Bonn - Der frühere Augsburger Bischof Walter Mixa hat offenbar kaum Chancen, in sein Amt zurückzukehren. Zwar werde Papst Benedikt XVI. den Bischof in den "nächsten Wochen" in Audienz empfangen. Es sei jedoch "nicht anzunehmen, dass die Entscheidung des Papstes noch einmal geändert werde", sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Rom.
Mixa hatte in der Zeitung "Die Welt" deutschen Bischöfen und der Bistumsleitung in Augsburg schwere Vorwürfe im Zusammenhang mit seinem Rücktritt gemacht. Auf ihn sei massiver Druck ausgeübt worden. Daher erwäge er einen Gang vor das Appellationsgericht des Papstes, um seinen Amtsverzicht anzufechten.
"Alles rechtmäßig gelaufen"
Die bayerischen Bischöfe wiesen Mixas Behauptung zurück, sein Rücktritt sei unter Mitwirkung anderer Bischöfe erzwungen worden. "Es ist alles rechtmäßig gelaufen", sagte der Sprecher der Freisinger Bischofskonferenz Bernhard Kellner in München. "Zum Schutz des emeritierten Bischofs sehen wir davon ab, Einzelheiten öffentlich auszubreiten." Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, schloss sich dieser Erklärung an.
Kellner erklärte namens der Freisinger Bischofskonferenz, die Bischöfe wünschten Mixa "weiter gute Genesung". Sein Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik sei "ein wichtiger erster Schritt" gewesen. Auch die Diözese Augsburg ließ wissen, es sei ihr nicht an einer öffentlichen Auseinandersetzung mit Mixa gelegen. Die Bistumsverantwortlichen hätten "das Richtige und Notwendige getan". Sie seien nun bemüht, Mixa zu helfen, "für sich eine gute Zukunft zu planen". Dies müsse er aber auch wollen.
Rücktrittsangebot am 21. April
Mixa hatte am 21. April nach einer wochenlangen Debatte um seine Person dem Papst seinen Rücktritt angeboten. Dieses Gesuch nahm Benedikt XVI. am 8. Mai an. Jetzt gibt Mixa an, er habe seinen Rücktritt am 24. April zurückgenommen.
Bei der Kritik ging es zunächst um den Vorwurf, Mixa habe als Stadtpfarrer von Schrobenhausen in den 1970er und 1980er Jahren Heimkinder verprügelt und Geld der Trägerstiftung zweckentfremdet. Nach anfänglichem Abstreiten gab der Bischof körperliche Züchtigungen von Kindern teilweise zu. Ein von der Stiftung eingesetzter externer Sonderermittler hat die Vorwürfe weitgehend bestätigt. Diesen liegen unter anderem eidesstattliche Versicherungen acht ehemaliger Heimkinder zugrunde.
Keine Erinnerung an "Prügelstrafen"
In dem Interview sagte Mixa, er könne sich bis heute nicht an die "Prügelstrafen" erinnern. Zugleich gab er zu, an körperlichen Züchtigungen beteiligt gewesen zu sein, "wie sie damals in der Jugendarbeit - erst recht mit sogenannten schwer erziehbaren Kindern - üblich und bis 1980 auch rechtens waren". Es sei aber "sicher ein Fehler gewesen, dass ich das nicht gleich, sondern erst so spät eingeräumt habe".
Der Diözesanrat im Bistum Augsburg forderte unterdessen vom Vatikan die rasche Ernennung eines Nachfolgers. Dies sei zur Beruhigung im Bistum dringend nötig, sagte der Diözesanratsvorsitzende Helmut Mangold. "Ich sehe nach wie vor keine neue Situation", so Mangold.