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Missbrauch 08.03.2010 Seite drucken

Bistum Osnabrück mit "Vier-Punkte-Plan"

Der Osnabrücker Generalvikar Theo Paul.
©Bistum Osnabrück
Der Osnabrücker Generalvikar Theo Paul.

Orientierung an Katalog der Bischofskonferenz

Osnabrück - Der Osnabrücker Generalvikar Theo Paul hat den Willen des Bistums zur Aufklärung von Missbrauchsfällen bekräftigt. Im Bistum Osnabrück werde alles getan, um sexuellen Missbrauch aufzudecken, zu verfolgen und in Zukunft zu verhindern, sagte Paul bei einer Pressekonferenz in Osnabrück. "Jeder einzelne Fall von Kindesmissbrauch war und ist ein schlimmes Verbrechen, dessen Aufklärung wir nach Kräften fördern", so der Generalvikar. Im Moment gebe es im Bistum aber keine aktuellen Verdachtsfälle.

Die in der letzten Zeit vermehrt aufgedeckten Fälle von Missbrauch Minderjähriger im Raum der Kirche hätten das Bistum tief erschüttert und veranlasst, den Umgang mit Missbrauchsfällen in Gegenwart und Vergangenheit zu überprüfen. Kirche müsse in erster Linie an den Schutz der Opfer denken, so Paul. Dabei ging er auch auf den neuen Maßnahmenkatalog der deutschen Bischöfe zur Überprüfung und Verbesserung des kirchlichen Umgangs mit diesem Thema ein. Auch das Bistum Osnabrück setze auf einen "Vier-Punkte-Plan": Wahrheit aufdecken, Leitlinien auswerten, Prävention stärken und Verantwortung verorten.

 Dazu führte Paul aus:

"1. Die Wahrheit aufdecken
Die deutschen Bischöfe haben „ehrliche Aufklärung“ angekündigt, „frei von falscher Rücksichtnahme, auch wenn uns Vorfälle gemeldet werden, die schon weit zurückliegen“.
Das liegt auch uns am Herzen. Wir gehen deshalb jedem Hinweis auf mögliche Missbrauchsfälle in unserem Bistum nach. Wenn sich abzeichnet, dass sich ein Verbrechen ereignet hat, schalten wir die Staatsanwaltschaft ein. Wir rufen an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich dazu auf, die beauftragten Ansprechpartner für Opfer sexuellen Missbrauchs zu kontaktieren, wenn es Verdachtsfälle von Kindesmissbrauch in unserem Bistum gibt. Was die weitere aktive Aufarbeitung unserer Bistumsvergangenheit angeht, so werden wir in diesem Zusammenhang auch eng mit der von den Bischöfen angekündigten zentralen Stelle für Missbrauchsfälle bei der Deutschen Bischofskonferenz zusammenarbeiten.

2. Die Leitlinien auswerten
Wir haben unmittelbar nach Erscheinen der Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger im Jahr 2002 eine Kommission eingerichtet, die bei Meldung eines Verdachts zum Einsatz kommt. Von Beginn an haben wir darauf Wert gelegt, dass diese Kommission nicht nur mit Priestern und Kirchenmitarbeitern besetzt ist, sondern auch mit externen, unabhängigen Experten. Neben der auch als Ansprechpartnerin für Opfer genannten Frauenärztin Frau Dr. Witschen-Hegge gehört dazu der ehemalige Oberstaatsanwalt Heribert Günter, der heute anwesend ist. Herr Günter wird gleich über die Arbeitsweise der Kommission berichten, die sich in den vergangenen Jahren bewährt hat. Grundsätzlich werden aber auch wir in den nächsten Wochen überprüfen, inwiefern die bestehenden Leitlinien der Bischofskonferenz und die Zusammensetzung der Kommission für unser Bistum weiter angepasst werden müssen.

3. Die Prävention stärken
Wir sind überzeugt: Wirksame Prävention ist der beste Opferschutz. Im Hinblick auf die von den Bischöfen angekündigte Verbesserung präventiver Maßnahmen haben wir schon in den vergangenen Jahren zum Beispiel bei der Berufseinführung von Priestern und anderem pastoralen Personal Schulungsmodule zur Gestaltung von Nähe und Distanz im kirchlichen Beruf eingeführt. Auch in den Gruppenleiterschulungen für Kinder- und Jugendfreizeiten wird dieses Thema behandelt. Darüber hinaus werden wir mit den Verantwortlichen unserer Schulen über die Einführung von Präventionsprogrammen für potentielle Opfer, etwa nach dem Motto „Mein Körper gehört mir“, sprechen.

4. Verantwortung verorten
Mit unserer direkt vom Bischof eingesetzten Kommission ist die Verantwortung für den Umgang mit Missbrauchsfällen in unserem Bistum jenseits der Verwaltungsstruktur bereits gut verortet. Wir begrüßen ausdrücklich die angekündigte Einrichtung einer zentralen Stelle bei der Deutschen Bischofskonferenz und erhoffen uns dadurch eine insgesamt bessere Vernetzung hinsichtlich der Aufklärung von Missbrauchsfällen in Vergangenheit und Zukunft, hinsichtlich des Umgangs mit Tätern und Opfern und hinsichtlich verbesserter präventiver Maßnahmen."

Dem Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode und allen Mitarbeitern läge die Aufklärung konkreter Verdachtsfälle im Bistum und ein offener und transparenter Umgang mit dem Thema sexueller Missbrauch in Kirche und in der Gesellschaft sehr am Herzen, so Paul. Dennoch müssten bei allem berechtigten öffentlichen Interesse auch immer der Schutz der Opfer im Blick behalten werden. Auch für Verdächtige müsse bist zum Erweis des Gegenteils die Unschuldsvermutung gelten.

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