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Missbrauch 10.03.2010 Seite drucken

"Ministerin will Frust über Kirche loswerden"

Steht wegen ihrer Kritik in der Kritik: Bundesjustizministerin Sabnie Leutheusser-Schnarrenberger (FDP)
©BMJ/Cha­pe­ron
Steht wegen ihrer Kritik an der Kirche nun selbst in der Kritik: Bundesjustizministerin Sabnie Leutheusser-Schnarrenberger (FDP)

Kritik an Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger

Berlin - Im Streit zwischen Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) und Kirchenvertretern stärken Unionspolitiker den Bischöfen den Rücken. Die Ministerin versuche, "ihren Frust über die katholische Kirche" loszuwerden, sagte der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis "Spiegel online". Ihr gehe es "nicht mehr um Aufklärung, sondern um einen Angriff auf die katholische Kirche".

In der Auseinandersetzung um die Aufklärung von sexuellem Missbrauch durch Geistliche hatte Leutheusser-Schnarrenberger der Kirche vorgehalten, eine Direktive der vatikanischen Glaubenskongregation von 2001 schreibe vor, dass auch schwere Missbrauchsfälle zuallererst der päpstlichen Geheimhaltung unterlägen und nicht an staatliche Behörden weitergegeben werden sollten. Diese Darstellung sei falsch, erklärte die Deutsche Bischofskonferenz am Dienstag.

Zu der von der Ministerin geäußerten Kritik an einer "Schweigemauer" in katholischen Einrichtungen sagte der innenpolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe, Stephan Mayer: "Eine Schweigemauer kann ich in der katholischen Kirche beim besten Willen nicht erkennen." Die Bischofskonferenz habe deutlich gemacht, dass sie bei Missbrauch keine Toleranz gelten lasse. "Wenn es Verfehlungen gab - und es gab sie -, dann muss diesen nachgegangen werden", so Mayer. Man dürfe aber nicht "die katholische Kirche in Bausch und Bogen an den Pranger" stellen.

Auch aus der CDU kam Kritik an Leutheusser-Schnarrenberger. Mit der Konzentration ihrer Forderungen auf die Kirche sei die Ministerin nicht auf der Höhe der Diskussion, betonte Unionsfraktionsvize Günter Krings. Zwar liege dort ein Schwerpunkt bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals: "Wer das Problem aber auf die katholische Kirche beschränkt, der hat das Problem nicht voll erfasst."

Zuvor hatten bereits mehrere Repräsentanten der Kirche die Kritik der Ministerin zurückgewiesen. Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller forderte sie auf, Beweise für ihre Anschuldigungen vorzulegen oder andernfalls "ihre Amtsautorität nicht für derartige Übergriffe zu instrumentalisieren".

© KNA
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