöpfung lieben, wie er einen Lebenssinn erkenne. In einer Kultur, die zum Nihilismus neige, müsse die Natur zwangsläufig die Konsequenzen tragen, warnte Benedikt XVI.
Gleichgültigkeit gegenüber der Umwelt "unverantwortlich"
Klarere Töne noch als seine Predigt schlägt die Friedensbotschaft des Papstes an. Sie wurde schon am 15. Dezember - just während des Kopenhagener Gipfels - veröffentlicht und in persönlichen Exemplaren die Staatenlenker der Welt versandt. Darin nennt er den missbräuchlichen Umgang mit den Ressourcen der Erde nicht weniger besorgniserregend als den Terrorismus. Angesichts des Klimawandels, der Ausbreitung von Wüsten und dem Artensterben sei jede Gleichgültigkeit "unverantwortlich". Warnend verweist der Papst auch auf Konflikte um Trinkwasser und Rohstoffe, auf die Folgen der Abholzung von Tropenwäldern und auf die Masse derer, die von Umweltschäden auf die Flucht getrieben werden.
Benedikt XVI. kritisiert fehlenden politischen Weitblick und kurzsichtige Wirtschaftsinteressen. Erst wenn die Menschheit ein moralisches Fundament für Wirtschaft, Ökologie und Gesellschaft wiederfinde, könne das Geflecht globaler Krisen zur "historischen Chance" für eine neue globale Entwicklung werden. Denn für ihn darf nicht die Angst vor der Katastrophe handlungsleitend sein, sondern die "Suche nach einer echten Solidarität in weltweitem Umfang".
Industrienationen in der Pflicht
Zurückstecken und Nachhaltigkeit fordert er zuerst von den Industriestaaten. Gerade sie müssten den Energiebedarf reduzieren, umweltverträgliche Energiequellen suchen und eine gerechte Neuverteilung der Ressourcen fördern. Die Kosten für die Nutzung dieses Planeten dürften nicht zu Lasten der armen Nationen und der zukünftigen Generationen gehen, so das Kirchenoberhaupt.
Von Burkhard Jürgens (KNA)