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Ethik 24.01.2010 Seite drucken

Wanke: Glaube kein ethischer Garant des Guten

Joachim Wanke ist Bischof von Erfurt und Leiter der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz.
©Bistum Erfurt
Joachim Wanke ist Bischof von Erfurt und Leiter der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz.

Experten diskutieren über "Humanismus mit und ohne Gott"

Berlin - Die christliche Ethik der Nächstenliebe wird nach Überzeugung des Erfurter Bischofs Joachim Wanke wesentlich für die humane Gestaltung der Gesellschaft. Die "Empathiebereitschaft" des Christen aus dem Glauben an Gott habe eine große Bedeutung, erklärte Wanke am Freitagabend in Berlin. Diese Haltung sei auch wesentlich für das "angehende Weltgespräch der Religionen" sowie den Austausch mit säkularen Ethiken. Wanke, der die Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz leitet, äußerte sich bei einer Veranstaltung der Katholischen Akademie zum Thema "Humanismus mit und ohne Gott" im Bundespresseamt.

Zugleich betonte der Bischof, der Christ wolle sich mit seiner Ethik nicht über andere erheben. Dazu habe er angesichts eigenen Versagens in der Geschichte keinen Grund. Der Glaube sei kein ethischer Garant des Guten, aber er könne darin einweisen. Die Quelle christlichen Handelns sei nicht eine reine Pflicht, sondern sie speise sich aus der Dankbarkeit gegenüber Gott. Wer sich selbst angenommen wisse, könne auch sich selbst und den anderen annehmen. Wanke stellte zugleich die Frage, ob man mit einer rein naturalistischen Betrachtung der Nächstenliebe etwa die unantastbare Würde behinderter Menschen ausreichend schützen könne.

"Blutfordernder Gott"

Der Freiburger Fundamentaltheologe Magnus Striet zeigte sich überzeugt, dass die Inhalte eines Humanismus in einer pluralen Gesellschaft nicht mehr unter Berufung auf Gott oder allgemeiner auf Religion ausgehandelt werden könnten. Der gegenwärtige Humanismus sei praktischer Natur und begründe die unbedingte Würde ausschließlich in der menschlichen Person. Dies sei eine geschichtliche Errungenschaft, die allerdings wieder verloren gehen könne.

Nach Striets Ansicht wurde auch das Christentum selbst - nach heutigem Verständnis von Humanität - erst "durch eine mühsame Geschichte hindurch humanisiert". Dieser Humanismus habe sich gegen eine bestimmte Gottesvorstellung durchsetzen müssen. Dabei bezog er sich auf das "Sühnedenken" und einen "blutfordernden Gott". Der "heute human vertretbare Begriff von Gott" sei auch deshalb zustande gekommen, "weil das Menschenwürdeethos sich gegen vorangegangene Konzeptionen des Gottesdenkens zur Wehr setzte", so Striet. In diesem Sinne habe "die Vernunft den Glauben gereinigt und nicht umgekehrt".

"Selbstvergötterung" des Menschen

Der emeritierte Berliner Philosoph Herbert Schnädelbach warnte in seinem Beitrag vor einem "metaphysischen Humanismus", wie er vom Humanistischne Verband und der Giordano-Bruno-Stiftung vertreten werde. Er tendiere zur "Selbstvergötterung" des Menschen, weil er den Menschen an die Position Gottes stelle. Dabei könne es Übergänge zum Stalinismus geben, wenn irgendein Mensch als das höchste Wesen angesehen werde. In diesem Sinne sei es wiederum ein "konfessioneller Humanismus".

Schnädelbach selbst sprach sich jenseits einer religiösen Begründung für einen "skeptischen Humanismus" aus. Dieser beruhe auf der Hoffnung nach einem solidarischen Selbstverständnis des Menschen als fehlbarem, gefährdetem, sterblichem auch ängstlichem Wesen, das aber auch Freude haben könne. Als eine Quelle dieser Solidarität nannte er die Einsicht, "dass wir ganz alleine sind auf der Erde". Ein solcher Humanismus sei aber vereinbar mit einem religiös verstandenen Humanismus, der den Menschen nicht wieder in den Mittelpunkt stelle.

Von Christoph Scholz (KNA)

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