Alles verboten

Ein satirischer Wochenrückblick von Thomas Jansen

War's das? | Bonn - 11.11.2017

Da soll noch mal einer sagen, dieser Papst würde nicht auf seine Kritiker zugehen! Jetzt hat er allen Hardlinern, die ihm billige Barmherzigkeit vorwerfen, glatt die Kippe aus der Hand genommen: Ende des Jahres ist Schluss mit dem Verkauf steuerfreier Zigaretten im Vatikan, entschied Franziskus. Doch ganz verabschieden von der rauchenden Kirche für die Raucher will er sich offenbar nicht: Die richtig dicken Zigarren, die auf den Schenkeln junger Kubanerinnen gerollt werden, sollen vorerst auch weiterhin über die vatikanische Ladentheke gehen. Insider munkeln, der Papst habe Sorge gehabt manche Kardinäle würden sonst nicht mehr kommen.

Unterdessen zeichnete sich 500 Jahre nach der Reformation erneut ein theologische Kontroverse über das Eucharistie-Verständnis ab: Franziskus wandte sich am Mittwoch vehement gegen die Realpräsenz von Handys während der Wandlung. Ausgerechnet der Papst, der keinem Selfie ausweicht, tadelte seine Bischöfe und Priester dafür, dass sie ihr Smartphone in seinen Gottesdiensten hochhalten.

Der Verzicht auf Handys und Zigaretten wäre sicher auch schon einmal ein guter Anfang für die Richtlinien, die der Vatikan für den Umgang mit den Kindern von Priestern plant. Dem Vernehmen nach will man sich hierbei auch am Vorbild des deutschen Bundespräsidenten orientieren: Ab dem siebten Kind soll der Papst persönlich die Patenschaft übernehmen.

Ob die Kinder von Priestern später selbst einmal eine so unbeschwerte Zeit im Priesterseminar verbringen können, wie ihre Väter, ist inzwischen allerdings fraglich geworden. Gott selbst hätten zwar, wie wir aus der Bibel wissen, zehn Gerechte ausgereicht, um Sodom und Gomorrha noch einmal vor der Vernichtung zu bewahren. Doch für den Vatikan müssen es dann doch schon mindestens "17 bis 20" Priesteramtskandidaten sein, um eine Schließung des Seminars abzuwenden, wie jetzt aus Frankreich verlautete. Für eine Kirche, die in ihrer Geschichte von ein bis drei Päpsten gleichzeitig geleitet wurde, eine durchaus präzise Vorgabe.

Der amtierende Papst hat sich derweil mal wieder einen Maulkorb eingefangen. Aus Chile kam die Bitte, er solle während seines Besuchs dort ja nicht das ungeliebte Nachbarland Bolivien erwähnen. Man fragt sich langsam, worüber dieser Papst überhaupt noch reden soll: In Myanmar darf er nicht "Rohingya" sagen, der Verband kinderreicher Familien will das Wort "Karnickel" nicht mehr hören; Da wäre es doch sinnvoll, wenn sich alle Beteiligten darauf verständigen könnten, dass sich der Papst künftig in seinen Predigten auf den Kern der christlichen Botschaft beschränkt: Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit!

Von Thomas Jansen

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