München - In Katastrophen wie dem schrecklichen Erdbeben in Haiti sieht der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, eine Prüfung des Glaubens. Bei solchen Naturkatastrophen stellten Betroffene wie auch viele Menschen hier die Fragen: „Wie kann Gott das zulassen? Wie soll ich an einen gütigen Gott glauben, der hunderttausende Menschen durch nicht von Menschen verursachte Naturkatastrophen zu Grunde gehen lässt?“, sagte Marx in einem Beitrag für das Hörfunkprogramm des Bayerischen Rundfunks.
Auch er als Bischof habe darauf keine letzte Antwort und niemand habe einen Anspruch darauf, alles zu verstehen. Dies gelte nicht nur im Blick auf die schrecklichen Bilder aus Haiti, sondern auch auf die vielen einzelnen Lebensschicksale. Man frage sich, warum etwa ein Felsbrocken zwei Menschen erschlage. „Ich kann auf diese Frage keine letzte Antwort geben, aber ich weiß, dass dann, wenn es keinen Gott gibt, all diese Leiden sinnlos sind und die Menschen noch tiefer in die Nacht gestoßen werden“, sagte Marx.
Menschen können als Familie empfinden
Christen glaubten an einen Gott, dem es nicht gleichgültig sei, was mit den Menschen geschehe. Nur der Glaube an einen Gott, der sich selbst ins Leid der Welt hinein begeben habe, lasse diesen Menschen Gerechtigkeit widerfahren. „Der Blick auf den gekreuzigten Gott ist keine einfache Antwort, aber die einzige Hoffnung“, so der Erzbischof. Deshalb versammelten sich die Gläubigen jeden Sonntag, um den Tod und die Auferstehung Jesu zu feiern, zusammen mit den Verstorbenen und allen Opfern der Geschichte.
Nach Ansicht des Erzbischofs habe die weltweite Reaktion auf das Erdbeben in Haiti gezeigt, wie sehr die Menschheit sich auch als Familie empfinden könne, wenn eine solch schreckliche Katastrophe ein Land heimsuche. „Wichtig ist jetzt vor allem, dass die Hilfe die Opfer erreicht und Schritt für Schritt ein Weg gefunden wird, dass die Menschen in Haiti wieder eine Lebensperspektive bekommen“, sagte Marx. Die Kirche in Deutschland werde über die Hilfswerke diese Arbeit der Kirche vor Ort intensiv unterstützen. Der Erzbischof dankte allen, die die Arbeit dieser Hilfswerke durch ihre Spenden ermöglichen und als Helferinnen und Helfer derzeit vor Ort ihren Beitrag leisten.